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IT-Trends:Was Facebook und Co. bringen

Illustration: Stefan Dimitrov

Illustration: Stefan Dimitrov

Die IT-Branche kreiert stets neue Begriffe. Doch wie wichtig sind diese Themen für den Mittelstand?

Big Data, Cloud, Social Media, Industrie 4.0 - Mittelständler sind zu Recht verunsichert, was die Vielzahl der Modeworte in der Informationstechnik (IT) angeht. Während bei Konzernen ein gescheitertes Projekt keine Unternehmenskrise auslöst, sieht das bei einem kleinen Unternehmen ganz anders aus. Zu viele Ressourcen in einem IT-Vorhaben, das sich am Ende nicht auszahlt, können den gesamten Betrieb lahmlegen - im schlimmsten Fall sogar die Existenz gefährden. Kein Wunder also, dass die Geschäftsführung lieber einmal mehr überlegt, ob sich ein neues Projekt wirklich rechnet. Ein Überblick über IT-Begriffe und ihre Bedeutung für kleine und mittelständische Unternehmen.

Ist die Cloud langsam out?

Cloud Computing gehört zu den am meisten strapazierten Begriffen der Hightech-Industrie in den vergangenen Jahren. Dabei ist die Idee eigentlich nicht neu: Schon Anfang der 90er-Jahre ließ sich Sun Microsystems den Werbeslogan "The Network is the Computer" schützen. Denn darum geht es: Rechen- und Speicheroperationen finden nicht mehr auf einem Rechner im Büro statt, sondern via Internet im Rechenzentrum des Anbieters. Der Desktop- oder Laptop-Computer, das Smartphone oder Tablet zeigen nur noch das Ergebnis der Anfrage. Die Cloud bietet klare Vorteile: weniger Komplexität in der eigenen IT etwa und damit geringere Kosten. Doch es gibt auch Gefahren. Der Unternehmer gibt sein Wertvollstes aus der Hand: die Daten der eigenen Klientel. Damit tun sich viele Mittelständler schwer, die häufig jeden Kunden persönlich kennen. Gemäß einer IT-Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) setzen 43 Prozent der Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigen auf die Cloud. In Betrieben mit 250 bis 499 Angestellten sind es 27 Prozent, in kleineren Betrieben noch weniger. "Cloud Computing bringt nur dann Mehrwert, wenn Unternehmen sich auf die Sicherheit und Stabilität der Lösung verlassen können", sagt Markus Vehlow vom Wirtschaftsprüfer PWC.

Wer blickt durch bei der Big-Data-Flut?

Der Begriff Big Data suggeriert eigentlich schon, dass vor allem große Unternehmen davon Nutzen haben. Auch dieser IT-Begriff wurde wie die Cloud unter neuem Namen wiederbelebt. Lange vor Big Data war die Rede von Data Mining, also dem Daten-"Bergbau", um die Schätze aus der Informationsflut zu heben. Und das kann natürlich auch für Mittelständler von Interesse sein. Während einst Entscheidungen getroffen, dann analysiert und für richtig oder falsch befunden wurden, dreht Big Data das Verfahren um. Aus der Flut der Daten soll in Sekundenschnelle, möglicherweise sogar in Echtzeit die richtige Wahl vorbereitet werden. Experten des Software- und Beratungshauses Consol, selbst Mittelständler, warnen allerdings vor einer übereilten Einführung eines Big-Data-Projekts. "Einfach einem Trend hinterherzulaufen, ist in diesem Fall nicht zielführend", heißt es im "Big-Data-Leitfaden für den Mittelstand" der Berater. Im ersten Schritt müsse es darum gehen, den eigenen Datenbestand zu analysieren. "Gibt es ungenutzte Daten mit dem Potenzial, einen Geschäftsnutzen daraus zu ziehen?" Wichtig bei diesem Schritt ist es, dass die kaufmännischen Angestellten mit den Hightech-Spezialisten im Betrieb zusammenarbeiten - quer durch das Unternehmen. "Die Personen, die wirklich wissen, wie man aus Daten Informationen gewinnt, sind oft nicht die Top-Entscheider", erklärt Jörg Reinnarth vom Beratungshaus Cintellic.

Was nutzt das Geschnatter in sozialen Medien?

Tue Gutes und rede darüber. Nirgendwo wird dieses jahrzehntealte Werbemotto so gelebt wie in den sozialen Medien bei Facebook, Twitter, aber auch mehr visuellen Diensten wie Instagram oder Pinterest. Gemäß Branchenverband Bitkom nutzt gut die Hälfte der Mittelständler schon solche Plattformen. Gut zwei Milliarden Mal wird bei Facebook am Tag der "Gefällt mir"-Knopf gedrückt, oft für Produkte oder Dienstleistungen, eine halbe Milliarde Tweets mit maximal 140 Zeichen laufen täglich über Twitter, 80 Millionen Bilder werden auf Instagram geladen - Tag für Tag. Wie finden da kleine und mittelständische Unternehmen die Aufmerksamkeit, die ihnen gebührt? Die Chefetage sollte die sozialen Medien als einen Kanal der Unternehmenskommunikation verstehen. Kunden möchten dabei, so empfiehlt es ein Praxisleitfaden der IHK Düsseldorf, auf Augenhöhe kommunizieren. Offenheit, Transparenz und Authentizität seien auf den sozialen Kanälen besonders gefragt. "Sprechen Sie die Sprache Ihrer Kunden", empfiehlt die IHK. Die Aufgabe kann die Unternehmenskommunikation übernehmen oder ein Social-Media-Team. In jedem Fall sollte der Chef das Ziel verstehen - und am besten gleich mitmachen.

Ist Industrie 4.0 ein neuer Trend?

Das Thema Industrie 4.0 sei ja in aller Munde, sagt ein Geschäftsführer im Vertrauen, werde auch schön von der Bundesregierung unterstützt - doch Fernwartung sei bei seinen Maschinen schon lange Standard. In der Tat wird auch bei diesem IT-Schlagwort nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Allerdings geht es um weit mehr als die Fernwartung: In der ersten industriellen Revolution kam die Dampfmaschine, in der zweiten das Fließband, in der dritten der Computer und nun mit der vierten halten in der modernen Fabrik intelligente Roboter Einzug sowie Maschinen, die miteinander kommunizieren. Flexible Fertigung wird zum Alltag. Das Wirtschaftsministerium traut Mittelständlern zu, "sich zu einem Erfolgsfaktor in der vierten industriellen Revolution zu entwickeln", so heißt es in der Studie "Industrie 4.0 im Mittelstand". Das Problem: Viele Techniken, die sich für das Thema anbieten, sind noch nicht marktreif. Virtual Reality oder künstliche Intelligenz von Maschinen etwa befinden sich noch am Anfang der Entwicklung. Kein Wunder, dass laut einer Studie des Wirtschaftsprüfers Deloitte die Mehrheit der Mittelständler das Thema zwar erkannt hat, sich mit Investitionen aber zurückhält. Deloitte-Berater Lutz Meyer: "Aus Sicht der Mittelständler ist weniger eine Revolution als eine stufenweise Evolution im Gang."

Wie gehe ich die Themen am besten an?

Am Anfang ist zu klären, was das eigene Unternehmen braucht. Der Hightech-Lobbyverband Bitkom gibt Tipps, wie die Digitalisierung gelingen kann. Der erste und wohl wichtigste Schritt: Die Chefetage muss dabei sein. Unterstützt wird sie von einem kompetenten Team, gegebenenfalls einem verantwortlichen Mitarbeiter. Gemeinsam wird eine Strategie entwickelt. Dann geht's los: Bitkom empfiehlt den Einsatz neuester Techniken mit Blick auf die eigenen Daten. Im Verbund mit Kunden, Partnern und Start-ups sollte das Vorhaben gelingen.