Intersport-Chef Klaus Jost:Gott und die Welt

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Zwei Dinge helfen Klaus Jost beim größten europäischen Sportartikel-Handelsverbund Intersport: die Bibel und die Zahlen.

Uwe Ritzer

Über die unbeschwerte Welt der Surfer und Jürgen Klinsmann beim FC Bayern landet das Gespräch binnen weniger Minuten beim lieben Gott: "Mein Maßstab ist die Bibel", sagt Klaus Jost und schiebt nach, was erfolgreiche Manager nicht gerne zugeben: "Ich kenne auch das Gefühl, versagt zu haben."

Intersport-Chef Klaus Jost: Klaus Jost am Tischkicker: Er spielt ansonsten auch passabel Tischtennis, schwimmt und läuft zweimal im Jahr Marathon.

Klaus Jost am Tischkicker: Er spielt ansonsten auch passabel Tischtennis, schwimmt und läuft zweimal im Jahr Marathon.

(Foto: Foto: Ralf Seidel)

Christ und Geschäftsmann

Ob ihm die persönlichen Bekenntnisse nur herausgerutscht sind, bleibt offen. Klaus Jost ist eigentlich keiner, der Fremde in seine Gefühlswelt blicken lässt. Der 47-jährige Einsneunzig-Mann wirkt stets kontrolliert, zurückhaltend und immer auch etwas vorsichtig.

Man kann sich gut vorstellen, wie er in Verhandlungen auch um Cent-Beträge feilscht. "Als Kaufmann muss man kalkulieren können", sagt Jost. "Nur weil ich bekennender Christ bin, bin ich kein besserer Mensch." Aber Werte wie Korrektheit, Ehrlichkeit und Fairness müssten immer die Grundlage des Handelns sein. Im Geschäftsleben wie im Sport. In beidem ist Klaus Jost fest verankert. Als für Marketing, Einkauf und Vertrieb verantwortlicher Geschäftsführer steht er seit sieben Jahren an der Spitze von Intersport, Europas größtem Einkaufsverbund von Sportfachhändlern.

Vor dem alten Ölgemälde

Wer wissen will, wie die Geschäfte im Supersportjahr 2008 laufen, muss in der von Grün umgebenen silbergrauen Intersport-Zentrale in einem Heilbronner Gewerbegebiet nachfragen. In einer Glasvitrine im Foyer hängt ein Trikot mit den Unterschriften aller Fußball-Nationalspieler, ein offizieller EM-Spielball und ein silberner Fußballschuh mit dem Autogramm des Intersport-Partners Philipp Lahm.

Im ersten Stock sitzt Klaus Jost vor einem alten Ölgemälde, das Herrn Schulze aus Delitzsch zeigt, den Urahn aller Genossenschaften. Eine solche ist Intersport, und womöglich kommt das dem sportlichen Kaufmann und in seiner Kirchengemeinde sehr aktiven Christenmenschen Jost entgegen. "Als Genossenschaft haben wir auch eine gesellschaftspolitische Verantwortung", sagt Jost. "Dazu gehört für mich, dass wir nicht in erster Linie Gewinne maximieren, sondern einen gesunden Wettbewerb fördern." Auch in der Bibel gelten die Kaufmänner als Vorbilder, wenn sie ihre "Talente", wie es dort heißt, vermehren.

Erbitterter Kampf um jeden Platz im Ladenregal

Etwas aus sich machen. Sich Chancen erarbeiten und die dann nutzen. Für Klaus Jost ist das Glaubenssache. Mit 21 Jahren übernahm der gebürtige Frankfurter in Krefeld die Geschäftsführung eines großen Sportgeschäftes. Über Jobs bei Adidas und den Geschäftsführerposten bei Sport 2000 kam er 2001 an die Spitze von Intersport. Seither arbeite die Genossenschaft analytischer und zahlenorientierter als früher, heißt es.

Als Intersport-Chef ist Jost einer der einflussreichsten Manager in der Sportartikelbranche. Denn was immer große Marken wie Nike, Adidas oder Puma, aber auch kleine Hersteller an Sportschuhen, Trikots und Kollektionen entwickeln, wird in Europa kaum zum Erfolg, wenn die beiden größten Einkaufsverbände Intersport und Sport 2000 nicht mitspielen. Dementsprechend erbittert kämpfen sie um den Platz im Ladenregal. Das gilt umso mehr in einem Sportjahr wie diesem.

In den ersten sechs Monaten beflügelte die Fußball-EM die Geschäfte des Sportfachhandels. Intersport Deutschland meldet ein Umsatzplus von 7,3 Prozent. Das Segment Fußball legte um ein Viertel zu und schnitt fast so gut ab wie im Sommermärchen-Jahr 2006. Wer allerdings erwartet, dass sich die Erfolgsgeschichte dank der bevorstehenden Olympischen Spiele nahtlos fortsetzen wird, täuscht sich.

Sonntags bei den Dorf-Kickern

"Im Gegensatz zur EM bringen sie im kurzfristigen Geschäft kaum Zuwachs", sagt Jost. Niemand kauft sich einen Gewichtheberschuh, nur weil ihn ein Medaillengewinner trägt. "Olympia ist für uns langfristig wichtig, weil dadurch der Sport in den Mittelpunkt rückt und die Menschen motiviert werden, selbst Sport zu treiben", sagt Jost. Er selbst war als Jugendlicher ein hervorragender Leichtathlet, und noch heute schafft er die Vorgaben für das Sportabzeichen "ohne Training aus dem Stand".

Er spielt passabel Tischtennis, schwimmt, und zweimal im Jahr läuft er einen Marathon. Wenn Intersport alljährlich zu Wochenenden ins Gebirge lädt, die "Alpenglühen" oder "Gipfeltreffen" heißen, ist er regelmäßig dabei. Dort testet er mit mehreren Hundert Händlern und Endkunden die Neuentwicklungen der Ski- und der Outdoorindustrie. "In meinem Beruf ist es enorm wichtig, dass man sich in den Sportler hineindenken kann", sagt Jost. "Denn nur dann weiß ich, welche Produkte er will und braucht."

Europameisterschaften und Olympische Spiele sind für ihn zwar wichtige "Highlights des Zeitgeschehens, bei denen man dabei sein will, mehr aber auch nicht". Als Fan zieht es den Vater von fünf Kindern mehr zu den Sportplätzen der unteren Ligen. Zum Beispiel sonntags, wenn einer seiner Söhne im heimatlichen Dorfverein kickt.

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