Süddeutsche Zeitung

Internet:Kartell-Klage gegen Google

Zehn US-Staaten wollen gegen mögliche Preisabsprachen im Werbegeschäft des kalifornischen Suchmaschinenbetreibers vorgehen.

Von Jannis Brühl, München

Ken Paxton hat dem Silicon Valley gerade noch gefehlt. Der Generalstaatsanwalt von Texas hat verkündet, dass er mit neun anderen US-Bundesstaaten zusammen "den Goliath" Google verklagen werde. Das tat er verbal breitbeinig in einem hektisch geschnittenen Video, das er mit den Worten beendete, die Tech-Konzerne müssten nun "auf die harte Tour" das Motto seines Bundesstaates kennenlernen: "Don't mess with Texas"! (Leg' dich nicht mit Texas an)

Die zehn Bundesstaaten werfen Google vor, in seinem Werbegeschäft gegen das Kartellrecht zu verstoßen. "Google hat wiederholt seine monopolistische Macht genutzt, um die Preisgestaltung zu kontrollieren und Marktabsprachen zu treffen, um so Auktionen zu manipulieren", erklärte Paxton.

Die Liste seiner Vorwürfe ist lang. Seit 2008 habe Google seine Monopolmacht im Netz kontinuierlich ausgebaut und so Konkurrenten benachteiligen können. Auf seinem Videoportal Youtube habe der Google-Konzern Anzeigenkäufer gezwungen, Werbung mit seinen eigenen Werkzeugen zu kaufen und so den Erfolg von Konkurrenzprodukten gehemmt. Google sei Werbekunden gegenüber intransparent und habe sich unter anderem mit Facebook verschworen, um Auktionen um Online-Werbeplätze zu manipulieren. An den im ganzen Internet verzweigten Werbenetzwerken von Facebook und Google kommen Werber und Nutzer praktisch nicht vorbei. Google wies die Vorwürfe zurück.

Am Donnerstag abend wurde zudem bekannt, dass die Justizminister von 35 US-Bundesstaaten eine separate Klage gegen Google wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das Kartellrecht eingereicht haben. Colorado und die anderen Bundesstaaten werfen Google nun Verstöße im Zusammenhang mit seinem Such-Geschäft und der Werbung vor. Vergangene Woche verklagten mehr als 40 Bundesstaaten Facebook. Sogar eine Zerschlagung des Konzerns in seine Einzelteile Facebook, Instagram und Whatsapp ist theoretisch möglich.

In den USA wird es also anstrengend für Google, Facebook und Co. Aus der EU, die schon mehrere Kartellstrafen gegen Google verhängt hat, kamen für Google am Donnerstag dafür ausnahmsweise gute Nachrichten. Nach der Prüfung durch die EU-Kommission darf der Konzern Fitbit übernehmen. Indem es den Hersteller von Fitness-Armbändern kauft, erhält Google Zugriff auf die Gesundheitsdaten von Millionen Menschen.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.5151475
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.