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Internationale Kooperation:Die Kundenakten dokumentieren, wie es der Ehefrau geht

Viele Informationen stecken in den Protokollen, die die Bankberater über ihre Kundengespräche anlegen. Wollte der Kontoinhaber die Quellensteuer vermeiden? Wurde ihm vorgeschlagen, auf eine Briefkastenfirma auszuweichen? Hatte er ein Nummernkonto, und ließ er die Korrespondenz dazu im Schließfach - anstatt sich die möglicherweise verräterischen Dokumente schicken zu lassen?

Auch persönliche Beobachtungen notierten die Banker, etwa ob die Kunden verheiratet sind oder ohne Trauschein zusammenleben. Ein Berater besuchte mit seinen Kunden, einem Ehepaar, einen Skiort in den Bergen. "Frau leidet an der Höhe", heißt es in einem Protokoll. "Sie ist unter ständiger Beobachtung der Ärzte."

In den Kundenprofilen sind zudem viele Angaben zu persönlichen Daten einsehbar, um eine Person eindeutig zu identifizieren, etwa Name, Geburtsdatum und -ort. Dazu kommt in vielen Fällen der Kontostand. Mal liegen nur ein paar Hunderttausend Euro, Franken oder Dollar auf dem Konto, mal ist es ein dreistelliger Millionenbetrag. Alle gelisteten Einlagen summieren sich auf rund 75 Milliarden Euro.

Swiss-Leaks Geheimnisse einer diskreten Bank
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Geheimnisse einer diskreten Bank

Blutdiamanten, Waffen, Steuerhinterziehung: Die ARD zeigt in einem Film, welche schmutzigen Geschäfte in den Dokumenten des Swiss-Leaks auftauchen.

Schweizer Polizei bestätigt Echtheit der Daten

Die französischen Behörden übergaben auch den Schweizer Ermittlern eine Kopie der Falciani-Daten. Ihnen ging es allerdings nicht um Steuerhinterzieher. Sie brauchten die Unterlagen für die Anklage gegen Falciani, die im Dezember erhoben wurde - unter anderem wegen Verletzung des Bankgeheimnisses und unbefugter Datenbeschaffung. Die Schweizer Bundeskriminalpolizei hat die Daten mit der HSBC analysiert. Sie urteilte: "Es sind echte und vertrauliche Daten, die in allen Punkten mit den Kundendaten übereinstimmen, wie sie bei der HSBC gespeichert wurden", zitiert der Tages-Anzeiger aus dem Bericht der Schweizer Polizei.

© SZ.de/bob
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