Süddeutsche Zeitung

Geldpolitik:Japans Notenbank hilft nur der Börse

  • Noch mehr Abenomics: Japan lockert seine Geldpolitik weiter. Die Zentralbank pumpt künftig noch mehr Yen in die Finanzmärkte.
  • Aktienkurse weltweit steigen, der Dax etwa legt zeitweise um zwei Prozent zu. Aber die Lage für die normalen Japaner verschlechtert sich.

80 Billionen Yen von der Zentralbank

Die Finanzmärkte wurden von der Ankündigung der japanischen Notenbank überrumpelt. Statt wie bisher 60 bis 70 Billionen Yen pro Jahr will sie jährlich nun 80 Billionen Yen, etwa 570 Milliarden Euro, in die Wirtschaft pumpen (PDF). Sie will auch mehr Staatsanleihen kaufen. Dabei übernimmt die Zentralbank bereits 70 Prozent der ausgegebenen Schuldtitel des eigenen Landes. Damit wird die ungewöhnliche Geldpolitik Japans noch mal ungewöhnlicher.

Schulden sind extrem hoch

In Japan ist der Staat ist mit 250 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung verschuldet, das hat es in einem modernen Industrieland noch nie gegeben. Dennoch wird die Zentralbank dieses Staatsdefizit künftig zu einem noch größeren Anteil finanzieren. Zusätzlich hat sie auch ihr Budget zum Kauf von Aktienfonds um drei Billionen Yen aufgestockt, etwa 21,4 Milliarden Euro. Sie pumpt also auch noch mehr Geld als bisher in die Börse.

Schritt ist auch in der Zentralbank umstritten

Der von der Börse nicht erwartete Coup war eine äußerst knappe Entscheidung. Vier von neun Mitgliedern des Bankrats stimmten dagegen. Sie fürchten offenbar um die Stabilität des japanischen Finanzgefüges. Zumal die Politik des billigen Gelds von Notenbank-Chef Haruhiko Kuroda schon bisher nicht funktioniert. Japans große Unternehmen sitzen auf fast 200 Milliarden Euro Cash. Dennoch investieren sie in Japan nicht: Sie sehen darin einfach keinen Sinn.

Abenomics soll's richten, aber zündet bisher nicht

Die vielen Billionen Yen der Notenbank gehören zur Wirtschaftspolitik von Premier Shinzo Abe, die als Abenomics bekannt ist. Er will so das Land aus einer jahrelangen Krise führen - doch bisher scheitert Abenomics. Japan stagniert.

In den vergangene Monaten haben Notenbank und Regierung immer neue Geschichten präsentiert, mit denen sie alarmierende Zahlen wegzuerklären suchten: Die Erhöhung der Mehrwertsteuer sei schuld, dann hieß es gar, das Auslaufen von Windows XP sei verantworlich. Oder eben das schlechte Sommerwetter und die Konsumschwäche in Europa. Nur eins war nie schuld: Abenomics selbst.

Dabei hat Premier Abe den angeblich wichtigsten Teil seines Sanierungsprogramms stets nur in großen Tönen angekündigt: die Strukturreformen. Tatsächlich geschehen ist fast nichts.

Regierung will Börse stärken - aber der Konsum bricht ein

Abe meint, Japans Wirtschaft werde sich erholen, wenn nur genügend Leute daran glauben. Die Börse ist in seinen Augen das wichtigste Barometer für diesen Glauben, deshalb beobachtet er die Kursentwicklung ganz genau. In der realen Wirtschaft hat aber die zusätzliche Liquidität, mit der Notenbank-Chef Kuroda Japan seit 19 Monaten überschwemmt, keine Wirkung gezeigt. Sie hat nur die Börse beflügelt und den Yen geschwächt. Letzteres sollte die Exporte ankurbeln, sie sind im Ausland nun billiger. Doch auch das hilft nicht: Japanische Waren, Elektronik zum Beispiel, verkaufen sich trotzdem schlecht.

Statt den Exportfirmen zu helfen, belastet der schwache Yen die Verbraucher. Die durchschnittliche japanische Familie hat heute trotz Geldschwemme weniger in der Haushaltskasse als vor zwei Jahren. Selbst wenn sie wollte, kann sie nicht mehr konsumieren. Das zeigte eine ebenfalls am Freitag veröffentlichte Zahl: Im September haben die Japaner 5,6 Prozent weniger Geld ausgegeben als vor einem Jahr.

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