Japan Familienkrach

Katsuhisa Otsuka hat einst das japanische Möbelhaus gegründet. Zu seinem Leidwesen führt seine Tochter Kumiko Otsuka mittlerweile das Unternehmen.

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Die japanische Möbelfirma Otsuka versorgte den gehobenen Mittelstand mit Möbeln. Nach 25 Jahren wirtschaftlicher Stagnationen ist die Firma in Not, Vater und Tochter streiten über die Strategie.

Von Christoph Neidhart, Tokio

Otsuka hat es schwer. Die Sofa-Landschaft, die im Erdgeschoss des Möbelhauses im Einkaufsviertel Ginza steht, ist größer als die Studios, in denen Millionen junger Japaner wohnen. Für die Liege von Le Corbusier im Schaufenster müssten viele einen Monatslohn zahlen. Und wer kauft noch Jugendstillampen für mehr als 1000 Euro? Kein Wunder, dass in Otsukas Laden mehr Angestellte als Kunden sind.

Als Unternehmen, das dem gehobenen Mittelstand mit Möbeln auch Prestige verkaufte, leidet Otsuka unter den 25 Jahren wirtschaftlicher Stagnation. Zumal die Zahl der neu bezogenen Wohnungen seither um die Hälfte gesunken ist und Japaner nicht nach Hause einladen. Viele Japaner haben keine Lust mehr auf Statussymbole, darunter leidet auch die Autoindustrie. Als Ikea 1972 nach Japan kam, floppten die Schweden. 1986 zogen sie wieder ab. Als sie es 2006 erneut versuchten, schlug Ikea ein. Der Möbel-Discounter Nitori, auch "Japans Ikea" genannt, konnte seinen Gewinn schon seit 1988 jedes Jahr steigern. Otsuka dagegen schreibt tiefrote Zahlen. Die Aktie ist seit ihrem Höchststand um 80 Prozent eingebrochen. Das Unternehmen stand vor der Pleite.

Jetzt sind der Elektronik-Discounter Yamada und eine Gruppe mit Geld aus China und Taiwan eingestiegen und stocken das Kapital auf. "Wir gehen von der Defensive in die Offensive", verspricht Firmenchefin Kumiko Otsuka. Sie will in den Online-Handel und ins China-Geschäft einsteigen. Bisher ist Otsuka nur in Japan aktiv. Doch "die Branche wandelt sich rasant". sagt sie. Um die neuen Strukturen und Pläne zu erklären, lud sie mit Chen Haibo, dem Chef der chinesischen E-Kommerz-Firma "High-Lines" zur Pressekonferenz. High-Lines ist ein Partner des chinesischen Online-Händlers Alibaba.

Die Journalisten waren aber nicht wegen Otsukas Rettungsplan gekommen. Sie wollten lieber wissen, ob sich die 51-Jährige mit ihrem Vater versöhnt habe, dem Firmengründer Katsuhisa Otsuka. Japaner tragen Konflikte nicht öffentlich aus; sie vermeiden sie, so weit das geht. Das gilt erst recht für Streit in der Familie, man geht sich lieber aus dem Weg. Das Interesse an der wüsten Familiensaga der Otsukas ist deshalb groß. Kumiko war vor zehn Jahren vom Vater zur Chefin ernannt worden, das Möbelhaus hatte schon damals Mühe. Die Tochter wollte die Firma umbauen und der Zeit anpassen. Doch der Alte nörgelte, ihr Marketing sei zu zahm, und sie müsse mehr auf das Hochpreissegment setzen. Damals noch Vorstandsvorsitzender, beschimpfte er seine Tochter in der Presse: sie sei ein "schlechtes Kind".

Als Frau, die überdies jünger war als ihre männlichen Manager, hatte sie eigentlich keine Chance. Der Alte setzte sie ab. Doch der Vorstand installierte sie wieder. In einer Aktionärsversammlung vor vier Jahren polterte der Alte, der einzige Fehler, den er ja gemacht habe, sei es gewesen, der Tochter das Unternehmen zu überlassen. Die Mutter stimmte vor Aktionären und Medien in seine Tirade ein. Kumiko hörte sich die öffentlichen Schmähungen ihrer Eltern reglos an, ihren Blick zu Boden gerichtet. Wundersamerweise hielt der Vorstand zu ihr, der Alte musste gehen. 2015 versuchte er, inzwischen mit 18 Prozent Anteilen der größte Aktionär, die Tochter mit einem eigenen Businessplan zu stürzen. Doch die Aktionäre ließen ihn einer Kampfabstimmung abblitzen.

"Mein Großvater war Schreiner, er schuf edle Kommoden aus Paulownia-Holz. Mein Vater ist mit seinem Sinn für Qualität aufgewachsen. Er hatte das beste Auge in der Branche. Ich habe mit ihm viele Fabriken besucht. Und ich glaube, ich habe seinen Sinn für Qualität, feine Materialen und sorgfältige Verarbeitung geerbt", sagt Kumiko Otsuka heute versöhnlich. Sie lade den nun 75-Jährigen ein, in die Firma zurückzukehren. "Aber unsere Meinung, wie man ein börsennotiertes Unternehmen führt, gehen auseinander." Nippons prominentester Generationenkonflikt - und der ungewöhnlichste - geht weiter.