Jobabbau bei Nokia Siemens "Abstieg aus der Champions League"

Rosskur für Nokia Siemens Networks: Rund 5800 Mitarbeiter müssen gehen - vor allem Deutschland könnte betroffen sein.

Von Thorsten Riedl

Das Unheil hatte sich schon Mitte Oktober angekündigt: Der Handyhersteller Nokia meldete da den ersten Quartalsverlust in mehr als einem Jahrzehnt - vor allem aufgrund einer hohen Abschreibung auf das Geschäft des Netzausrüsters Nokia Siemens Networks.

5800 Mitarbeiter von Nokia Siemens Networks müssen gehen.

(Foto: Foto: AFP)

Nun kündigte das Gemeinschaftsunternehmen der Finnen und des Münchner Technikkonzerns Siemens am Dienstag an, das Geschäft umzubauen und bis zu 5800 Mitarbeiter zu entlassen. In welchen Bereichen und an welchen Standorten genau, stehe noch nicht fest, sagte Hans-Jürgen Bill, Personalchef von Nokia Siemens Networks der Süddeutschen Zeitung. "Wir haben noch keinen konkreten Plan." Gewerkschafter gehen davon aus, dass Deutschland in besonderem Maße betroffen sein wird: Von den 64.000 Beschäftigten arbeiten 10.500 hier.

Billig-Konkurrenz aus Fernost

Nokia Siemens Networks leidet. Das Unternehmen baut die Netze von Telefongesellschaften. Doch für die Klientel wird das Geschäft schwieriger: Jeder Deutsche hat im Schnitt schon mehr als ein Handy, telefoniert über den Festnetzanschluss höchstens noch zu einer preiswerten Pauschale - und auch das Wachstum bei schnellen Internetanschlüssen flacht ab.

Hinzu kommen Billiganbieter aus Fernost wie Huawei oder ZTE, die den Margen von Nokia Siemens zusetzen. In diesem Jahr hat das Gemeinschaftsunternehmen nur Verluste erwirtschaftet. Etwa 900 Millionen Euro mussten die Finnen deshalb schon abschreiben. In Branchenkreisen wird erwartet, dass auch Siemens bei der Vorlage der Quartalszahlen Anfang Dezember den Wert in ähnlicher Höhe berichtigt.

Vertriebsmannschaft soll bleiben

Nokia Siemens Networks soll nun zurück auf Wachstumskurs. "Das ist das absolut Wichtigste", sagte Bill. Die fünf bestehenden Geschäftseinheiten werden deshalb auf drei verkleinert. Bis 2011 sollen die Kosten im Vergleich zu heute um mehr als eine Milliarde Euro sinken. Sieben bis neun Prozent der Mitarbeiter müssen gehen. Die Vertriebsmannschaft soll davon kaum betroffen sein, hieß es.

Bei Gründung des Gemeinschaftsbetriebs von Nokia und Siemens vor zwei Jahren sind bereits 9000 Stellen weggefallen. "Wenn Nokia Siemens Networks weiter schrumpft, droht der Abstieg aus der Championsleague", sagte Michael Leppek, Beauftragter für das Unternehmen bei der IG-Metall. "Man kann sich in dieser Situation nicht gesundsparen."