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Jean Pierre Mustier:Unicredit-Chef: "Sponsoring der Champions League wird beendet"

"Viel mehr automatisierte Abläufe, mehr Zeit für Kunden, weniger Papierarbeit - und insgesamt weniger Personal." So sieht Jean Pierre Mustiers Vision für die Zukunft von Unicredit aus.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Jean Pierre Mustier will den Bankkonzern wieder auf Kurs bringen und streicht 14 000 Jobs. Auch er verzichtet auf Geld - und entzieht der Uefa Millionen.

Dass sich ein Banker mit Edelmetallen auskennt, schadet sicher nicht. Sie selbst schon aus dem Boden geschürft haben sie aber wohl nur die wenigsten - Jean Pierre Mustier gehört dazu.

Während seines Studiums machte der heutige Chef des größten italienischen Bankenkonzerns Unicredit ein Praktikum in einer südafrikanischen Platinmine: "Die Schicht fing morgens um fünf an, sechs Monate lang habe ich 2500 Meter unter Tage gearbeitet", erzählt der Franzose im SZ-Interview. Mit einem Presslufthammer habe er im Schacht Löcher für das Dynamit in den Fels gebohrt, gesprengt und anschließend das Platin aus dem Schacht geschafft. Ziemlich handfeste Erfahrungen also, diente Mustier doch zuvor auch schon Fallschirmjäger in der französischen Armee.

Inzwischen konzentriert sich der 55-Jährige aber nur noch darauf, Unicredit wieder auf Kurs zu bringen. Bis 2019 will die Konzernmutter der Münchner Hypo-Vereinsbank dazu insgesamt 14 000 Stellen streichen, Hunderte Filialen schließen und jährlich 1,7 Milliarden Euro einsparen. Die Digitalisierung treffe die Bankenbranche besonders heftig, deshalb müsse die Arbeit völlig neu organisiert werden, sagt Mustier. "Das heißt viel mehr automatisierte Abläufe, mehr Zeit für Kunden, weniger Papierarbeit - und insgesamt weniger Personal."

Um auch selbst einen Beitrag zu leisten, hat Mustier sein Fixgehalt um 40 Prozent gekürzt und Boni gibt es nur, wenn alle Ziele erreicht werden - und zwar ausschließlich in Aktien und frühestens nach sieben Jahren."Das ist das strengste Bezahlungsmodell für einen Bankchef, das es heute in Europa gibt", sagt Mustier.

Weniger Geld für Fußball, mehr für Soziales

Auch an anderer Stelle spart der seit Sommer amtierende Bankchef: Der Firmenjet ist verkauft und die Champions League will Unicredit auch nicht mehr sponsern, "das habe ich gleich am Tag nach meinem Amtsantritt entschieden", sagt Mustier. Wenn der Vertrag mit der Uefa im Frühjahr 2018 ausläuft, werde er nicht verlängert.

Zugleich will er mit dem Konzern aber Gutes tun. "Deswegen wird Unicredit eine Sozialbank einrichten, für die ich 50 bis 100 Millionen Euro Kapital bereitstellen will", kündigt Mustier an. "Wir wollen übrigens daran nichts verdienen, wir geben die Zinsen später als Spenden zurück."

Lesen Sie das ganze Interview mit Unicredit-Chef Jean Pierre Mustier hier - mit SZ-Plus:

Unicredit "Für Versagen darf es keine Belohnung geben"
Unicredit-Chef Jean Pierre Mustier

"Für Versagen darf es keine Belohnung geben"

Unicredit-Chef Mustier streicht Tausende Jobs - und sich selbst viel Gehalt. Statt Sponsoring für die Champions League will die Bank nun Gutes tun.   Interview von Stephan Radomsky und Andrea Rexer