Der ehemalige Bundesfinanzminister Jörg Kukies, Vorgänger des aktuellen Amtsinhabers Lars Klingbeil, kehrt mit Zustimmung der Bundesregierung in die Investmentbanking-Branche zurück. Der 58-Jährige heuert im Mai bei der US-Investmentbank Morgan Stanley an. Er verbringt die ersten sechs Monate in London, im November soll er als Deutschland- und Österreich-Chef der Bank sowie als Chef der Europa-Tochter nach Frankfurt zurückkehren, wie Morgan Stanley am Mittwoch mitteilte.
Das Bundeskabinett stimmt diesem Wechsel nach Angaben eines Regierungssprechers unter Auflagen zu. Danach darf Kukies bis November 2026 keine Führungsaufgaben für Morgan Stanley wahrnehmen und nicht in Deutschland oder im EU-Geschäft der Bank tätig werden.
Er arbeitete auch im Bundeskanzleramt unter Olaf Scholz
Das Kabinett sei mit dieser Entscheidung einer Empfehlung des unabhängigen Karenzzeitgremiums gefolgt, fügte der Sprecher hinzu. Dieses hatte auch die Auflage empfohlen, dass Kukies zwölf Monate nach seinem Ausscheiden aus der Regierung gar nicht zu einer Bank wechseln darf. Das SPD-Mitglied Kukies hatte vor seinem Wechsel in die Politik fast zwei Jahrzehnte für die US-Investmentbank Goldman Sachs gearbeitet. 2018 wurde er als Staatssekretär in das von Olaf Scholz geführte Bundesfinanzministerium berufen. Nach Scholz’ Wahl zum Bundeskanzler folgte er ihm als Staatssekretär ins Bundeskanzleramt, wo er als persönlicher Beauftragter des Kanzlers unter anderem die G-7- und G-20-Gipfel vorbereitete.
Nach dem Bruch der Ampelkoalition im November 2024 wurde Kukies als Nachfolger von Christian Lindner (FDP) Bundesfinanzminister, nach der Abwahl von Scholz verließ er im Mai 2025 die Politik. „Seine umfassende Finanzmarktexpertise, seine Führungserfahrung und sein langjähriges Engagement für die wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen in Deutschland werden von entscheidender Bedeutung sein, um unsere Präsenz in der Region weiter auszubauen“, sagte Morgan-Stanley-Europa-Chefin Clare Woodman. Kukies solle das Geschäft „in die nächste Wachstumsphase“ führen. Als Deutschland-Chef löst er André Munkelt ab, der den Posten vor zwei Jahren von Oliver Behrens übernommen hatte.

