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Internet:Mehr Glasfaser bis in die Häuser

Deutschland hat mit dem Ausbau des schnellen Festnetzes spät begonnen. Doch nun steigt das Tempo.

Von Benedikt Müller-Arnold, Düsseldorf

Über das Festnetz in Deutschland wurde reichlich gespottet, nun kommen mehr und mehr schnelle Internetangebote auf den Markt: Die Zahl der Glasfaseranschlüsse bis in die Häuser ist im vergangenen Jahr um 1,1 Millionen auf 6,1 Millionen gestiegen. Das geht aus einer Marktanalyse im Auftrag des Bundesverbands Breitbandkommunikation (Breko) hervor, einem Zusammenschluss von Wettbewerbern der Deutschen Telekom.

Glasfaser bis ins Haus ermöglicht flinkeres und zuverlässigeres Surfen als die meisten Telefon- und Kabelanschlüsse, die - zumindest auf den letzten Metern bis in die Wohnung - auf Kupferleitungen basieren. Die neue Infrastruktur muss freilich erst aufwendig verlegt werden. "Deutschland ist möglicherweise ein bisschen spät gestartet, aber jetzt auf der Überholspur", sagt Studienautor Jens Böcker, Professor an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Von jenen 6,1 Millionen Glasfaser-Hausanschlüssen entfallen 1,2 Millionen auf den Marktführer Telekom, heißt es in der Analyse; den Großteil haben bislang also regionale Versorger und Konkurrenten verlegt. Denn die Telekom hat in den vergangenen Jahren zunächst Millionen Kupferanschlüsse für zumindest mittelschnelle Geschwindigkeiten aufgerüstet. Allgemein scheitert ein schnellerer Ausbau mancherorts an langwierigen Genehmigungsverfahren sowie knappen Kapazitäten von Tiefbaufirmen.

Mittlerweile verlegt die Telekom aber ebenfalls mehr und mehr Glasfaser bis in die Häuser, auch in Partnerschaften. Bis 2023 dürften daher 22 Millionen Glasfaser-Hausanschlüsse in Deutschland verfügbar sein, prognostiziert Böcker, gut ein Drittel davon von der Telekom. Der Staat finanziert den Ausbau zum Teil über Fördermittel mit. Böckers Analyse basiert auf einer Befragung von 195 Netzbetreibern sowie öffentlich zugänglichen Daten.

Dass Glasfaseranschlüsse bis ins Haus verfügbar sind, bedeutet freilich noch nicht, dass Kunden die Leitungen auch nutzen. Denn Glasfasertarife konkurrieren mit DSL-, vielerorts auch mit Kabelangeboten - und der Preiswettbewerb ist hoch. So melden die Mitgliedsunternehmen des Breko, dass 42 Prozent der von ihnen versorgten Haushalte auch wirklich Glasfasertarife gebucht haben. Diese Rate sei erfreulich, sagt Böcker, sie liege leicht über dem europaweiten Durchschnittswert.

Nach Ansicht des Experten sind Investitionen in Glasfaser zentral für die Zukunft des Landes. "Die anderen Technologien werden über kurz oder lang an Grenzen stoßen", sagt Böcker. Privatleute wie Unternehmen empfangen und verschicken von Jahr zu Jahr mehr Gigabyte über das Festnetz: etwa, wenn sie Filme streamen, Daten in Clouds speichern oder videotelefonieren, wie so häufig während der Corona-Pandemie. "Gerade in der aktuellen, weltweiten Krise wird deutlich, warum wir diese Infrastruktur so dringend brauchen", sagt Breko-Geschäftsführer Stephan Albers.

© SZ vom 02.09.2020

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