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Insolvenzen:Bekannt, traditionsreich, pleite

Die Zahl der Insolvenzen ist in diesem Jahr rasant angestiegen. Neben jungen Firmen erwischt es jetzt häufiger auch Unternehmen mit langer Historie.

Es wird die letzte gute Nachricht für lange Zeit gewesen sein, die der Pensionssicherungsverein (PSV) im November an seine knapp 70.000 Mitglieder verschickte: Der Versicherer, der im Fall einer Firmeninsolvenz die Auszahlung der zugesagten Betriebsrenten für insgesamt mehr als zehn Millionen Versorgungsberechtigte übernimmt, kündigte eine deutliche Reduzierung der Prämie an. Statt eines Betrages in Höhe von 3,1 Promille der Rückstellungen, die die Firmen für Altersvorsorge reserviert haben, sollten sie nur noch 1,8 Promille zahlen.

Insolvenzen in 2009 Bekannt, traditionsreich, pleite

Modelleisenbahn-Hersteller Märklin ist pleite. Bereits vor drei Jahren stand das Traditionsunternehmen schon einmal kurz vor dem Aus.

(Foto: Foto: dpa)

So wenig hat die deutsche Wirtschaft seit 1998 nicht mehr für die Pensionssicherung insolventer Unternehmen aufbringen müssen. Zur Begründung verwies der PSV auf die bis zum Herbst erheblich gesunkenen Insolvenzschäden. Deren Summe werde 2008 mit 730 Millionen Euro voraussichtlich um 200 Millionen Euro niedriger sein als im Jahr zuvor, prognostizierte der Versicherer.

Insolvenzschutz wird teurer

In diesem Jahr sieht alles anders aus. Märklin, Rosenthal, Edscha, Schiesser - allein die prominenten Insolvenzen der vergangenen Wochen lassen befürchten, dass sich die durch Pleiten entstandenen Schäden in diesem Jahr auf lange Zeit nicht gekannte Höhen türmen werden. Entsprechend wird der Insolvenzschutz für alle Unternehmen deutlich teurer werden. Möglicherweise übertrifft der Beitragssatz sogar den 2005 aufgrund zahlreicher Großschäden erreichten Spitzenwert von 4,9 Promille. In keinem anderen Jahr seit Gründung des PSV im Jahr 1975 hatten die Unternehmen höhere Prämien zahlen müssen.

Dabei steht der deutschen Wirtschaft trotz der zuletzt im Wochentakt bekannt gewordenen spektakulären Pleiten das Schlimmste aller Voraussicht nach erst noch bevor: "Insolvenzen folgen der Krise im Abstand von neun bis zwölf Monaten. Ab März oder April erwarten wir eine ansteigende Welle von Unternehmensinsolvenzen", sagt Helmut Rödl, Vorstand der Neusser Wirtschaftsauskunftei Creditreform. Bis zum Sommer 2008 war die Zahl der Firmenzusammenbrüche fünf Jahre lang kontinuierlich gesunken. Dann folgte die Trendumkehr.

Mit den Modefilialisten Wehmeyer und Sinn-Leffers sowie dem Warenhausunternehmen Hertie strauchelten im Spätsommer innerhalb von wenigen Wochen gleich drei prominente Handelsketten. Danach ging es Schlag auf Schlag. Im Zuge der schleppenden Auto-Nachfrage gerieten auch größere Zulieferer in Schieflage. Viele andere sperrten ihre Türen still und leise für immer zu: Handwerker, Händler, Dienstleister.

Bis zu 35.000 Insolvenzen erwartet

Nach Schätzung von Rödl werden 2009 zwischen 33.000 und 35.000 Firmen in Zahlungsnöte geraten. Das wären bis zu 5000 Pleiten mehr als im vergangenen Jahr. Eine ähnliche Entwicklung sagen auch die Experten von Euler Hermes voraus. Der weltweit größte Kreditversicherer prognostiziert für dieses Jahr knapp 34.000 Insolvenzen. Gemessen an den Verhältnissen vor fünf, sechs Jahren ist das keine Katastrophe.

Damals konnten jeweils knapp 40.000 Firmen ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen und traten den Weg zum Amtsgericht an. Aber besorgniserregend ist dieses Mal, dass es neben vielen jungen, kleinen Firmen auch mehr und mehr Traditionsbetriebe erwischt. "Unternehmen mit einer starken Marke und mehr als hundertjähriger Geschichte - da hätte man früher gewettet, dass nichts passiert. Und jetzt geraten auch solche Firmen reihenweise in Schwierigkeiten", sagt Rödl.

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Hertie, Schiesser & Co.

Abschied von alten Bekannten