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Internet-Suche nach der günstigsten Tankstelle:"Kein Preis ist älter als drei Tage"

Steffen Bock betreibt clever-tanken.de, eine Internet-Seite, auf der Autofahrer Benzinpreise vergleichen können. Das Beste: Die User melden selbst die veränderten Sprit-Preise.

"Hausfrauengeschäft sagt man hier in Franken, das trifft es irgendwie". Der Mann, der so über seine Firma spricht ist, besitzt keine Schneiderei. Auch keinen Wäschesalon.

Steffen Bock, 44, ist Internetunternehmer. Genauer: Gründer und Chef der Info Road GmbH, die die Seite clever-tanken.de ins Internet gestellt hat.

500.000 bis 700.000 Autofahrer steuern den Onlinedienst jeden Monat auf der Suche nach einer günstigen Tankstelle an. "Um täglich frische Preise zu bieten, müssen wir die Datenbank laufend aktualisieren", sagt Bock.

"Das ist wie Wäsche waschen, wenn man so will, immer dieselben Handgriffe." Darum habe er in Deutschland auch kaum Konkurrenz. "Eine solche Sauarbeit halten die meisten nicht durch."

In seinem Nürnberger Büro kümmert sich der studierte Betriebswirt vor allem um das Kaufmännische und fädelt Kooperationen mit Vertriebs- und Werbepartnern ein.

Autofahrer informieren über Benzin-Preisänderungen

Die Datenbankpflege übernehmen seine beiden Angestellten. Mehr braucht er nicht, denn die Preisänderungen an den Tankstellen beobachtet nicht die Firma, sondern Autofahrer aus allen Ecken des Landes. Anfangs waren es ein paar hundert.

Heute sind es 15.000, die die aktuellen Preise von Benzin und Diesel bei clever-tanken eintragen. "Ein harter Kern, von denen ist extrem aktiv und meldet mehrmals täglich Preise", sagt Bock. "Ich frage mich manchmal, woher die die Zeit dafür nehmen."

Knapp 40 Prozent des deutschen Tankstellennetzes deckt clever-tanken inzwischen ab. "Ballungsräume und Hauptverkehrsadern sind fast vollständig erfasst", sagt Bock.

"Kein Preis ist älter als drei Tage, in den wichtigsten 50 Städten sind wir laufend auf dem neuesten Stand." Dabei profitiert er auch davon, dass 1.500 Tankstellen ihre Preisänderung inzwischen von selbst melden.

Dennoch: Ohne die Mitwirkung der Autofahrer wäre das Angebot nie möglich gewesen. Und das macht die Seite zu einem Beispiel für jene interaktiven Onlinedienste, die heute unter dem Begriff Web 2.0 zusammengefasst werden: Firmen stellen eine Raum zur Verfügung, in dem Nutzer sich gegenseitig informieren.

Bock allerdings gefällt das Etikett nicht: "Natürlich lebt auch unsere Seite vom Mitmachen. Wir sind ein Netz von und für Autofahrer, wenn man so will. Aber ist es ja nicht so, dass wir uns entspannt zurücklehnen, während unsere Nutzer die ganze Arbeit machen."

Fasziniert vom Internet

Die Idee, eine Plattform für Tankstellenpreise zu schaffen, kam Bock vor acht Jahren bei seinem früheren Job. "Ein Computerfreak war ich nie", sagt er. "Aber ich arbeitete in den 90ern bei einer Unternehmensberatung und war fasziniert von den Vernetzungsmöglichkeiten, die das Internet erlaubt."

In Nürnberg seien die Spritpreise immer besonders hoch gewesen. "Ich wollte beweisen, dass wir Nürnberger nicht zu doof sind, Preise zu vergleichen", sagt er. "Nürnberg hat schließlich eine lange Tradition als Handelsstadt."

Risikokapital für das junge Unternehmen zu finden, war Ende der 90er, auf der Höhe des ersten Internetbooms, kein Problem. Die Schwierigkeiten begannen später. "Ich hatte mir das Geldverdienen viel leichter vorgestellt", erinnert sich Bock.

Das Geschäftsmodell beruhte zunächst auf der Idee, einen geringen Preis für die Abfragen zu verlangen. Die Idee schlug fehl. Als Bock die Tankstellensuche kostenpflichtig machte, rief fast niemand mehr die Seite auf. Doch er entwickelte das Firmenkonzept weiter und darf sich zu den Überlebenden der Internet-Gründerwelle zählen.

Das Geld kommt heute neben Werbe- auch aus Lizenzeinnahmen. Bock stellt seine Datendank den Internetportalen von T-Online, Microsoft und Yahoo zur Verfügung und streicht Gebühren dafür ein.

Im Gegensatz zu vielen anderen jungen Internet-Unternehmern hat Bock nie mit dem Gedanken gespielt, an die Börse zu gehen. "Da würde ich meine Freiheit verlieren", sagt er. Alle Investitionen habe die Firma bisher aus den laufenden Einnahmen finanzieren können.

Service auch per Handy

"Reich bin zwar ich nicht geworden", sagt Bock. "Aber es genügt, um gut zu wohnen und ein schönes Auto zu fahren." In seiner Freizeit ist Bock gern schnell unterwegs. Leidenschaftlich gern unternimmt er Mountainbike-Touren oder braust mit seinem Motorrad durch Land. Im Winter treibt es ihn mit seiner Familie in die Alpen.

Um nicht betriebsblind zu werden, arbeitet Bock auch heute noch manchmal als Berater. "Das hilft mir, frische Ideen zu entwickeln", sagt er. "Den Service für unterwegs, zum Beispiel." Seit anderthalb Jahren kann man die billigste Tankstelle auch mit dem Handy suchen.

Eine Kooperation mit der Münchner Firma Jentro, die Navigationssoftware für Mobiltelefone herstellt, macht es möglich. Seinen neuesten Einfall will Bock an diesem Montag ins Netz stellen.

Clever-tanken soll mit einem Kartensystem verbunden werden, auf dem Tankstellen mit ihren aktuellen Preisen verzeichnet sind. "Das ermöglicht auch unseren Werbepartner völlig neue Möglichkeiten", sagt er. "Werkstätten zum Beispiel können ihre Anzeigen direkt in die Karte eintragen."

Auch den nächsten Schritt hat Bock schon geplant. Die neue Generation von Navigationsgeräten für Autos, die auch Verbindungen ins Internet herstellen können, möchte er mit seinen Preisdaten füttern. "Autofahrer könnten ihren weg zur günstigsten Tankstelle dann noch bequemer finden", sagt er.

© SZ vom 30.4.2007

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