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Investor aus dem Morgenland:Autokrat vom Golf

Dubai, Abu Dhabi und nun Katar: Plötzlich sind die Ölscheichs als Investoren in der deutschen Wirtschaft hochwillkommen. Hamad Bin Khalifa al-Thani gilt als Schlichter - ein Vorteil angesichts der ständigen Grabenkämpfe bei Volkswagen.

Vor gut einem Jahr waren sie noch die Schrecken der Nation: die Scheichs, die Anstalten machten, ihre für Erdöl und Erdgas eingenommenen Gelder wieder in die westlichen Industriestaaten zurück zu transferieren. Ganz Deutschland fürchtete sich vor ihnen, und auf Druck aus der Wirtschaft verabschiedete der Bundestag ein Gesetz gegen zu starken Einfluss ausländischer Investoren.

Hamad Bin Khalifa al-Thani: Der Emir von Katar verfügt über reiche Erfahrung im Umgang mit streitenden Parteien.

(Foto: Foto: Reuters)

Nun wird alles von der Krise beherrscht. Die Finanzwirtschaft weigert sich, selbst erste Industrieadressen in gewohntem Maß mit Geld zu versorgen. Da sind die Investmentfonds der Herrscher aus dem Mittleren Osten auf einmal hochwillkommen: Dubai bei der Deutschen Bank und dem Luftfahrtkonzern EADS, Abu Dhabi bei Daimler und MAN Ferrostaal - die arabischen Prinzen werden überall freudig begrüßt. Und jetzt setzt Hamad Bin Khalifa al-Thani, 58, seinen Fuß in die Tür von dem möglicherweise vor der Gründung stehenden "Volkswagen United", Europas größtem Autohersteller.

Der Scheich kann sich die Porsche-Sportwagen vor seiner Haustür ansehen, im Porsche Showroom des Al Ain Centers an der Salwa Road in Doha.

Potenzielles Interesse auch schon für Opel

Er hat sich schon für andere deutsche Automarken interessiert. "Auch wir haben über Daimler diskutiert", versicherte er Ende März in einem Interview. Dann aber ist der Fonds aus Abu Dhabi bei Daimler eingestiegen. Damals schloss al-Thani selbst ein Engagement bei Opel nicht aus: "Wir werden mit Sicherheit in die deutsche Autoindustrie investieren, aber wir müssen dafür den richtigen Zeitpunkt und den richtigen Preis finden." Diese Suche scheint nun erfolgreich gewesen zu sein.

Das potenzielle Interesse des Emirs an einem Einstieg bei dem möglicherweise künftig integrierten VW-Porsche-Konzern widerlegt auch die Argumentation der Gegner des VW-Gesetzes in der EU-Kommission, die dessen Abschaffung betrieben, weil es eine unzulässige Hürde für ausländische Investoren darstelle.

Scheich Hamad hingegen lässt sich nicht abschrecken von der Aussicht, mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff im Aufsichtsrat sitzen zu müssen, der dank des neuen VW-Gesetzes bei wichtigen Fragen weiter sein Veto einlegen kann.

Putsch bei Auslandsreise des Vaters

Der autokratische Auto-Aktionär hatte sich im Jahr 1995 in sein Staatsamt geputscht, als sein Vater gerade im Ausland weilte. Gleich nach dieser Amtsübernahme gründete er den Fernsehsender Al-Dschasira, der inzwischen als journalistisches Sprachrohr der arabischen Welt gilt.

Der Emir von Katar verfügt über reiche Erfahrung im Umgang mit streitenden Parteien - ein Vorteil angesichts der ständigen Grabenkämpfe bei Volkswagen. Er hat die britische Militärakademie Sandhurst absolviert und sich als Schlichter bei Konflikten in Arabien einen Namen gemacht.

Porsche und Volkswagen

Der große Showdown