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Italiens Wirtschaft:Draghi fürchtet selbstgefällige Politiker

Das dürfte Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) anders sehen. Der Italiener fordert strikte Fortführung des Reformkurses, Draghi befürchtet, dass die Rettungsmaßnahmen der EZB die Politiker selbstgefällig werden lassen.

Draghi hatte im Juli 2012 erklärt, er werde alles tun, um den Euro zu retten und versprach im Notfall unbegrenzte Anleihekäufe. Das würde auch für Italien gelten, aber dafür müsste das Land zunächst einen Hilfsantrag beim Euro-Rettungsfonds ESM stellen. Die Ankündigung Draghis hatte die Zinskosten für Italien und die anderen finanziell angeschlagenen Euro-Staaten im letzten halben Jahr stark gedrückt.

Doch am Dienstag stiegen die Zinsen für zehnjährige Italien-Bonds auf 4,8 Prozent - tags zuvor lag der Satz bei 4,3 Prozent. Einen so starken Anstieg binnen 24 Stunden gab es noch nie. Die Eurokrise mag zwar noch nicht wieder aufflammen, doch der Keim neuer Turbulenzen ist im Feld.

Härtetest für Roms Schuldenmanager

Schon am Mittwochmorgen stehen Roms Schuldenmanager vor einem echten Härtetest. In einer neuen Emission sind fünf bis sechs Milliarden Euro Staatstiteln mit Laufzeit zwischen vier und zehn Jahren zu platzieren. Die Auktion ist unter den gegebenen Umständen "eine extrem schwierige Hürde", meint der Chefökonom Riccardo Barbieri von Mizuho International in London. Zu den Verlierern der Wahl zählt er Italiens Wirtschaft. "Das hohe Maß an Unsicherheit führt zusammen mit den stark steigenden Anleihezinsen zu einer Verzögerung der langsamen Konjunkturerholung, die wir für die zweite Jahreshälfte und 2014 erwartet haben. Wir haben ganz klar das Worst-Case-Szenario", glaubt Barbieri. Italien ist seit sechs Quartalen im Griff einer schweren Rezession. 2013 wird ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um 1,1 Prozent erwartet.

An der Mailänder Börse war das sofort zu spüren. Der Index Ftse Mib fiel um bis zu fünf Prozent. Die Bankenaktien mussten wegen zu hoher Kursrückgänge vorübergehend aus dem Handel genommen werden. Die Börsenaufsicht Consob untersagte daraufhin bis kommenden Mittwoch Leerverkäufe. Eine Anti-Spekulations-Maßnahme, die seit den schwärzesten Krisentagen im Herbst 2011 nicht mehr eingesetzt wurde. Der Schrecken ist zurück.

Presseschau zu den Wahlen

"Unregierbares Italien"

Die Unternehmer im norditalienischen Veneto hoffen nun auf eine Große Koalition. "Es war ein Votum gegen das politische System. Italien muss einen Neuanfang machen", sagt Alessandro Vardanega, Industriellenchef in Treviso. "Wir verlangen weniger Bürokratie für die Unternehmen und weniger unproduktive Staatsausgaben." Mal sehen, ob er erhört wird.