Sportartikel:Wie Intersport wieder in Bewegung kommen will

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Sportartikel: Intersport war lange die marktführende Handelsorganisation im Sportbereich.

Intersport war lange die marktführende Handelsorganisation im Sportbereich.

(Foto: Mike Fuchs/Intersport)

Die Pandemie trifft viele Menschen hart - sie führt aber auch dazu, dass mehr Sport gemacht wird. Davon profitieren Händler wie Intersport.

Von Uwe Ritzer, Nürnberg

Der tägliche Blick auf die Inzidenz- und Sterbezahlen, die Statistiken über belastete Krankenhäuser, die Debatten über Impfquoten und das rechte Maß bei der täglichen Seuchenbekämpfung - all dies verstellt den Blick auf eine andere Wirkung der Pandemie. Das Virus treibt die Menschen nach draußen, zum Radfahren, Wandern, Laufen, überhaupt zur Bewegung an der frischen Luft. Profiteure von alledem sind die Hersteller und Verkäufer von Fahrrädern, hier vor allem von E-Bikes und von Sportausrüstung. Für Letztere gaben die Menschen hierzulande vor fünf Jahren acht Milliarden Euro aus. 2022 werden es voraussichtlich elfeinhalb Milliarden Euro sein. Gekauft wird vor allem, was man draußen braucht: wetterfeste Jacken, Wander- und Runningschuhe, Thermowäsche für die kalte und schweißabsorbierende Textilien für die warme Jahreszeit. Doch trotz alledem gibt es in der Sportartikelbranche nicht nur Gewinner.

Ob Intersport langfristig dazugehört, die mit 66 Jahren älteste und lange uneingeschränkt marktführende Handelsorganisation im Sportbereich, ist noch nicht klar. Die Genossenschaft mit Zentrale in Heilbronn kämpfte vor der Pandemie schon jahrelang mit der Suche nach der richtigen Struktur für die Zukunft, was den Mix aus stationärem Geschäft und Online-Handel angeht. Das tat der Schlagkraft der Organisation nicht gut. Zudem sahen sich die Fachhändler und ihre Genossenschaft zwei weiteren Existenzbedrohungen von außen ausgesetzt: Die französische Sporthandelskette Decathlon expandiert in Deutschland ebenso exzessiv wie erfolgreich und sitzt Intersport gewaltig im Nacken. Und dann sind da noch die großen Hersteller wie Nike und Adidas, die über eigene Online-Shops ihre Produkte direkt an die Endkunden verkaufen, den Intersport-Händler um die Ecke also umgehen.

Zeit also für Intersport, ein Zeichen zu setzen, wo die eigene Reise hingehen soll. Das dachten sich wohl Vorstandschef Alexander von Preen und seine Kollegen Thomas Storck (Finanzen) und Frank Geisler und kündigten am Donnerstag in Heilbronn ein Wachstumsprogramm an. Bis 2025 will Intersport stärker als der Markt, nämlich um mindestens fünf Prozent pro Jahr wachsen und im Onlinegeschäft sogar zweistellig. Womit sich ein spannender Zweikampf um die Marktführerschaft im deutschen Sportfachhandel zuspitzt. Denn Konkurrent Decathlon will seinen Umsatz bis 2025 auf zweieinhalb Milliarden Euro mehr als verdoppeln.

Die Frage, ob Intersport erfolgreich unterwegs ist, lässt Interpretationsspielraum

Aktuell reklamiert Intersport noch die Spitzenposition für sich. Mit 465 Geschäften, meist in Familienbesitz, dem Intersport-Online-Kanal und den zum Intersport-Verbund gehörenden Partnern wie 11teamsports, McTrek oder Bike24 erwirtschaftete die Intersport-Gruppe im abgelaufenen Geschäftsjahr 2,65 Milliarden Euro Umsatz. Die Frage, ob Intersport erfolgreich unterwegs ist, lässt allerdings Interpretationsspielraum. Auf das Kalenderjahr 2021 bezogen, stieg der Umsatz um satte 14 Prozent. Im bilanzrelevanten Geschäftsjahr 2020/2021 sank er allerdings um ein Prozent. Die Schwankung ist eine Folge des zeitweiligen Lockdowns.

Festhalten lässt sich, dass angesichts des gewachsenen Bewegungsdrangs der Kundschaft der Markt für Sportartikel zwar wächst, dass aber nicht alle Anbieter davon gleichermaßen profitieren. Vor allem stationäre Fachhändler werden auf der Strecke bleiben; das Warenhausgeschäft ist bereits stark eingebrochen. Gekauft wird mehr denn je im Netz, und dort wächst die Zahl der Anbieter rasant. Um die Marktführerschaft gegen Decathlon mit seinen vielen, günstigen Angeboten zu verteidigen, will auch Intersport dieses Segment ausbauen. 150 Millionen Euro setzt der Verbund mit seinen Eigenmarken wie McKinley oder Firefly um, 250 Millionen sollen es 2025 sein. Das Segment ist wichtig, weil die Produkte im Schnitt günstiger sind als jene von Nike, Adidas und anderer Hersteller. Es ist das Feld, wo vor allem Decathlon und Internet ihr Duell ausfechten. Zugleich garantieren Eigenmarken eine höhere Marge, weil der Herstelleranteil entfällt.

Intersport setzt in diesem Konkurrenzkampf auf eine Doppelstrategie. Die stationären Sportgeschäfte sollen sich auf einige wenige Disziplinen spezialisieren und mit entsprechender Beratungskompetenz glänzen. Im Laufsport zum Beispiel, wo die Suche nach dem passenden Running-Schuh eine ziemlich individuelle Angelegenheit ist. Im Netz allerdings will Intersport "alle Sportarten abbilden, die es gibt", sagt Storck. Und sich "als der Qualitätsanbieter positionieren" (von Preen), der sportliche Kompetenz zeige und das beste Preis-Leistungs-Verhältnis.

Vorbei ist nach den Worten des Vorstandschefs die Zeit, als Intersport sich hauptsächlich als Großhändler verstand, der die Läden der selbständigen Mitglieder belieferte. Intersport soll mehr denn je selbst als starke Marke auftreten, so die Heilbronner Botschaft vom Donnerstag. Was unterm Strich auch auf mehr Zentralisierung, etwa im Marketing und Werbung, hinausläuft, was in der Genossenschaft nicht jedem Mitglied gefällt. Seit 2019 trudelte Intersport über solche internen Debatten vor sich hin, nunmehr seien aber "die Geschäfte stabilisiert", sagte Alexander von Preen. Die Länderorganisationen in Österreich, Ungarn, Tschechien und der Slowakei hat Intersport Deutschland verkauft, was verglichen mit 2019 aktuell eine Milliarde weniger Umsatz bedeutet - und die Position gegenüber den Herstellermarken beim Einkauf nicht unbedingt gestärkt hat. Aber zumindest die Pandemie macht Intersport keine Sorge: "Wir werden viel besser aus ihr rauskommen, als wir reingegangen sind", sagte Finanzchef Thomas Storck.

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