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Ispo:Der große Wettkampf

Auftakt Sportartikelmesse Ispo

Besucher betrachten ausgestellte Artikel beim Auftakt der Sportartikelmesse Ispo.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

Zum Start der Sportmesse Ispo sprechen die Veranstalter von einem "herausfordernden Jahr". Der Gegner der Fachhändler heißt: Amazon. Gefragt sind nun neue Geschäftsmodelle.

Von Max Ferstl

Es schneit. Die Zweige der Bäume biegen sich unter dem Gewicht des Schnees, die Autos am Straßenrand verschwinden in einem weißen Kokon. Früh am Sonntagmorgen nähert sich ein Mann mit strammen Schritten der Eingangshalle der Messe München. Auf halber Strecke bleibt er stehen, holt sein Handy hervor, fotografiert die weiße Szenerie. Ein Wintertag fürs Bilderbuch, oder wahrscheinlicher: für den Instagram-Account. Man könnte fast den Eindruck bekommen, der Winter wollte an diesem Sonntag beweisen, dass schon noch mit ihm zu rechnen ist, obwohl sich das Klima wandelt.

Die ersten Bilder der Sportmesse Ispo, die am Sonntag in München begonnen hat, sind also Schneebilder. Das ist insofern ironisch, weil jener Schnee den Sporthändlern im vergangenen Jahr schmerzlich fehlte. Bei Intersport, dem größten Händlerverbund mit 1480 Geschäften in Deutschland, ging 2018 der Umsatz mit Wintersportartikeln um zehn Prozent zurück. Der Dezember war warm, der Januar 2018 auch. Ohne Schnee kauft niemand teure Jacken, Ski, Helme. "Es ist ein sehr wetterabhängiges Geschäft", sagt der Vorstandsvorsitzende Alexander von Preen bei der Pressekonferenz am Sonntag. Hier zieht der Fachhandel alljährlich Bilanz - und die fällt diesmal mäßig aus: 2,85 Milliarden Euro haben Intersport-Händler in Deutschland umgesetzt, drei Prozent weniger als im Vorjahr. "Ein herausforderndes Jahr", sagt von Preen.

Eigentlich hätte 2018 ein herausragendes Jahr sein müssen: Olympische Spiele im Februar, eine Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer, dazwischen eine Eishockey-WM und Handball-Europameisterschaft. Viel mehr Großereignisse lassen sich kaum in ein Sportjahr pressen. Normalerweise strahlt der Spitzensport auf den Fachhandel ab. In einem Fußball-WM-Jahr werden normalerweise 20 Prozent mehr Trikots und Fußballschuhe verkauft als üblich. Diesmal aber schied die deutsche Nationalelf überraschend in der Vorrunde aus und würgte die Fußball-Euphorie ab, bevor sie sich entfaltete. Hinzu kam die Hitze. Wochenlang brannte die Sonne vom Himmel. "Ein Jahrhundertsommer", findet von Preen. Aber kein Sportsommer.

"Der Sportfachhandel tut sich schwer, sein Geschäftsmodell weiter entwickeln."

Wer sich Sportausrüstung kaufte, griff vor allem zu Bademode. Mit ein bisschen Stoff können die Händler allerdings viel weniger verdienen als zum Beispiel mit einer hochwertigen Funktionsjacke. Die großen Margen liegen im Outdoorbereich, dem wichtigsten Segment in Deutschland. Aber auch hier: wetterbedingte Ernüchterung. "Der heiße Sommer ging übergangslos in den Winter über", klagt von Preen. Der Klimawandel beschäftigt die Branche also längst über die Frage hinaus, wann es denn endlich schneit. Inzwischen bestreitet niemand mehr, dass sich Fachhändler verändern müssen. Der Sportmarkt wächst zwar weiterhin leicht - auf etwa acht Milliarden in Deutschland. Er ist aber auch sehr umkämpft. Große Onlineanbieter setzen den Fachhandel unter Druck. Noch liegt der Intersport-Verbund zwar vor dem amerikanischen Versandhaus Amazon. Doch Amazon, sagt von Preen, "hat in den letzten vier Jahren 90 Prozent Wachstum hingelegt." Das zeige, wie hoch der "Veränderungsdruck" auf die Fachhändler sei. Wie dringend sie Kunden auf anderen, vor allem digitalen Plattformen erreichen müssten. Die Frage ist nur: Können die Händler das?

Wer Stefan Herzog, dem Generalsekretär des Verbands des Deutschen Sportfachhandels (VDS) zuhört, kann da durchaus Zweifel haben. "Der Sportfachhandel tut sich aber relativ schwer, das eigene Geschäftsmodell weiterzuentwickeln", sagte er im Vorfeld der Ispo. Der VDS hat in einer Studie ermittelt, dass nur 30 bis 40 Prozent der Händler "die Möglichkeiten der Digitalisierung genutzt" hätte. Die anderen vertrauen nach wie vor auf das klassische Modell: den herkömmlichen Laden, vielleicht ergänzt um einen Onlineshop. Doch das dürfte nicht reichen, um im Kampf mit den großen Onlineplattformen aufzufallen. Experten glauben, dass die Zukunft des mittelständischen Fachhändlers vor allem in der Spezialisierung liegt. Wie die aussehen könnte, führt am Sonntagvormittag Stefan Machold in der Messehalle B4 vor. Er baut dort einen Ski mit seinem Smartphone und tippt Alter, Größe, Fahrstil, Können und bevorzugtes Gelände in eine App. Das Programm berechnet, welcher Ski für den Fahrer am besten passt. Wer gut fährt, bekommt einen Holzkern aus harter Esche für mehr Grip. Machold und seine Kollegen bauen jeden Ski zusammen. Ein kleines Unternehmen, acht Leute nur. 200 Paar Ski haben sie im vergangenen Jahr so verkauft, das ist nicht viel. Aber Machold sagt, was nicht viele Fachhändler sagen können: "Das Geschäft geht gut."

© SZ vom 04.02.2019

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