Im Kampf um Fachkräfte werben Unternehmen in Deutschland in Stellenanzeigen nur selten mit Familienfreundlichkeit. Zwar sagten 86 Prozent der Unternehmen, dass sie Wert legten auf familienfreundliche Maßnahmen, im vergangenen Jahr aber versprachen in acht Millionen geschalteten Anzeigen nur 16,4 Prozent familienfreundliche Jobangebote, wie eine Analyse der Bertelsmann Stiftung nun ergeben hat.
Ein Bekenntnis zur guten Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben enthielten demnach nur zwölf Prozent der Annoncen, und nur 2,7 Prozent stellen Unterstützung bei der Kinderbetreuung in Aussicht. Auch der Hinweis auf flexible Arbeitszeiten komme häufig zu kurz. Nur bei 14 Prozent der Stellenanzeigen könnten Bewerber den Umfang der Arbeitszeit selbst wählen. 25 Prozent der Unternehmen böten an, die Wochenarbeitszeit flexibel und nach Bedarf zu verteilen. Damit verschenken Unternehmen nach Ansicht der Autoren die Chance, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für sich zu gewinnen.
Bei Jobs mit höherer Qualifikation wie einem Masterabschluss müssen Bewerber der Analyse zufolge bei der Mobilität flexibler sein. Dafür zeigen sich die Arbeitgeber hier bei 21,4 Prozent der Stellenanzeigen familienfreundlicher. Auf dem Niveau von Helferjobs seien es dagegen nur 11,2 Prozent. Auch bei Gestaltung der Arbeitszeit haben besser Qualifizierte demnach mehr Freiheiten. 33 Prozent der Stellenanzeigen böten hier flexiblere Arbeitszeiten an, bei Helferjobs ohne Ausbildung sind es nur 14 Prozent. „Beschäftigte mit geringer und mittlerer Qualifikation werden klar benachteiligt“, sagte Mitautorin Michaele Hermann.

