Jörg Hofmann VW-Aufsichtsrat attackiert Piëch

Früher ging bei VW nichts ohne Ferdinand Piëch. Nun fragt ein Aufsichtsrat, ob der Ex-Patriarch sich in der Diesel-Affäre richtig verhalten hat.

(Foto: dpa)
  • Der VW-Aufsichtsrat Hofmann möchte Schadenersatzforderungen gegen den ehemaligen Patriarchen Piëch prüfen.
  • Piëch hat der Staatsanwaltschaft gesagt, er habe Ex-Chef Winterkorn Monate vor dem Bekanntwerden des Diesel-Skandals mit Hinweisen auf mögliche Manipulationen in den USA konfrontiert.
  • Hofmann wirft nun die Frage auf, warum Piëch damals nicht auch im Aufsichtsrat Alarm geschlagen hat.

Wer wusste bei VW wann über den Diesel-Skandal Bescheid? Der ehemalige VW-Patriarch Ferdinand Piëch hat mit einer Aussage bei der Staatsanwaltschaft den Ex-Chef Martin Winterkorn schwer belastet. Sollte Winterkorn früher über die Diesel-Affäre Bescheid gewusst haben als er behauptet, könnte das Aktionären helfen - und für VW teuer werden. Anleger verklagen den Konzern auf Schadenersatz in Höhe von mehr als acht Milliarden Euro.

Der VW-Aufsichtsrat Jörg Hofmann lenkt jedoch nun den Blick auf Piëch. IG-Metall-Chef Hofmann sitzt seit November 2015 in dem Gremium, das den Konzernvorstand kontrollieren soll. Er kam also in das Gremium, nachdem im September 2015 die Diesel-Affäre öffentlich wurde. Hofmann wirft in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung die Frage auf, ob sich Piëch korrekt verhalten hat. Der hatte als Zeuge bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig ausgesagt, er habe schon im März 2015 als damaliger VW-Aufsichtsratschef Winterkorn mit Hinweisen auf Manipulationen bei Abgastests in den USA konfrontiert. Das widerspricht der offiziellen Version von Volkswagen. Diese besagt, dass der Konzernvorstand von den Diesel-Betrügereien nichts gewusst habe, bis sie im September aufgeflogen seien.

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Hätte Piëch im Aufsichtsrat nicht Alarm schlagen müssen, anstatt nur mit Winterkorn zu reden? "Wäre die Aussage [vor dem Staatsanwalt, d. Red.] zutreffend, was Gegenstand der Prüfung ist, stellt sich die Frage, ob Professor Piëch seine Pflichten als damaliger Aufsichtsratsvorsitzender erfüllt hat", sagt Hofmann. Piëch war bis April 2015 Vorsitzender des Aufsichtsrates.

Hofmann droht Piëch in der FAS mit Schadenersatzforderungen. "Dann sind mögliche Haftungsansprüche zu prüfen", sagt er.

Winterkorns Anwälte halten sich bedeckt

Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft hatte vor einer Woche die Ermittlungen gegen Winterkorn auf Betrugsverdacht ausgeweitet. Laut den Strafverfolgern hatten sich "zureichende tatsächliche Anhaltspunkte" ergeben, dass der ehemalige Konzernchef früher als von ihm öffentlich behauptet von der Betrugssoftware und ihrer Wirkung gewusst haben könnte. Dabei berief sich die Ermittlungsbehörde auf eigene Vernehmungen von Zeugen und die Auswertung beschlagnahmter Dateien.

Piëch soll seine frühen Hinweise auf die Ermittlungen in den USA laut Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR von Avi Primor bekommen haben, dem früheren israelischen Botschafter in Deutschland. Primor war dem Vernehmen nach im Februar 2015 in der VW-Zentrale in Wolfsburg zu Besuch gewesen. Dort hätten sich Piëch und Primor zu einem Vier-Augen-Gespräch zurückgezogen. Primor soll gesagt haben, in Amerika gebe es Probleme mit den Abgasen, VW habe geschummelt. Er zitierte aus einem Papier. Piëch soll allerdings keine Kopie davon bekommen haben.

Winterkorns Anwälte halten sich bedeckt. Sie hatten erklärt, ihr Mandant habe erst vor wenigen Tagen "von der Existenz einer weitergehenden Aussage" des früheren VW-Aufsichtsratschefs Piëchs erfahren. Einzelheiten dieser Aussage kenne Winterkorn nicht. Er werde sich zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen erst später äußern, wenn die Akten der Staatsanwaltschaft Braunschweig zur Einsichtnahme vorlägen.

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