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Jérôme Kerviel vor Berufungsgericht:Fünf Milliarden und Knast

Er hatte mit Unsummen spekuliert und der Großbank Société Générale mit seiner Zockerei einen Milliardenverlust eingebrockt. Den muss der ehemalige Banker Jérôme Kerviel ausgleichen, hat ein Berufungsgericht in Paris bestätigt.

Former Societe Generale trader Kerviel arrives at the Paris court for the verdict in his appeal trial

Jérôme Kerviel hat der Großbank Société Générale fast fünf Milliarden Euro Verlust eingebrockt - und muss die Summe auch in dieser Höhe zurückzahlen. 

(Foto: REUTERS)

Jérôme Kerviel ist wahrscheinlich der höchst verschuldete Europäer. Der ehemalige französische Banker muss 4,9 Milliarden Euro zurückzahlen - diese Summe verlor die französische Großbank Société Générale durch Kerviels Zockerei. Ein Berufungsgericht in Paris hat die harte Strafe nun bestätigt.

Kerviel hatte als Händler der Société Générale am Ende mit 50 Milliarden Euro spekuliert, mehr Geld, als die Bank damals als Eigenkapital veranschlagte. Der Banker brachte das Institut mit seinen Finanzsgeschäften in Existenzschwierigkeiten und setzte die Stabilität des internationalen Währungssystems aufs Spiel.

Weil dies aber ist kein Straftatbestand ist, wurde Kerviel in einem ersten Verfahren 2010 wegen Fälschung, Vertrauensbruch und unberechtigter Computernutzung zu fünf Jahren Haft verurteilt. Zwei davon setzten die Richter zur Bewährung aus. Auch dies bestätigte das Gericht am Mittwoch in Paris.

Kerviel hatte im Berufungsverfahren erneut beteuert, dass sein früherer Arbeitgeber von den Spekulationsgeschäften gewusst und sie toleriert habe. Sein Anwalt David Koubbi nannte den Prozess eine große Vertuschungsaktion zum Schutz der Finanzindustrie und hatte einen Freispruch gefordert. Er will nun prüfen, ob er ein Revisionsverfahren am Kassationshof beantragt.

Die Bank hatte die Vorwürfe von Kerviel und seinem Verteidiger stets zurückgewiesen. Jean Veil, der Anwalt der Société Générale, sagte, das Urteil sei "eine Genugtuung". Zugleich sei die Bank "realistisch" was die Rückzahlung der Summe angehe, sagte der Zeitung Les Echos. Daher werde sie nicht die volle Rückzahlung geltend machen, sondern Kerviels Einkommen und seinen Besitz berücksichtigen, sagte er.

Die Socété Générale traf nach dem Milliardenverlust zahlreiche Vorkehrungen, um Fälle wie diesen in Zukunft unmöglich zu machen. Die Affäre riss das Finanzinstitut in eine tiefe Krise und kostete etliche Top-Manager den Job.

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