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Geldanlage:Immobilieninvestor Jagdfeld scheitert mit Milliardenklage gegen Versicherer Signal Iduna

Prozess gegen Versicherer Signal Iduna

Anno August Jagdfeld holt im Landgericht Dortmund Unterlagen aus seinem Aktenkoffer.

(Foto: dpa)

Für eine "Rufmordkampagne" sieht das Landgericht Dortmund keine ausreichenden Beweise. Jagdfeld will in Berufung gehen - und verweist auf den Fall Leo Kirch.

Der Immobilieninvestor Anno August Jagdfeld hat sich mit Prestigebauten wie dem Luxushotel Adlon in Berlin oder dem Grandhotel Heiligendamm an der Ostsee einen Namen gemacht. Zehntausende Anleger vertrauten den von ihm initiierten Immobilienfonds Geld an - aber nicht immer verdienten sie damit wie erhofft Geld. Dafür kam es immer wieder zu juristischen Auseinandersetzungen vor Gericht. Wenn es um sein Renommee und das seiner Fonds geht, kann Jagdfeld ("Herr Klageviel", so das Handelsblatt) sehr streitlustig sein. Nun legten sich der Familienunternehmer und der von ihm geführte Adlon-Fonds auch mit dem Versicherer Signal Iduna an. Das Landgericht Dortmund schmetterte eine Milliardenklage am Donnerstag jedoch erst einmal ab.

Vor dem Landgericht ging es um viel Geld und zwei Klagen: Persönlich forderte Jagdfeld eine Milliarde Euro von der Versicherung, die Klage zahlt er nach eigenen Angaben selbst. Als Geschäftsführer des Adlon-Fonds verlangte er im Namen der 4400 Anleger, die Geld in den Neuaufbau des Berliner Luxushotels investierten, in einer weiteren Klage des Fonds mehrere 100 000 Euro. Für diese Klage kommt der Fonds auf.

Der Grund für die Klagen: Der Adlon-Gründer wirft Signal Iduna eine "beispiellose Rufmordkampagne" gegen sich und seine Familie vor. Die Versicherung habe über ihn und seine Firmengruppe unwahre und kreditschädigende Behauptungen und diffamierende Darstellungen verbreitet. Dies habe zu einem vorübergehenden Einbruch des Kurses der Fondsanteile am Hotel Adlon und zu "Reputations- und Vermögensschäden der Mitglieder der Familie Jagdfeld und deren Unternehmen" geführt. Jagdfeld kreidet der Signal Iduna dabei an, über eine Anlegerschutz-Gemeinschaft, deren inzwischen verstorbener Sprecher wiederholt die umstrittenen Geschäftspraktiken des Familienunternehmers kritisiert hatte, eine Kampagne gegen ihn gesteuert zu haben.

Die Versicherung, die die Vorwürfe stets bestritt, ist selbst an dem Adlon-Fonds mit fünf Millionen Euro beteiligt. Der Sprecher von Signal Iduna hatte im Vorfeld der Verhandlung betont: "Herr Jagdfeld wird von Signal Iduna keinen Cent Schadenersatz erhalten".

Damit behält er vorerst Recht. Vor dem Landgericht Dortmund kam Jagdfeld nicht durch. Die 2. Zivilkammer konnte keine Rufmordkampagne feststellen. Deshalb gibt es für Jagdfeld und für den Hotel Adlon Fundus Fonds Nr. 31 vorerst auch weder Schadenersatz noch Schmerzensgeld. Zuvor hatte es vor Gericht eine umfangreiche Beweisaufnahme gegeben, bei der ehemalige und aktuelle Vorstände, leitende Angestellte der Versicherung sowie Anleger und Zeugen der Schutzgemeinschaft gehört worden waren.

"Sämtliche Zeugen haben nach Ansicht der Kammer die behauptete Rufmordkampagne nicht bestätigt", teilt ein Gerichtssprecher nun nach mehr als zwei Jahren Prozesszeit mit. "Auch die von dem Kläger ins Felde geführten Indizien reichten nach Ansicht der Kammer nicht aus, um den Beweis als geführt anzusehen." Die Versicherung müsse sich sämtliche Äußerungen des von der Schutzgemeinschaft der Adlon-Anleger beauftragten Rechtsanwalts nicht zurechnen lassen. Auch seien "keine unredlichen Motive erkennbar", die zur Erstattung einer Strafanzeige gegen Jagdfeld geführt hätten (Aktenzeichen: 2 O 387/14).

Trotzdem kündigte der Sprecher des Immobilieninvestors an, dass Jagdfeld in Berufung gehen wolle. "Das Urteil wird in der zweiten Instanz keinen Bestand haben", heißt es in einer Stellungnahme." Der Jagdfeld-Sprecher beruft sich dabei sogar auf den großen Schadenersatzprozess des verstorbenen Medien-Unternehmens Leo Kirch gegen die Deutsche Bank. Hier bestünden "viele Parallelen". Der Fall habe gezeigt, "dass große Schadenersatzprozesse gegen große Finanzkonzerne über mehrere Instanzen gehen müssen, um am Ende erfolgreich zu sein."

Nicht alle Anleger des Adlon-Fonds teilen dieses Optimismus. Die große Mehrheit stimmte zwar einem Schadenersatzprozess gegen Signal Iduna zu. Manche Anleger fragen sich jedoch, warum der Fonds auf Kosten seiner Anteilseigner Geld für Anwälte und eine Klage ausgeben soll, die für den Fonds - anders als für Anno August Jagdfeld selbst - nach Abzug der Prozesskosten kaum etwas einbringen kann.

© SZ
Natalie Grams

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