Insolvenzverfahren gegen Prokon eröffnet Anleger können bis 15. September Ansprüche geltend machen

Prokon-Anleger konnten bisher noch keine Forderungen anmelden. Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens ändert sich das. Sie können nun ihre Ansprüche beim Insolvenzverwalter geltend machen. Das Gericht hat dafür eine Frist bis zum 15. September gesetzt. Eine Gläubigerversammlung, in der über den Fortgang des Verfahrens entschieden wird, ist für den 22. Juli angesetzt. Wie hoch die Insolvenzquote sein wird, ist noch völlig offen. Bilanzexperten diskutieren über mögliche Insolvenzquoten, die sich zwischen 35 und 70 Prozent bewegen.

Für die Firma und ihre Anleger bedeutet die Pleite einen rasanten Absturz. Dabei hatte es so gut begonnen. Der Aufstieg von Prokon war phantastisch, eine Wette gegen die Wahrscheinlichkeit. Als junger Buchhalter kaufte sich Gründer Rodbertus an der Nordsee ein Stück Land und stellte zwei Windräder auf. Dann kam ihm die Idee zu Prokon - die Abkürzung steht für PROjekte und KONzepte. Carsten Rodbertus gründete die Firma 1995 und sammelte das erste Geld bei Anlegern für zwei weitere Räder ein, dann vier. In wenigen Jahren wurde aus der Garagenfirma ein gigantisches Finanz-Konglomerat. Prokon investierte die Anlegergelder in 52 Windparks in Deutschland und Polen mit rund 300 Windanlagen, eine Ölmühle in Magdeburg, in Wälder und einen Holz verarbeitenden Betrieb.

Verbraucherschützer warnen vor Geldanlagen wie Prokon

Doch schon vor einiger Zeit wurden Zweifel laut, ob das Geschäftsmodell die immensen Zinsen überhaupt erwirtschaften kann. Experten warnten immer wieder vor einem Schneeballsystem, was Prokon stets dementierte. Hinzu kam Kritik an der Anlageform. Rodbertus beteiligte die Investoren mit Genussrechten an seinem Unternehmen. Diese Mischform aus Aktie und Anleihe verspricht den Anlegern regelmäßige Zinszahlungen, berechtigt aber nicht zur Mitsprache. Und die größte Gefahr: Im Fall einer Pleite werden zunächst andere Gläubiger bedient, erst dann die Genussrechtsinhaber. Verbraucherschützer warnen seit Langem vor solchen Geldanlagen.

Prokon Wie die Bafin fast mal die Anleger schützte

Insolventer Windkraftkonzern Prokon

Wie die Bafin fast mal die Anleger schützte

Schon 2009 wusste die Bankenaufsicht Bafin von den Problemen der inzwischen insolventen Windkraftfirma Prokon. Seither steckten 60.000 Investoren eine Milliarde Euro in das Unternehmen. Warum wurden sie nicht gewarnt?   Von Oliver Hollenstein, München, und Markus Zydra, Frankfurt

Schon der vorläufige Insolvenzantrag von Prokon im Januar hatte in Deutschland hohe Wellen geschlagen. Als Konsequenz aus der Prokon-Pleite plant die Bundesregierung eine schärfere Regulierung für den sogenannten grauen Kapitalmarkt, auf dem immer wieder dubiose Firmen aufgefallen waren. Anleger sollen besser vor riskanten Finanzprodukten geschützt werden. So soll die Finanzaufsicht Bafin mehr Kontrollmöglichkeiten erhalten. Auch ein Werbe- oder Vertriebsverbot für zweifelhafte Kapitalanlagen steht in der Diskussion.

Für den umstrittenen Gründer Rodbertus ist der Kampf offenbar noch nicht zu Ende. Noch am Montag warb der Ex-Prokon-Chef nach Angaben von Teilnehmern für einen Neuanfang. Bei einem Auftritt vor Anlegern in Bremen trommelte er für eine neue Prokon AG, die Teile der alten kaufen soll. Anleger werden die jüngste Warnung Rodbertus' wohl so schnell nicht vergessen: "Sie werden sich die Augen reiben, wie Ihr Geld vernichtet wird."