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Italien-Wahl und der Finanzmarkt:Berlusconi steht für hohe Zinsen

Regierungskrise in Italien Die Karriere von Silvio Berlusconi Bilder

Italiens ehemaliger Ministerpräsident

Die Karriere von Silvio Berlusconi

Nach der verlorenen Machtprobe gegen Regierungschef Letta, spaltet Berlusconi die PdL und kehrt mit seinen Anhängern zum Namen "Forza Italia" zurück. Doch dann erhält seine Karriere einen herben Dämpfer: Der Senat schließt den verurteilten Steuerbetrüger aus. Die wichtigsten Stationen seiner aberwitzigen Laufbahn in Bildern.

Die Abstimmung in Italien war auch eine über die Zukunft der Euro-Zone. Weil Berlusconi wieder mitmischt, sind an den Finanzmärkten starke Turbulenzen zu erwarten. Selbst wenn er keine Machtposition erhält, bleibt die Lage kritisch.

Wahlen sollen ja über die Zukunft eines Landes entscheiden, aber beim Votum in Italien geht es auch um die Zukunft der Euro-Zone. Mischt Silvio Berlusconi künftig wieder mit oder nicht? Das war lange die Frage. Wenn ja, dann wäre es an den Finanzmärkten zu starken Turbulenzen gekommen. Ein Indiz dafür gab es bereits am Montag. Als in Umfragen nach Schließung der Wahllokale ruchbar wurde, Berlusconi könnte im Senat die Nase vorn haben, purzelten die Aktienkurse - und auch der Euro gab nach.

Ganz anders die Situation wenige Stunden zuvor: Berlusconi schien aus dem Rennen zu sein, und sofort schlug das für Italien wichtigste Finanzbarometer positiv aus. Die Zinsen für italienische Staatsanleihen sanken. Ohne Berlusconi gilt Italien als deutlich kreditwürdiger. Einen zehn Jahre laufenden Staatskredit für den italienischen Schatzminister gab es zu dieser Stunde am Montag für 4,25 Prozent - statt 4,45 Prozent am Freitag.

Italiens Schulden belaufen sich auf zwei Billionen Euro, da spart man viel, wenn der Zins auch nur um 0,2 Prozentpunkte sinkt. Bliebe Berlusconi draußen, dann würde das Votum der Italiener ihnen selbst in ihrer Rolle als Steuerzahler viel Geld einsparen. Die Staatsverschuldung käme fortan billiger, und der italienische Aktienmarkt könnte seine Erholung fortsetzen.

In den vergangenen Wochen hatten die Finanzmärkte das Schreckensszenario "Berlusconi" rauf und runter diskutiert. Eine Wahl des umstrittenen Unternehmens würde sehr wahrscheinlich zu einem erneuten Ausbruch der Schuldenkrise in der Euro-Zone führen, mit all den schlimmen Begleiterscheinungen, denen man seit 2009 ausgesetzt war: steigende Kreditzinsen in allen schwachen Euro-Staaten, was die Finanzlage dort verschlechtern würde.