Japan Weitere Anklage gegen Carlos Ghosn

Carlos Ghosn und seine Ehefrau Carole im März, vor der Verhaftung Ghosns.

(Foto: imago images / Kyodo News)

Japans Staatsanwaltschaft erhebt gegen den früheren Nissan-Chef eine weitere Anklage wegen Veruntreuung - an dem Tag, an dem die Frist für Anklageerhebung oder Freilassung endet.

Von Christoph Neidhart, Tokio

Die Staatsanwaltschaft Tokio hat gegen Carlos Ghosn, den gestürzten Chef der Automobil-Allianz Renault-Nissan, eine weitere Anklage erhoben. Das teilte das Bezirksgericht in Tokio am Montag mit - an dem Tag, an dem die Frist für eine Anklageerhebung oder Freilassung endete.

Ghosn soll zehn Millionen US-Dollar an einen Vertragshändler von Nissan in Oman überweisen haben lassen. Fünf Millionen davon seien auf ein Konto Ghosns im Libanon und dann weiter an eine Firma seiner Ehefrau verschoben worden. Der 65-Jährige, der seit dem 4. April erneut in Untersuchungshaft sitzt, habe damit unter anderem eine Yacht gekauft. Dies sei ein weiterer Fall von schwerer Untreue, so die Staatsanwaltschaft. Es ist die vierte Anklage, die gegen Ghosn erhoben wurde. "Wir sind zuversichtlich, ausreichend Beweise für alle vier Fälle zu haben", betonte die Staatsanwaltschaft. Ihm droht in Japan eine mehrjährige Gefängnisstrafe. Der Libanon-Franzose weist sämtliche Vorwürfe zurück, er sagt, er sei unschuldig.

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Der Ex-Renault-Nissan-Chef hatte erst vor Kurzem gegen Kaution das Gefängnis in Tokio verlassen. Jetzt gibt es neue Vorwürfe gegen ihn. Sein Anwalt spricht von "Geiselnahme".

Am Montag reichte auch Nissan deswegen Klage gegen seinen früheren Chef ein. Japanische Medien berichten, mit dieser Anklage habe die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen den Automobil-Tycoon abgeschlossen. Seine Verteidiger haben derweil erneut eine Freilassung auf Kaution beantragt. Sie halten Ghosns abermalige Verhaftung für gesetzeswidrig, zumal er wegen eines Nierenleidens gesundheitlich angeschlagen sei und sich an die Kautionsbedingungen gehalten habe. Es wird erwartet, dass das Bezirksgericht am Mittwoch über eine erneute Freilassung entscheidet.

Die Anschuldigung, Ghosn habe sich mit Hilfe des Nissan-Partners in Oman illegal bereichert, war schon lange bekannt. Anders als die übrigen ihm vorgeworfenen Vergehen, liegen diese Transaktionen aber nicht schon zehn Jahre zurück. Sie sollen zwischen 2015 bis 2018 getätigt worden sein. Dennoch wurde deshalb monatelang nicht ermittelt. Das trug der Staatsanwaltschaft den Vorwurf ein, sie habe Ghosn wegen diffuser, lange zurückliegender und nicht haltbarer Anschuldigungen verhaftet und seitdem nach Verbrechen gesucht, für die er verurteilt werden könnte.

Gleichzeitig versucht Ghosns Ehefrau Carole, die Japans Justiz vorwirft, diese hätte sie anlässlich der neuerlichen Verhaftung ihres Mannes misshandelt, möglichst viele Medien zur Unterstützung ihres Mannes zu mobilisieren. Sie sei wie eine Kriminelle behandelt worden, dabei werde sie gar nicht verdächtigt, sagte sie. Sie appellierte auch an US-Präsident Donald Trump, er solle Ghosn helfen.

In einer Video-Botschaft, die Ghosn kurz vor seiner zweiten Verhaftung aufgezeichnet hatte, warnte er, ohne klare Führung schlittere Nissan tiefer in die Krise. Mindestens vier Rücktritte von Top-Managern in den letzten Monaten, zuletzt vom für die Elektroauto-Strategie zuständigen Vize-Präsidenten Daniele Schillaci, scheinen ihm recht zu geben. Derweil meldete die Wirtschaftszeitung Nikkei am Montag, Renault plane einen neuerlichen Vorstoß zur engeren Integration Nissans. Dabei war Ghosn, darüber gibt es inzwischen kaum mehr Zweifel, vor allem deshalb gestürzt worden, weil die Nissan-Führung, ermutigt von der japanischen Regierung, so eine Fusion mit Renault verhindern wollte.

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