John Nash ist tot Aus dem Gleichgewicht

  • Der Mathematiker John Forbes Nash ist mit 86 Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen.
  • Nash war zentral an der Entwicklung der Spieltheorie beteiligt, die in strategischen Entscheidungen der USA im Kalten Krieg angewendet wurde.
  • Nash litt an schwerer Schizophrenie und musste immer wieder in einer Psychiatrie behandelt werden.
  • Sein Leben war die Grundlage des Films "A Beautiful Mind", der 2001 mit vier Oscars ausgezeichnet wurde.
Von Katharina Brunner

John Nash: Sein Spezialgebiet war die Spieltheorie.

(Foto: dpa)

Vorlage für einen Hollywood-Film

Es passiert nicht oft, dass ein Mathematiker der Protagonist eines Spielfilms wird - und der Film dann auch noch vier Oscar gewinnt. Doch das Leben des Mathematikers John Nash hatte genug Stoff für den über zweistündigen Hollywood-Film "A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn".

Als junger Mathematiker ging Nash 1950 zur Rand Corporation. Als der Kalte Krieg begann und die USA und die Sowjetunion aufrüsteten, beriet die Rand Corporation das US-Militär in strategischen Fragen. Einer der Berater war Nash. Sein Spezialgebiet: die Spieltheorie.

Diese Unterart der Mathematik beschäftigt sich mit strategischen Entscheidungen. Warum der Kalte Krieg nie in einen direkten Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion mündete, hat womöglich auch mit Nashs Forschung zu tun.

Kalter Krieg als Nash-Gleichgewicht

Denn bis in die 80er Jahre verfolgten amerikanische Regierungen die sogenannte MAD-Doktrin, was für "mutually assured destruction" steht, auf Deutsch "wechselseitig zugesicherte Zerstörung". Diese Strategie kann mit mathematischen Modellen begründet werden und erklären, warum es nie zu einem direkten Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion gekommen ist: Beide Seiten hatten so viele Atomwaffen, dass die Gegenseite völlig zerstört werden konnte. Weder Washington noch Moskau wollten deshalb mit einem Angriff die eigene Zerstörung in Kauf nehmen. Diese Pattsituation wird das "Gleichgewicht des Schreckens" genannt - und stellt aus mathematischer Sicht ein Nash-Gleichgewicht dar.

Mit diesem nach ihm benannten zentralen Konzept bei nicht-kooperativen Spielen hat sich Nash in der Spieltheorie verewigt. Doch das alleine hätte nicht gereicht, dass sich Hollywood für Nashs Leben interessiert. Dazu brauchte es Nashs Privatleben: Kurz bevor er eine Professur am Massachusetts Institute of Technology übernehmen konnte, diagnostizierten Ärzte paranoide Schizophrenie bei dem damals 31-Jährigen. In den folgenden Jahren dominierte die Krankheit sein Leben, immer wieder musste er zur Behandlung in Psychiatrien. Diese Kombination aus Hochbegabung und psychischer Krankheit machte Hollywood auf Nash aufmerksam.

Kurz vor dem Tod eine letzte Auszeichnung

1994 ist John Nash für seine Leistungen in der Spieltheorie mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet worden, zusammen mit John Harsanyi und Reinhard Selten, dem bisher einzigen deutschen Preisträger.

Am vergangenen Samstag ist John Nash im Alter von 86 Jahren zusammen mit seiner Frau Alicia ums Leben gekommen. Ihr Taxi ist auf der Autobahn im US-Bundestaats New Jersey in die Leitplanke gerast, der Fahrer hat überlebt. Nash war auf dem Rückweg von Norwegen, wo König Harald V. ihm und seinem Kollegen Louis Nirenberg den Abel-Preis für Mathematik verliehen hatte.