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Jenoptik:Das Cleverle geht

Generationswechsel beim Technologiekonzern Jenoptik: Auf der Hauptversammlung in Erfurt hat der Vorstandsvorsitzende Lothar Späth das Zepter an Alexander von Witzleben übergeben. Der Nachfolger Späths ist erst 39 Jahre alt und ist damit um 26 Jahre jünger als der schwäbische Ex-Ministerpräsident.

In seinem letzten Geschäftsbericht sagte der 65-Jährige, der in den Aufsichtsrat wechselt, Jenoptik habe die Umsatz- und Ertragserwartungen im zurückliegenden Jahr nicht erreicht, "aber wir sind noch einmal glimpflich davongekommen".

Alexander von Witzleben (Vordergrund) übernimmt das Ruder von Lothar Späth.

(Foto: dpa)

Nach zwei sehr erfolgreichen Jahren hätte er zum Abschied gern nochmals ein Rekordergebnis vorgelegt. Aber das Jahr 2002 sei kein Jahr der weltweiten Rekorde bei Wachstum und Ertrag gewesen, und schon gar nicht in der deutschen Wirtschaft.

Große Potenziale

"Die ersten zwölf Jahre der Jenoptik liegen mit all ihren Höhen und Tiefen hinter uns", sagte Späth. Das Geschäftsjahr 2002 gehöre in die Mitte zwischen die schlechten Jahre wie 1998 und die guten Jahre wie 2000 und 2001. Aber hinter der Bilanz stehe ein zukunftsträchtiges Hochtechnologieunternehmen mit großen Potenzialen, betonte Späth.

Er kündigte eine Verkleinerung des Vorstandes an. Nach seinem Ausscheiden würden neben Witzleben als Vorstandsvorsitzender und Finanzchef noch Jürgen Gießmann als stellvertretender Vorsitzender und Norbert Thiel dem Vorstand angehören. Geplant sei auch eine Verschmelzung der Holding der Jenoptik Photonics mit der Jenoptik AG, was zu Synergie- und weiteren Einspareffekten führen könne.

"Auf dem Rücken vieler Langzeitarbeitsloser"

Das Unternehmen sei zum Motor für die Technologieregion Jena geworden, sagte Späth und erinnerte daran, dass es "auf dem Rücken vieler Langzeitarbeitsloser, vor allem der älteren Jahrgänge", entstanden sei. "Alles andere wäre unehrlich, aber es gab keinen menschlicheren Weg."

Die in den zurückliegenden zwölf Jahren geleisteten Aufgaben nannte Späth das Risikoreichste, aber auch das Spannendste, was er in seinem Leben bisher gemacht habe.

Späth informierte darüber, dass der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Roland Schelling und das Aufsichtsratsmitglied Andreas Trautvetter aus dem Gremium ausscheiden würden.

Alexander von Witzleben sagte, der Auftrageingang und Auftragsbestand lasse optimistisch ins Jahr 2003 blicken. Mit 2,14 Milliarden Euro habe der Auftragseingang eine neue Bestmarke erreicht. Für das Gesamtjahr 2003 solle der Konzernumsatz wieder zulegen und die Zwei-Milliarden-Euro-Marke erreichen.

Einsparungen

Witzleben sagte, ab 2004 sollten rund vier Millionen Euro an Personal- und Verwaltungskosten in der Holding eingespart werden. Die Zahl er Beschäftigten im Jenoptik-Konzern werde im laufenden Jahr etwa stabil bleiben. Zum Ende 2002 waren es 9.824 Mitarbeiter.

(sueddeutsche.de/AP)