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Interview mit Jacobs-Chef:"Wir brauchen neue Vorbilder"

SZ: Brauchen die Spitzenkräfte von morgen ebenso teure Bonusprogramme und hohe Gehälter wie ihre Vorgänger?

Jacobs: Bonussysteme als Leistungsanreiz werden auch künftig ihre Berechtigung haben. Im Wettbewerb um gute Kräfte können viele Firmen darauf nicht verzichten. Die Bonusprogramme müssen aber anders gestaltet werden.

SZ: Trotz atemberaubender Verluste belohnen noch immer einige Banken ihre Spitzenkräfte mit großzügigen Ausschüttungen. Wie lässt sich das verhindern?

Jacobs: Es ist ein klares Zeichen von Systemversagen, wenn hohe Verluste zu hohen Ausschüttungen führen. Das darf nicht passieren. Die Übertragung von Aktienpaketen mit langen Haltefristen von fünf Jahren und mehr ist ein möglicher Weg, um das zu verhindern. Fällt der Kurs, hat auch der Manager einen Nachteil. Die Herausforderung wird außerdem sein, die langfristige und soziale Wertschöpfung eines Unternehmens als Vergütungskomponente einzufügen.

SZ: Viele Menschen verdienen immer weniger, während wenige immer mehr bekommen. Ist das berechtigt?

Jacobs: Gehälter, die über das hinausgehen, was ein Mensch zum Leben braucht, selbst wenn er einen anspruchsvollen Lebensstil pflegt, muss man grundsätzlich in Frage stellen.

SZ: Braucht etwa ein Bankvorstand 25 Millionen Euro im Jahr?

Jacobs: Das weiß ich nicht, ich brauche es nicht. SZ: Sie sind seit 2004 Präsident der familieneigenen Jacobs-Holding, die Beteiligungen am weltweit größten Schokoladenhersteller Barry-Callebaut und der Zeitarbeitsfirma Adecco hält. Verraten Sie uns, wie hoch ihr Gehalt ist?

Jacobs: Nur so viel: von 25 Millionen Euro bin ich meilenweit entfernt.

SZ: Wie wirkt sich der Wirtschaftseinbruch auf die Jacobs-Beteiligungen aus?

Jacobs: Barry Callebaut hat ein stabiles Geschäftsmodell, das relativ krisenfest ist. Schokolade ist immer gefragt. Die Zeitarbeitsbranche reagiert dagegen sehr sensibel auf die Wirtschaftsentwicklung und war eine der ersten, die vom Abschwung betroffen war. Sobald die Auftragslage schlechter wird, entlassen Arbeitgeber als erstes die Zeitarbeiter. Hier sehen wir schon seit Ende 2007 eine Rezession auf uns zu kommen.

SZ: Sind Entlassungen bei Jacobs-Beteiligungen geplant?

Jacobs: Bei Adecco lässt sich das nicht vermeiden. Wenn wir weniger Personal vermitteln können, müssen wir auch unseren Personalstamm reduzieren. Bei Barry Callebaut versuchen wir, durch natürliche Abwanderung die Mitarbeiterzahl zu reduzieren.

SZ: Sehen sie die Finanzierung der Holding-Töchter gefährdet?

Jacobs: Nein. In der Finanzierung von Barry Callebaut und Adecco stehen wir so da, dass wir eine noch stärkere Krise aussitzen können.

SZ: Wann wird sich die Wirtschaftlage wieder stabilisieren?

Jacobs: Das ist sehr schwer zu sagen. Die Rezession trifft viele Länder und Firmen zeitverzögert. In Deutschland wird nun der Arbeitsmarkt zusehends getroffen, damit wird auch der private Konsum zurückgehen. Die Unternehmen werden erst dann wieder verlässlich planen können, wenn an den Finanzmärkten wieder stabile Verhältnisse herrschen. Unklar ist derzeit, ob die Märkte überhaupt jemals wieder zur alten Stärke zurückfinden. In diesem Fall müssen wir lernen mit einer größeren Unsicherheit zu leben, als wir es gewohnt sind.