Internet-VergleichsportalAbwehr durch Angriff

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Private Krankenversicherer gründen ein Vergleichsportal und machen damit Firmen wie Check24 Konkurrenz. Ob das klappt?

Von Ilse Schlingensiepen, Koblenz

Drei private Krankenversicherer gründen ein neues Internet-Vergleichsportal, auf dem potenzielle Kunden Tarife und Preise vergleichen können. Initiatoren des "KV Fux" sind der Marktführer Debeka sowie die Concordia und die HUK-Coburg Krankenversicherung. Sie hoffen, dass sich weitere Gesellschaften anschließen, sagte Debeka-Chef Uwe Laue. Er ist auch Vorsitzender des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV).

Das Portal soll die Tarife von 30 PKV-Gesellschaften vergleichen, also auch von Anbietern, die nicht unter den Initiatoren sind. Zur Begründung sagte Laue: "Wir tun das deshalb, weil wir bewusst einen Beitrag zu mehr Transparenz im Markt der Vergleichsportale für die private Krankenversicherung leisten wollen."

Mit der Gründung des KV-Fux reagieren die drei Versicherer auf die Tatsache, dass die traditionellen Vertriebswege Vertreter, Makler und - im Fall der HUK-Coburg - Vertrauensleute im öffentlichen Dienst langfristig an Boden verlieren. Die Mehrzahl der Kunden informiert sich heute zumindest im Internet, viele schließen dort inzwischen auch Verträge ab.

Bei solchen Online-Abschlüssen gehen Kunden aber selten auf die Seiten einzelner Versicherer. Denn es ist sehr mühselig, bei mehreren Anbietern alle persönlichen Daten immer wieder einzugeben, um dann den besten Preis herauszufinden.

Deshalb boomen Online-Vergleichsportale wie Check24 oder Verivox sowie digital arbeitende Spezialmakler und Newcomer wie Knip oder Clark. Sie alle vergleichen digital Tarife und erhalten als Vermittler im Fall eines Abschlusses vom Versicherer eine hohe Provision, die bis zu neun Monatsbeiträge ausmacht.

Mit KV Fux wollen die drei Versicherer eine Alternative schaffen. Provisionen soll es hier nicht geben. "Im Gegensatz zu anderen Vergleichsportalen wird das neue Portal ohne finanzielles Interesse im Hinblicke auf Vertragsabschlüsse betrieben", sagte Laue. Die Nutzung sei kostenlos.

Allerdings haben manche Versicherer schon schlechte Erfahrungen mit eigenen Portalen gemacht: Die HUK-Coburg hatte in der Autoversicherung versucht, mit dem Portal Transparo gegen Check24 anzutreten. 2014 stieg die Gruppe nach millionenschweren Verlusten aus. Beim KV Fux ist sie jetzt wieder dabei.

Die drei Versicherer werden das Projekt Verbraucherschützern vorstellen und hoffen auf Unterstützung. Nach Angaben von Debeka-Vorstand Roland Weber orientieren sich die Kriterien des Portals an "einer renommierten Zeitschrift für Verbraucherschutz". Er meint wahrscheinlich Finanztest der Stiftung Warentest.

Die Erstellungskosten des KV-Fux sollen deutlich unter einer Million Euro betragen haben, die Betriebskosten werden mit unter 500 000 Euro im Jahr veranschlagt. Die Plattform betreibt im Auftrag der drei Versicherer der Dienstleister KVpro.de, der Tarifvergleichs-Software entwickelt.

Mit dem KV Fux trägt die Debeka dem Trend im Kundenverhalten Rechnung - auch wenn sie bisher über konventionelle Vertriebswege gut verkauft. 2016 konnte der Marktführer im Kerngeschäftsfeld Vollversicherung netto um fast 33 000 auf 2,34 Millionen Versicherte zulegen. Der Gesamtmarkt verbuchte dagegen ein Minus von 17 300 auf 8,77 Millionen Versicherte.

Die Debeka Kranken steigerte ihre Prämieneinnahmen um 1,3 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro. Der Zuwachs kam ausschließlich aus dem Neugeschäft, nicht aus Beitragsanpassungen, sagte Laue. Das wird sich 2017 aber ändern. Zum Jahresbeginn hat die Debeka die Beiträge im Schnitt um 8,5 Prozent angehoben. Vorher habe sie bei den Beamten fünf Jahre die Preise nicht erhöht, bei den Angestellten sechs Jahre, sagte Laue.

© SZ vom 03.03.2017 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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