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Israel:Techies dringend gesucht

Die Start-up-Nation Israel hat ein Problem: Die Firmen wachsen, nur finden sie nicht genügend qualifizierte Mitarbeiter. Sie werden daher erfinderisch.

Der Technologie-Sektor in Israel wächst von Jahr zu Jahr: Der neue Arbeitsmarktreport zeigt, dass inzwischen fast zehn Prozent aller Arbeitskräfte im Land in diesem Bereich tätig sind. Das ist ein Zuwachs von acht Prozent binnen eines Jahres, heißt es in dem Bericht, der von der Organisation Start-up-Nation Central und der Israelischen Innovationsbehörde herausgegeben wird.

Derzeit gibt es 6481 Start-ups in dem Land mit sechs Millionen Einwohnern - die höchste Quote weltweit. Das rasche Wachstum in der selbsternannten Start-up-Nation führt aber auch zu Problemen: Immer mehr offene Stellen können nicht besetzt werden. 18 500 Fachkräfte werden dringend gesucht - vor allem an technischem Personal wie Entwicklern herrscht großer Bedarf. Auch das ist ein Anstieg um acht Prozent innerhalb eines Jahres. Als Gründe werden neben der steigenden Zahl an Neugründungen auch das Interesse internationaler Konzerne genannt. Inzwischen gibt es 374 Unternehmen, die in Israel eine Repräsentanz aufgemacht haben, zusätzlich wurden noch 266 Hubs eingerichtet, die als Testfeld für Innovationen fungieren. Da internationale Konzerne häufig bessere Bezahlung anbieten, werden oft Arbeitskräfte von israelischen Firmen abgezogen.

Umgekehrt verlagern erfolgreiche Start-ups öfter ihren Firmensitz oder bestimmte Abteilungen von Israel ins Ausland, wenn sie von internationalen Investoren Geld bekommen. Ziel sind vor allem die USA. Auch daher ziehen immer mehr Arbeitskräfte aus dem Tech-Bereich aus Israel weg. Das führt dazu, dass qualifizierte Fachkräfte im Land mehr Geld verlangen können - vor allem, wenn sie einen Job wechseln. In den vergangenen sechs Jahren stiegen die Gehälter in dieser Branche um 27 Prozent - der durchschnittliche Anstieg lag im gleichen Zeitraum bei 15 Prozent.

Die Autoren der Studie fordern stärkere Anstrengungen von der israelischen Regierung, den Arbeitskräftepool zu vergrößern, damit der Tech-Sektor keinen Schaden nehme und weiter wachsen könne. Eine Forderung ist auch, mehr Programme aufzulegen, um den Anteil von Frauen in der Tech-Branche zu erhöhen. In den vergangenen Jahren blieb ihr Anteil mit 22 Prozent auf gleichem Niveau.

Zwar werden immer mehr arabische Israelis und Arbeitskräfte aus dem ultraorthodoxen Bereich angeworben, was sich in einem Anstieg um 15 Prozent binnen eines Jahres zeigt. Aber insgesamt besetzen sie nur fünf Prozent der gesamten Jobs im Technologiesektor - obwohl die beiden Gruppen zwei der neun Millionen Einwohner in Israel ausmachen.

Die Regierung investiert bereits Geld, um mehr junge Menschen für ein Studium wie Computerwissenschaften zu begeistern. Aber es dauert, bis diese Initiative Früchte trägt. Vor allem größere Firmen bieten Studierenden bereits Jobs an, um sie ins Unternehmen zu holen und an sich zu binden.

Andere sehen sich im Ausland um und holen verstärkt Arbeitskräfte, auch aus Europa, in ihre Firma. Dafür sind aber bürokratische Verfahren notwendig, die teuer sind und dauern. Vor allem war nicht sicher, ob dann tatsächlich auch eine Arbeitserlaubnis ausgestellt wird. Inzwischen gibt es auch spezielle Visa für Arbeitnehmer von Technologie-Unternehmen - auch für kurzfristige Anstellungen.

Viele israelische Unternehmen gehen nun selbst ins Ausland - dorthin, wo sie qualifizierte Arbeitskräfte finden. 45 Prozent der israelischen Unternehmen arbeiten zum Beispiel mit Entwicklern in der Ukraine zusammen.

© SZ vom 28.02.2020
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