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Investieren in Israel:Hallo, Tel Aviv

Blick auf Stadt und Strand im naechtlichen Tel Aviv 13 03 17 Tel Aviv Israel PUBLICATIONxINxGERxSU

„Sprunghaft gestiegenes Interesse“: Fast dreimal so viele Investoren aus Deutschland wie im Vorjahr zog es 2018 nach Israel.

(Foto: imago/photothek)

Deutsche Konzerne entdecken Israel und investieren viel häufiger Geld in die Start-ups des Landes. Ein paar schauen nun auch mal vorbei.

Deutsche Unternehmen starten an diesem Mittwoch eine Erkundungstour in Israel, um sich über die rege Start-up-Szene und deren Aktivitäten zu informieren. Die aus 70 Mitgliedern bestehende Delegation, die vom Hamburger Wirtschaftssenator Michael Westhagemann geleitet wird, umfasst vor allem Unternehmen aus den Bereichen Logistik, Transport und IT. Unter anderem schicken Shell Deutschland, Hermes und der Hamburger Hafen Mitarbeiter auf Entdeckungstour nach Israel. Auch kleinere Speditionen interessieren sich für das, was in der selbsternannten Start-up-Nation passiert.

Dabei sind insbesondere größere deutsche Unternehmen bereits in Israel aktiv. Wie eine im Vorfeld des Besuchs erarbeitete Aufstellung der internationalen Wirtschaftsprüfungsfirma Price Waterhouse Coopers zeigt, sind 35 deutsche Unternehmen mit insgesamt 57 Aktivitäten in Israel präsent: Das kann ein Inkubator sein, ein Innovationshub oder Forschung- und Entwicklungsaktivitäten. Einige deutsche Unternehmen sind Kooperationen mit israelischen Start-ups oder wissenschaftlichen Einrichtungen eingegangen. Es gibt aber auch direkte Investitionen in israelische Start-ups.

17 deutsche Unternehmen betreiben in Israel einen Accelerator, mit dem Ideen und Gründungen gefördert werden sollen. Außerdem gibt es 15 Forschungseinheiten und 13 Innovationszentren, die von deutschen Firmen in Israel eingerichtet worden sind. Deutschland gehört nach Einschätzung des israelischen Wirtschaftsministeriums zu jenen Ländern, die sich am stärksten dafür interessieren, was in Israels Innovationslandschaft vor sich geht.

Einige der deutschen Firmen sind gleich auf mehreren Feldern aktiv. Die Deutsche Telekom und SAP sind am stärksten in Israel engagiert - in insgesamt fünf Bereichen, gefolgt von Merck, Munich RE und Siemens mit jeweils vier und Bosch mit drei Engagements in Israel. Die deutschen Autobauer sind vergleichsweise zurückhaltend: Daimler ist in zwei Bereichen aktiv, Mercedes, Audi und Volkswagen betreiben einen Accelerator, beziehungsweise ein Innovationszentrum.

Finanziers aus Deutschland investieren vor allem vor oder in der Gründungsphase

Im Vorfeld des Besuchs hat die Organisation Start-up Nation Central ausgewertet, wie stark sich deutsche Investoren in Israel finanziell engagieren. Deren Vertreter Amir Mizroch spricht von einem "sprunghaft gestiegenen Interesse". Zwischen 2017 und 2018 ist die Anzahl der deutschen Investoren, die sich an Finanzierungsrunden beteiligten, von 13 auf 33 in die Höhe geschnellt. 2014 waren es lediglich acht Investoren aus Deutschland, die sich finanziell an einem Start-up in Israel beteiligten. Damit landet Deutschland im Ländervergleich auf Platz vier. Die meisten Investitionen in Start-ups kamen aus Israel selbst - gefolgt von den USA. Dann folgen mit großem Abstand Gelder aus Großbritannien, Deutschland, China und Japan. Finanziers aus Deutschland stellten vor allem Kapital für Start-ups vor oder in der Gründungsphase zur Verfügung. Sie ermöglichten damit, überhaupt zu starten und ihre Ideen umzusetzen. 17 Milliarden Dollar werden pro Jahr insgesamt in Forschung und Entwicklung in Israel gesteckt.

Wer sich für bereits existierende Unternehmen in Israel interessiert, für den ist die Organisation Start-up-Nation Central eine wichtige Anlaufstelle. Der Hedgefonds-Manager Paul Singer gründete diese Institution in Israel, nachdem er Dan Senors Bestseller "Start-up Nation" gelesen hatte. Das Ziel der Organisation ist es, Unternehmen in Israel mit ausländischen Interessenten zu vernetzen. Das kann durch persönliche Begegnungen in dem neuen vierstöckigen Haus im Zentrum von Tel Aviv geschehen oder durch Informationen, die Start-up-Nation Central aufbereitet. Auf der Homepage befindet sich beispielsweise der Start-up-Nation-Finder: Wer ein Start-up in einem ganz spezifischen Bereich sucht, der kann dies durch mehrere Schlagwörter finden.

Auf dieser Onlineplattform befindet sich auch eine Übersicht über die gesamten Aktivitäten in Israel. Derzeit gibt es demnach 6421 Start-ups und 1785 wissenschaftliche Projekte, die mit Innovation zu tun haben. 376 multinationale Unternehmen sind in Israel aktiv. Darunter sind große Konzerne wie Amazon, Samsung und Intel. Die deutschen Unternehmen sind damit in guter Gesellschaft - und der Konkurrenzdruck, sich in Israel zu engagieren, wächst.