Im Trump Tower an der New Yorker Fifth Avenue, einer Trutzburg aus dunklem Marmor und vergoldetem Metall, gibt es in den unteren Geschossen neben einem Restaurant und einer Bar auch drei kleine Geschäfte. Zwei davon sind Nippes-Läden, die Donald-Trump-Tassen, Donald-Trump-Wackelfiguren und Donald-Trump-Strampelanzüge feilbieten. Das dritte jedoch ist eine schicke Boutique: Hier verkauft Ivanka Trump, die Präsidententochter, vor allem Schmuck und Handtaschen aus der eigenen Kollektion.
Richtiger müsste es wohl heißen: verkaufte. Denn die Designerin gab jetzt bekannt, dass sie ihre Firma abwickeln und sich auf den Job als Beraterin ihres Vaters konzentrieren will. Die heute 36-Jährige hatte nach Donald Trumps Wahlsieg im November 2016 die Unternehmensführung abgegeben und einen Job im Weißen Haus angenommen. Sie blieb aber über ein Stiftungskonstrukt Eigentümerin der Firma.
Mit der Schließung des Modebetriebs zieht sie die Konsequenz aus Boykottaufrufen und dem anhaltenden Vorwurf der Interessenverquickung - vor allem aber aus den dramatisch gesunkenen Absatzzahlen ihrer Produkte. Während des Wahlkampfs ihres Vaters waren die Verkäufe von Kleidern, Blusen, Schmuck und Taschen zunächst deutlich in die Höhe geschnellt, nur um im Folgejahr dann umso kräftiger in den Keller zu rauschen. Mehrere große Kaufhausketten wie Nordstrom und Hudson's Bay nahmen ihre Produkte wegen des mangelnden Kundeninteresses aus dem Sortiment, was zumindest Nordstrom umgehend einen bitterbösen Tweet des Präsidenten einbrachte. Zugleich hatte Ivanka Trump immer größere Probleme zu erklären, warum sie etwa alle Produkte in China fertigen lässt, obwohl das Weiße Haus die US-Wirtschaft doch beinahe täglich auffordert, sämtliche Waren möglichst in den USA zu produzieren.
Vielleicht aber gefällt es den jungen Trumps auch so gut in Washington, dass sie einfach keine Lust haben, irgendwann nach New York, an den Sitz der Firma, zurückzukehren. In den US-Medien hieß es jüngst, Ivanka und ihr Mann Jared Kushner, selbst Präsidentenberater, seien auf der Suche nach einem schicken Haus, das sie für sich selbst und die drei kleinen Kinder kaufen können. Ihr bisheriges Domizil, eine 650-Quadratmeter-Mietvilla im Kalorama-Viertel, sei ihnen schlicht zu klein geworden.