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Investitionen:Deutschland spart sich schwach

Schlaglöcher  - Aktuelle Stunde im Bundestag

In Deutschland wird zu wenig investiert - obwohl das nötige Geld da wäre.

(Foto: dpa)
  • Deutschland geht es wirtschaftlich gut. Die Löhne steigen, die Arbeitslosigkeit ist niedrig - und auch die Einnahmen des Staates sind auf einem hohen Niveau.
  • Das Problem: Es wird viel zu wenig investiert. Nicht nur der Staat, sondern auch die Privatwirtschaft zögert mit Investitionen.

Deutschland geht es gut. Die Wirtschaft läuft, die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht, die Löhne steigen, die Exporte boomen. Dank der guten Konjunktur und niedriger Zinsen kann Finanzminister Wolfgang Schäuble sogar auf neue Kredite verzichten: Die schwarze Null steht.

Alles gut also? Leider nein. Die Bilanz der deutschen Wirtschaft ist nicht makellos: Es wird zu wenig investiert. Es gibt kaum einen Ökonomen, der diesen Befund bestreitet. Straßen und Schienen, Bildungseinrichtungen oder Breitbandnetze sind nicht auf dem Stand, den man in einem wohlhabenden Land erwarten würde. Die öffentliche Hand gibt seit Jahren nur jeden zehnten Euro für Investitionen aus.

Was noch schwerer wiegt: Auch die Unternehmen zögern, ihren Maschinenpark in Deutschland zu erneuern - und legen ihre Gewinne lieber im Ausland an. Das lässt für die Zukunft nichts Gutes erwarten. "Die Investitionen sind nach historischen Maßstäben bescheiden. Das wird langfristig zu einem schwächeren Wachstum der deutschen Volkswirtschaft führen", sagt Christoph M. Schmidt, Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR), besser bekannt als die Wirtschaftsweisen. "Diese Wachstumsschwäche wird sich aber nur schleichend zeigen."

Warum also wird nicht mehr investiert in Deutschland? Und was lässt sich dagegen tun? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Wird wirklich zu wenig investiert?

Die Wirtschaftsleistung dürfte in diesem Jahr um 1,9 Prozent zunehmen, heißt es im aktuellen Jahresgutachten des Sachverständigenrates. Allerdings tragen die Investitionen wenig zu diesem Wachstum bei. Es werden wohl nur 0,5 Prozentpunkte sein, rechnet man alle Ausgaben für Maschinen und Geräte, Wohnbauten und Büros, Forschung und Entwicklung, Software und Datenbanken zusammen. Dabei fallen gerade die Unternehmensinvestitionen im Vergleich zu früheren Aufschwüngen schwach aus. "Ohne den Segen der niedrigen Zinsen würde die Investitionstätigkeit in Deutschland wohl kaum mehr als stagnieren", sagt Schmidt.

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Auch im internationalen Vergleich schneidet Deutschland schlecht ab. Das zeigt die Investitionsquote. Sie misst das Verhältnis von Investitionen zur Wirtschaftsleistung und liegt in Deutschland bei rund 20 Prozent. In vielen anderen Länder ist sie deutlich höher: In Irland, Schweden und der Schweiz sind es zum Beispiel rund 24 Prozent, in Norwegen 23 und in Österreich 22 Prozent.

Von 1999 bis 2012 war diese Investitionsquote in Deutschland um rund vier Prozentpunkte niedriger als im Durchschnitt aller 35 Mitgliedsstaaten der OECD. Die Zahlen sind für ein Industrieland, das technologisch Spitze sein will, besorgniserregend. "Wir haben ausgerechnet, dass Deutschland knapp 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung mehr investieren müsste, um seinen Rückstand aufzuholen", sagt der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher. "Das entspricht rund 100 Milliarden Euro jährlich, die der Staat und vor allem Unternehmen aufbringen müssten."

Warum sind Investitionen so bedeutend?

Investitionen sollen die Menschen in Zukunft produktiver und innovativer machen. Eine gut ausgebaute Infrastruktur ist die Grundlage dafür, dass sich Unternehmen ansiedeln und wachsen. Wer in die Bildung künftiger Generationen investiert, fördert die Fähigkeiten von jungen Menschen, die dem Land sonst fehlen würden. Forschung und Entwicklung machen die Unternehmen langfristig leistungsfähiger. Moderne Maschinen stärken die Wirtschaftskraft eines Landes. So will man sicherstellen, dass der Standort Deutschland auch in zehn oder 20 Jahren noch begehrt ist.