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Internationale Studie:Unterschätzte Gier nach Rohstoffen

Warum Recycling unverzichtbar wird: Industrieländer wie Deutschland verbrauchen erheblich mehr Rohstoffe als bisher angenommen - bis 2050 könnte sich der weltweite Bedarf vervierfachen.

Die Industrieländer verbrauchen erheblich mehr Rohstoffe, als die offiziellen Statistiken vermuten lassen. Das zeigt eine neue Studie der australischen Forschungsorganisation CSIRO, an der auch Wissenschaftler der Universitäten in Sydney und Santa Barbara in Kalifornien mitgearbeitet haben.

Die Gruppe hat erstmals untersucht, wie groß der tatsächliche Ressourcenhunger der Nationen ist. "Zum Teil liegt der Bedarf um das Dreifache und mehr über den offiziellen Zahlen", sagt der Leiter der Studie, der deutsche Professor Thomas Wiedmann, der Süddeutschen Zeitung. Er lehrt als Umweltexperte an der University of New South Wales in Australien.

Die offiziellen Daten sind der Studie zufolge unter anderem deshalb verzerrt, weil ein großer Teil der Bodenschätze genutzt wird, um andere Rohstoffe zu verarbeiten und zu transportieren. "Dieser indirekte Bedarf taucht in den offiziellen Statistiken nicht auf", sagt Wiedmann. "Ein großer Teil der weltweit geförderten Rohstoffe wird nur unzureichend oder gar nicht erfasst, weil sie die Länder, in denen sie erzeugt werden, nicht verlassen", erklärt er. 2008 wurden der Studie zufolge weltweit 70 Milliarden Tonnen Rohstoffe gefördert und verarbeitet. Doch nur zehn Milliarden Tonnen wurden physisch und grenzüberschreitend gehandelt.

Falsch eingeschätzt: China

Die Untersuchung, die vor kurzem im Wissenschaftsmagazin PNAS veröffentlicht wurde, macht auch deutlich, dass der Verbrauch von Exportweltmeister China überschätzt wird. Das Land verarbeitet zwar die meisten Rohstoffe weltweit - aber das liegt auch daran, dass es als globale Werkbank dient: Ein erheblicher Teil der in der Volksrepublik produzierten Waren wird in die USA, nach Europa und in andere Regionen der Welt exportiert.

In den Industrieländern wird dagegen unterschätzt, wie viele Ressourcen die Menschen verbrauchen, wenn man alle Waren aus dem Ausland mit einrechnet, die sie verwenden. Das gilt auch für Deutschland. "Die deutschen Importzahlen zeigen bei weitem nicht den tatsächlichen Umfang des nationalen Verbrauchs", sagt Wiedmann. "Die Bundesregierung ist deshalb nicht korrekt über das wahre Ausmaß der Abhängigkeit des Landes informiert. Sie kann den Mehrverbrauch mit normalen Statistiken nicht einkalkulieren."

Für Deutschland haben Wiedmann und seine Kollegen für 2008 einen tatsächlichen Bedarf von 1,8 Milliarden Tonnen an Rohstoffen ausgerechnet. In der offiziellen Statistik taucht dagegen nur die Zahl von knapp einer Milliarde Tonnen auf. China dagegen gehört unterm Strich zu jenen Ländern, deren Menschen mehr Rohstoffe fördern, als sie selber verbrauchen. Im Jahr 2008 haben die Chinesen mit 16 Milliarden Tonnen zwar absolut gesehen doppelt so viele Ressourcen verbraucht wie die USA, vier Mal so viele wie in Japan und neun Mal so viele wie in Deutschland. Dennoch gehört das riesige Land zu jenen, die unter dem Strich mehr erzeugen als verbrauchen.

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