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Italien:Jetzt kommt Paul 

The Global Financial Context: Paul Singer

Besitzt gut fünf Prozent der Aktien von Telecom Italia Mobile: Beim Aktionärstreffen am 24. April will Investor Paul Singer mehr Einfluss fordern.

(Foto: swiss-image.ch)

Zwei internationale Firmenjäger rangeln um das Sagen beim ehemaligen Monopolisten Telecom Italia.

Paul Singer ist kein Typ, dem die Sympathien zufliegen. Krake, Heuschrecke, Pirat, Geier - so lauten die wenig schmeichelhaften Etiketten, die ihm gewöhnlich anhaften. Wenn der Amerikaner mit seinem Hedgefonds Elliott erscheint, geht das Zittern in dem attackierten Unternehmen und dessen nationalem Umfeld los. Nun hat sich der Investor aus New York beim früheren italienischen Telekom-Monopolisten TIM eingekauft. Ausgerechnet bei einem Konzern also, der für die digitale Zukunft von entscheidender Bedeutung ist. Doch von Entsetzen ist dort keine Spur. Selten wohl wurde ein Investor so wohlwollend empfangen wie Elliott derzeit in Italien.

Das liegt maßgeblich daran, dass in das Hauptquartier von Europas fünftgrößtem Telekommunikationskonzern vor zweieinhalb Jahren ein anderer Investor eingezogen ist und das Unternehmen fortan seinen persönlichen Interessen unterworfen hat. Der Mann heißt Vincent Bolloré und ist Haupteigner des Pariser Medienkonzerns Vivendi. Obwohl ihm nur 23,94 Prozent der stimmberechtigten TIM-Aktien gehören, schwang er sich zum Alleinherrscher auf und inthronisierte seine Gefolgsleute an der Firmenspitze. Zudem kaufte der Franzose an der Börse knapp ein Drittel von Italiens größtem Fernsehkonzern Mediaset. Die Absicht: Dem Gründer Silvio Berlusconi sein Stammgeschäft abknöpfen und die drei TV-Sender in TIM integrieren.

Der Franzose Bolloré inthronisierte zuerst seine eigenen Leute

Monsieur Bolloré tritt gern als großer Stratege der europäischen Medienindustrie auf. Er wolle Vivendi auch "zum Bannerträger der europäischen Kultur" machen und den US-Anbietern Netflix und Google die Stirn bieten. TIM sollte mit elf Millionen Festnetzanschlüssen zur Vertriebsplattform seines Pay-TV-Senders Canal+ werden. Die TIM-Aktionäre vereitelten den Plan. In Italien investierte der Bretone zwar knapp fünf Milliarden Euro in den Eroberungszug, die Rechnung ging aber nicht auf. In Mailand scheiterte er am Widerstand der Familie Berlusconi, die ihr Imperium erbittert verteidigt. Der Angriff auf Mediaset wird nun vor Gericht verhandelt. Mediaset verklagte Vivendi auf drei Milliarden Euro Entschädigung wegen Vertragsbruchs. Mit dem Coup bei TIM brachte Bolloré die Minderheitsaktionäre sowie die italienische Börsenaufsicht, das Kartellamt und die Regierung gegen sich auf. Die Behörden werfen ihm Verstöße gegen Landesregeln vor und verhängten gegen TIM 4,8 Millionen Euro Bußgeld wegen irreführender Werbespots auf.

"Vivendi hat uns behandelt, als wäre Italien Französisch-Guyana", sagte der Industrieminister Carlo Calenda einmal. Im Herbst besann sich die Regierung auf den Besitz einer "goldenen Aktie", die ihr Sonderrechte in solchen privaten Unternehmen verleiht, die für die nationale Sicherheit von großer Bedeutung sind. Erstmals macht sie davon Gebrauch bei Sparkle, der Kabelnetz-Tochter von TIM.

Den Dauerclinch begleitete eine stetige Wertvernichtung. Als Bolloré 2014 begann, TIM-Anteile zu kaufen, lag der Aktienkurs noch bei 1,20 Euro. Im Laufe seiner Herrschaft stürzte er auf 0,60 Euro ab. Mit einer Milliarde Euro steht Vivendi heute im Minus.

Das rief Singer auf den Plan. Bei Elliott, einem der größten aktivistischen Investoren, hält man die italienische Telekom für äußerst schlecht gemanagt. Obwohl Vivendi insgesamt nur 18 Prozent des Kapitals kontrolliere, führe der Pariser Medienkonzern das Unternehmen nur im eigenen Interesse und zum Nachteil der übrigen Aktionäre, moniert Elliott. Deshalb sei die Aktie auch deutlich unterbewertet.

Seit Vivendi im Dezember 2015 die Macht im Aufsichtsrat übernahm, ist der Kurs um 35 Prozent gesunken. Gleichzeitig legte der Aktienindex der Mailänder Börse dank der Konjunkturbelebung in Italien kräftig zu. Und so geht der US-Fonds nun auf Konfrontation. "Es besteht die dringende Notwendigkeit eines Wandels", wirbt Singer um die Unterstützung der TIM-Anleger. Er verspricht, mit der Befreiung des Konzerns aus der "französischen Knechtschaft" den Kurs zu beflügeln.

Dem Amerikaner Singer hat gute Chancen, seine Interessen durchzusetzen

Elliott hat seine Beteiligung auf mehr als fünf Prozent erhöht. Ziel ist es, auf der Hauptversammlung am 24. April sechs Aufsichtsräte Bollorés zu stürzen und eigene Kandidaten durchzusetzen. An oberster Stelle seines Programms "TIM Transfor-ming" stehen die Abspaltung des Festnetzes und seine Fusion mit der halbstaatlichen Netzgesellschaft Open Fiber, die seit zwei Jahren unter Hochdruck Glasfaserkabel in Konkurrenz zum Ex-Monolisten verlegt. Weil sich TIM einst gegen den Ausbau der Datenautobahnen sperrte, hatte der damalige Premier Matteo Renzi 2016 den Energiekonzern Enel und die staatliche Kreditanstalt CDP mobilisiert, um den Rückstand Italiens beim schnellen Internet wettzumachen. Der Neuling Open Fiber ging so eifrig ans Werk, dass sich plötzlich auch TIM an der Aufholjagd beteiligte. Da eine Dopplung der teuren Infrastruktur aber nicht sinnvoll ist, deckt sich das Vorhaben Singers durchaus mit dem Interesse Italiens. Kein Wunder, dass seine Idee den Politikern gefällt, quer durch die Parteien. Elliotts Chancen auf der Aktionärsversammlung, genügend unzufriedene Anleger um sich zu scharen, stehen gut. Vor einem Jahr setzte sich Vivendi mit einem hauchdünnen Vorsprung von nur 0,22 Prozent der Stimmen durch. Bolloré stellte sich damals allerdings kein Herausforderer in den Weg.

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