Diskriminierung:Wenn Bewerbungen sofort aussortiert werden

Lesezeit: 2 min

Berufsausbildung für Migranten

Die fehlenden Masken verraten es sofort: Dies ist ein Archivbild und zeigt Auszubildende der Kölner Handwerkskammer.

(Foto: Oliver Berg/dpa)

Keine Chance auf den Job, weil der Nachname mit Ș beginnt? Wie Migranten bei Bewerbungen Diskriminierung erleben, zeigt eine neue Umfrage.

Von Sophie Scholl

Ob durch den Namen, die Herkunft oder die Religion: Viele Menschen mit Migrationshintergrund erfahren Diskriminierung bei der Suche nach einem Arbeitsplatz. Eine Umfrage des Jobportals Indeed zeigt nun, wie stark Bewerberinnen und Bewerber mit Migrationshintergrund von Diskriminierung betroffen sind und welche Hürden sie bei Bewerbungen nehmen müssen. An der Yougov-Umfrage nahmen 502 Erwerbstätige mit Migrationshintergrund in Deutschland teil.

41 Prozent der Befragten erfahren demnach häufig oder manchmal Diskriminierung während einer Bewerbung. Besonders betroffen sind Frauen: Etwa die Hälfte der Frauen erlebt Diskriminierung, bei den Männern ist es etwa ein Drittel. Diese Beobachtung macht auch Delal Atmaca, Geschäftsführerin des Dachverbandes für Migrantinnenorganisationen (DaMigra). Migrantinnen würden mehrfach Diskriminierung erfahren, wegen ihrer Herkunft und des Geschlechts. Sie erlebten viel höhere Barrieren am Arbeitsmarkt, berichtet Atmaca: "Ihre Bewerbungen werden vorab aussortiert, und zu Bewerbungsgesprächen werden sie gar nicht erst eingeladen."

Für die Bewerber gibt es viele Hindernisse bei der Jobsuche. 43 Prozent der Befragten haben den Eindruck, dass Deutsch-Muttersprachler bevorzugt würden. Ebenso viele sehen Vorurteile gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund in den Personalabteilungen. Aufgrund ihres Namens gaben 37 Prozent an, diskriminiert worden zu sein, wegen ihrer Staatsangehörigkeit 31 Prozent. 27 Prozent der Befragten gaben an, sich wegen ihres Geburtsortes oder -landes diskriminiert zu fühlen, aufgrund ihrer Religion fühlen sich etwa 26 Prozent benachteiligt.

"Viele Menschen mit Migrationshintergrund wachsen in Deutschland auf, gehen hier zur Schule und studieren - beachtet wird das aber nicht", sagt Atmaca von DaMigra. "Es braucht ein ehrliche Debatte, ein ernsthaftes Umdenken, den Abbau von Barrieren und die Bekämpfung von Rassismen."

37 Prozent fühlen sich unter Druck, dass sie mehr leisten müssten als Kollegen ohne Migrationshintergrund

Um Diskriminierung bei Bewerbungen zu verhindern, sprechen sich jeweils 35 Prozent der Befragten für strukturierte Bewerbungsgespräche und anonymisierte Bewerbungen aus, die also auf die Angabe von Namen, Geschlecht und Nationalität verzichten.

Im Beruf selbst stehen viele Menschen mit Migrationshintergrund unter Druck. Sie haben das Gefühl, mehr leisten zu müssen als ihre Kolleginnen und Kollegen ohne Migrationshintergrund. 37 Prozent der Befragten sagen, dass sie glauben, für die gleiche Anerkennung mehr arbeiten zu müssen.

Atmaca vom Dachverband für Migrantinnenorganisationen fordert Firmen auf, hier mehr zu tun - im eigenen Interesse. "Vielfalt ist ein Gewinn für Unternehmen, Behörden und Institutionen", sagt sie. "Mehrsprachigkeit und der Blick aus anderen Perspektiven bringen echte Vorteile und nicht nur ein gutes Image." Auch die Befragten wünschen sich mehr Wertschätzung. Etwa die Hälfte erhofft sich vom Arbeitgeber mehr Anerkennung für Fähigkeiten wie Vielsprachigkeit, interkulturelle Kompetenzen und Anpassungsfähigkeit.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB