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Investor eingestiegen:Heuschrecke rettet Märklin

Nach wochenlanger Zitterpartie ist der Verkauf perfekt: Der krisengeschüttelte Familienbetrieb Märklin geht an Kingsbridge Capital. Der Finanzinvestor wird mit offenen Armen empfangen.

"Als neuer Eigentümer fühlen wir uns der Traditionsmarke Märklin verpflichtet", sagte Kingsbridge Capital-Chef Mathias Hink. Zum Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Zuletzt hatten sich drei der 22 Altgesellschafter geweigert, ihre Anteile zu verkaufen. Der Deal konnte allerdings nur einstimmig erfolgen.

Märklin steckt seit Jahren in einer tiefen Krise. Sogar der Betriebsrat hatte sich für den Verkauf ausgesprochen und Märklin in einem offenen Brief vorgeworfen, 1350 Familienschicksale zu gefährden. Vor allem die preisgünstigere Konkurrenz machte dem Modellbauer zu schaffen.

Umsatzeinbruch

Nach Berichten der Stuttgarter Zeitung hatte er seit 2002 etwa 25 Prozent seines Umsatzes verloren, im vergangenen Jahr seien es nur noch 123 Millionen Euro gewesen. Die Schulden würden 55 Millionen Euro betragen.

Kingsbridge soll den Gesellschaftern nach Informationen der Zeitung 30 Millionen Euro für ihre Anteile zahlen. Nur 13 Millionen Euro würden allerdings sofort fließen. Den Rest wolle Kingsbridge zahlen, wenn man Märklin wie geplant in drei bis sieben Jahren an einen anderen Investor weiterverkauft.

Freiräume für Expansion

Kingsbridge Capital werde alles daran setzen, das Management in der Wahrnehmung der Wachstumschancen des Unternehmens tatkräftig zu unterstützen und die Marke wieder mehr an die jungen Leute heranzuführen, sagte Hink.

Die kommenden Herausforderungen für das Unternehmen seien der rasche Abschluss der begonnenen Maßnahmen sowie die Wiederbelebung des Umsatzes. Märklin-Geschäftsführer Paul Adams sagte: "Wir haben mit Kingsbridge Capital nun einen verlässlichen und solventen Partner an der Seite, der flexibel und schnell auf die Bedürfnisse des Unternehmens eingehen kann."

Diese unternehmerische Neuausrichtung schaffe Freiräume für die Expansion. "Damit sind wir für die Herausforderungen der kommenden Jahre gut gerüstet", sagte Adams.

1859 gegründet

An den Standorten Göppingen, Sonneberg, Nürnberg und im ungarischen Györ stellt Märklin Modell-Lokomotiven, Wagen, Gleise sowie Zubehör her. Das Unternehmen wurde 1859 von Theodor Friedrich Märklin in Göppingen gegründet.

© dpa/AP
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