Mark Papermaster:Der Chipmacher

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Mark Papermaster: Mit den Ryzen-Hauptprozessoren lehrte AMD den mächtigen Konkurrenten Intel das Fürchten.

Mit den Ryzen-Hauptprozessoren lehrte AMD den mächtigen Konkurrenten Intel das Fürchten.

(Foto: Zii Miller/Unsplash)

Der Chiphersteller AMD war am Boden, dann kam der Halbleiter-Experte Mark Papermaster und half der Firma wieder auf. Jetzt boomt das Geschäft wie nie.

Von Jannis Brühl

Mit angespannten Situationen kennt Mark Papermaster sich aus, er hat zwei Jahre direkt unter Steve Jobs gearbeitet. Als er Apple 2010 als Chef der Hardwaresparte verließ, soll das auf Betreiben des notorisch unzufriedenen Firmenchefs Jobs passiert sein. Ein möglicher Grund: die Probleme mit der Antenne des iPhone 4. Nun hat es Papermaster mit einer Krise zu tun, die die Weltwirtschaft durcheinanderwirbelt. Es gibt zu wenige Computerchips, viele Branchen drosseln die Produktion, weil ihnen die vermaledeiten Mikroprozessoren fehlen.

Papermaster ist Technikchef des Chipherstellers Advanced Micro Devices, besser bekannt als AMD. Der 60-jährige US-Amerikaner ist eine Koryphäe, wenn es darum geht, was die Welt auf der Nanometer-Ebene zusammenhält: Chips wie der "Ryzen" für Viel-Gamer, der "Epyc", der gut gekühlt in vielen Rechenzentren Daten schaufelt, oder der "Threadripper" für besonders geforderte Desktop-PCs (derzeitiger Preis ab 5000 Euro) - sie alle haben AMD nach langer Durststrecke wieder in die Spur gebracht. Den größten Anteil daran haben die Chefin Lisa Su - und eben Papermaster.

Im SZ-Gespräch zeigt er sich gut gelaunt für jemanden, dessen Branche im Auge eines Sturms steht: "Der riesige Anstieg der Nachfrage ist aufregend, aber auch herausfordernd", sagt er. Der Moment sei historisch: Die Pandemie habe zur "Massenadaption" von Digitaltechnik geführt. Nun arbeiten und leben auch die bisherigen Verweigerer und die Behäbigen im Gigahertz-Rhythmus. Und auf Hochleistungs-Gaming-Computern wird auch mehr gezockt.

"Die Leute sind abhängig von PCs und Handys"

"Wir in der Branche haben uns schon immer für essenziell für die kritischen Teile von Unternehmen gehalten, seit die ersten PCs in den frühen Achtzigern herauskamen", sagt Papermaster. "Aber nun sind die Leute abhängig von PCs und Handys." Seine Branche prägt er schon seit Jahrzehnten. Bei IBM war er 25 Jahre für Chips und Server zuständig. Apple wollte ihn so dringend, dass der iPhone-Konzern sich mit IBM vor Gericht um ihn stritt. Vor zehn Jahren fing er bei AMD an und brachte die Firma technologisch wieder auf Augenhöhe mit dem scheinbar übermächtigen Konkurrenten Intel.

Mark Papermaster: Mark Papermaster brachte AMD wieder in die Spur.

Mark Papermaster brachte AMD wieder in die Spur.

(Foto: AMD/OH)

Als Geheimnis des Erfolgs gilt unter anderem, dass AMD auf einzelne Chipteile setzte - sogenannte Chiplets -, die sich kombinieren lassen, statt alle Energie nur auf den einen Super-Chip zu verwenden. Papermaster sieht AMD daher gut gewappnet gegen die Krise: "Wir haben den Bedarf an Hochleistungsprozessoren kommen sehen." Dass die Chips irgendwann mit den Ansprüchen von Gamern oder Unternehmen nicht mehr mithalten könnten, glaubt er nicht: "Ich sehe keine Grenze für die Innovation. Immer wenn Leute verkündet haben, wir hätten eine harte Barriere erreicht, hat Innovation sich durchgesetzt."

Unternehmen wie AMD müssten in der Krise ihre Strategie ändern, sagt Jan-Peter Kleinhans vom Berliner Think Tank Stiftung Neue Verantwortung. Denn AMD ist einer jener Chip-Konstrukteure, die keine eigene Produktion haben, sondern produzieren lassen. Sie haben keine Fabs, wie die superspezialisierten Chip-Fabriken heißen. "Fabless-Unternehmen sichern sich nun Substrat- und Siliziumwafer-Kapazitäten - das geht gegen ihr Geschäftsmodell, ist in Zeiten der Knappheit aber unabdingbar", sagt Kleinhans.

Die Branche ist zu unflexibel

Womit Papermasters Branche zu kämpfen hat, macht ein aktuelles Paper von Kleinhans und seiner Kollegin Julia Hess deutlich: Die Halbleiter-Experten des Think Tanks beschreiben die vielen Ursachen der Krise. Die Pandemie habe in Verbindung mit anderen "externen Schocks" wie Bränden oder Stromausfällen die große Schwäche der Branche gezeigt: mangelnde Flexibilität. Die liege an den langen Produktionszyklen - einen Chip zu fertigen, dauert vier bis sechs Monate. Hinzu kämen die geografische Konzentration in Ostasien und die begrenzten Quellen für die Spezialstoffe in der Lieferkette.

Computer, Konsolen, Autos: In der Pandemie dürstet es die Welt nach so ziemlich allem, wo ein Chip drinsteckt. Dass die bestehenden Produktionsstätten seit dem Anstieg der Nachfrage nicht schnell die Produktion hochfahren konnten, liege an einem System, das auf Kante genäht ist. Fabs zu bauen ist sehr teuer, dazu braucht es hochspezialisierte Arbeiter und Techniker mit Jahren an Erfahrung. Nur voll ausgelastete Fabs aber können das eingesetzte Geld wieder reinholen. Deshalb gab es praktisch keine Überkapazitäten, als die Nachfrage anzog.

Was Probleme in der Lieferkette angeht, hält Mark Papermaster sich bedeckt. AMD arbeite mit seinen Partnern über die gesamte Lieferkette in Nordamerika und Asien, damit man mit der Produktion hinterherkomme: "Wir sind sehr fokussiert auf die Lieferkette. Wir feilen an jedem Aspekt des Designs unserer Produkte, damit sie leichter produziert werden können."

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