Wenige Tage nachdem Donald Trump einen Führungswechsel beim kriselnden Chiphersteller Intel gefordert hat, schlägt der US-Präsident nach einem Treffen mit Konzernchef Lip-Bu Tan plötzlich versöhnliche Töne an: Das Treffen sei „sehr interessant“ gewesen und der Aufstieg von Tan an die Spitze von Intel sei eine „tolle Geschichte“, schrieb Trump anschließend auf seiner eigenen Social-Media-Plattform Truth Social.
An dem Treffen nahmen dem Präsidenten zufolge auch Handelsminister Howard Lutnick und Finanzminister Scott Bessent teil. Laut Trump werden die Kabinettsmitglieder und Tan nun zusammenarbeiten und ihm in der kommenden Woche Vorschläge unterbreiten. Der Chipkonzern teilte auf seiner Internetseite mit, man freue sich auf eine enge Zusammenarbeit mit Trump und seiner Regierung. Die Intel-Aktie ging nach den Statements deutlich nach oben.
In der vergangenen Woche hatte der US-Präsident noch den sofortigen Rücktritt Tans gefordert. Er begründete dies mit Verbindungen des Managers zu chinesischen Firmen. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte im April berichtet, dass Tan in Hunderte chinesische Firmen investiert hatte, von denen einige mit dem chinesischen Militär in Verbindung stehen.
Trump war offenbar durch einen Brief des republikanischen Senators Tom Cotton aus Arkansas auf die Sache aufmerksam geworden. Cotton ist Vorsitzender des Geheimdienstausschusses im Senat. Cotton hatte in einem Brief an Intel seine Bedenken in Bezug auf Sicherheit und Integrität von Intels Geschäften ausgedrückt – mit Verweis auf die Verbindungen Tans mit China.

Künstliche Intelligenz:Die USA liefern wieder KI-Chips nach China, aber nicht die schnellsten
Mikrochips – wer sie hat, ist in der modernen Welt im Vorteil. Der US-Präsident will den nicht aus der Hand geben und kommt zu einem überraschenden Meinungsumschwung. Aber auch der ist eine Machtdemonstration gegenüber China.
Schwere Versäumnisse bei Intel
Intel hatte Tan, 65, erst im März nach monatelanger Suche in den Chefposten gehoben. Er soll die jahrelange Serie von Pannen bei dem US-Konzern beenden. Intel dominierte einst die Chipbranche, fiel dann aber weit hinter die Konkurrenz zurück, zum einen, weil das wichtige Geschäft mit Chips für Smartphones verschlafen wurde, und zum anderen, weil leistungsfähige Chips für KI-Anwendungen ebenfalls nicht von Intel kommen, sondern zum Beispiel von Nvidia. Intel schaffte es auch nicht, angekündigte technologische Verbesserungen fristgerecht umzusetzen. Konkurrenten wie Apple oder Qualcomm setzen Intel mehr und mehr zu. Deren Chips stammen ursprünglich aus der Smartphone-Welt, sind inzwischen aber auch schnell genug für Computer.
Lip-Bu Tan, der zuvor den Chipentwickler Cadence geführt hat, versucht Intel durch ein Sparprogramm wieder auf Kurs zu bringen. So hat er unter anderem die Milliarden-Pläne zum Bau einer Chipfabrik in Magdeburg aufgegeben. Im Aufsichtsrat soll es US-Medien zufolge aber schon vor Tans Problemen mit dem Weißen Haus Gegrummel über die Strategie des neuen Chefs gegeben haben. Dieser greift sehr hart durch. Massenentlassungen erschüttern die Firma, unrentable Geschäftsfelder werden abgestoßen.
Obwohl das Gespräch in Washington Präsident Trump offenbar davon abgebracht hat, auf Tans sofortiger Entlassung zu bestehen, ist dessen Zukunft bei Intel keineswegs gesichert. Sollten seine harten Maßnahmen nicht fruchten und sollte Intel nicht messbare technologische Fortschritte machen, dürfte es auch für ihn eng werden.
Mit Material der Nachrichtenagenturen
