Insolventer Weltbild-Verlag Mit unbekannten Chefs in die Zukunft

Neues Führungstrio für den insolventen Weltbild-Verlag. Doch die Nachricht über die neuen Chefs bereitet der Belegschaft Sorgen.

Der insolvente Weltbild-Verlag hat ein neues Führungstrio. Doch die Nachricht über die zukünftigen Chefs beunruhigt die Mitarbeiter, und wann die Geschäftsführung antritt, ist nicht klar. Auch die Stadt Augsburg hat Grund zur Sorge.

Von Stefan Mayr und Dieter Sürig, Augsburg

"Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne." Mit diesem Spruch des Schriftstellers Hermann Hesse hat die insolvente Verlagsgruppe Weltbild vor einer Woche versucht, ihre Versandkunden per E-Mail auf die Veränderungen in dem Augsburger Konzern einzustimmen.

Die 1000 verbliebenen Mitarbeiter haben nun am Donnerstagnachmittag aus den Medien erfahren, wer ihre neuen Chefs werden: Gerd Robertz, 47, Patrick Hofmann, 48, und Sikko Böhm, 41. Einer Pressemitteilung zufolge sollen sie als "gleichberechtigte" Geschäftsführer fungieren.

Diese Nachrichten wirkten auf die Mitarbeiter nicht nur beruhigend. Im Gegenteil. Manche machen sich Sorgen, weil zwei der drei neuen Manager nicht aus der Verlagsbranche kommen. Zudem weiß keiner, wann genau die neuen Männer die Geschäfte übernehmen und wohin sie das angeschlagene Unternehmen führen wollen.

Auch Betriebsratschef Peter Fitz erfuhr erst am Donnerstag von der neuen Führung und kennt das Trio nicht. Er ist jetzt froh, dass Weltbild wieder eine Geschäftsleitung hat: "Wir waren führungslos." Derzeit hat noch Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz das Sagen. Wann genau das neue Manager-Trio antritt, kann auch Geiwitz' Sprecher Patrick Hacker nicht sagen. Man warte auf grünes Licht des Kartellamtes.

Unklarheit über das zukünftige Profil

Wie das Profil des Unternehmens aussehen wird, ist ebenfalls offen. Allerdings zeichnet sich ab, dass aus dem ehemaligen katholischen Verlag ein reines Handelsunternehmen wird. Schon vor der Insolvenz wurden selbstproduzierte Zeitschriften und Bücher sukzessive zurückgefahren. Dass dieser Prozess fortgesetzt wird, legt schon der Name der neuen Gesellschaft nahe: Weltbild Retail GmbH & Co KG. "Retail" ist englisch und steht für: Einzelhandel. Auf die Frage, wie das Konzept der Zukunft aussieht, antwortet Sprecher Hacker: "Zur zukünftigen Strategie machen wir keine konkreten Angaben, um dem Wettbewerb nicht in die Hände zu spielen."

Wer sind die neuen Manager? Robertz kommt von der Weltbild-Tochter buecher.de und wird für die Themen Markt und Vertrieb zuständig sein. Hofmann ist als bisheriges Mitglied der Geschäftsführung beim Elektro-Großhändler Sonepar ein Seiteneinsteiger und übernimmt den Bereich Produktionsmanagement und Kaufmännisches. Böhm war bisher Manager beim neuen Mehrheitsgesellschafter Droege AG und verantwortet die Sparte Projekte und Effizienz. Das Konstrukt der Gleichberechtigung macht manchen Mitarbeiter stutzig. "Das ist schon ungewöhnlich, einer muss doch den Hut aufhaben", sagt einer, der nicht namentlich genannt werden will.

Sikko Böhm ist der Emissär der Droege Group, und Beobachter gehen davon aus, dass Firmen-Patriarch Walter Droege seine Manager an der kurzen Leine führt. "Böhm ist für Effizienz zuständig, der bekommt bestimmt Zielvorgaben, die er einhalten muss", befürchtet der Weltbild-Mitarbeiter. Er könnte den Buch-Experten Robertz also in ein Korsett pressen, das kaum Raum zum Atmen lässt. Robertz machte zuletzt bei buecher.de mit 50 Mitarbeitern einen Umsatz von etwa 50 Millionen Euro und gilt als fähiger Manager. Allerdings fragen sich Insider, ob er auch die Führung eines 1000 Mitarbeiter-Unternehmens im Kreuz hat.

Stadt Augsburg in Sorge

Auch die Stadt Augsburg hat Grund zur Sorge: Im Raum steht ein Umzug der Weltbild-Zentrale in den Vorort Gersthofen. Wenn das so käme, müsste Augsburg eine saftige Summe an Gewerbesteuer-Einnahmen abschreiben. Der Sprecher des Insolvenz-Verwalters äußert sich zu diesem Thema nur ausweichend: "Alle Planungen wurden und werden mit dem Betriebsrat abgestimmt."

Weltbild hatte im Januar Insolvenz angemeldet, im Zuge der Sanierung wurden nicht nur etwa 600 Menschen entlassen, sondern auch das repräsentative Bürogebäude in Augsburg verlassen. Das Rest-Personal ist derzeit auf eine Handvoll verschiedener Gebäude verteilt. Das ist keine Dauerlösung, deshalb wird über einen Umzug in den Vorort Gersthofen nachgedacht. Dort wird ein Büro-Hochhaus frei, aus dem Roboter-Hersteller Kuka auszieht. Mit einem Einzug dort würde sich Weltbild viele Laufwege sparen - und müsste weniger Gewerbesteuer zahlen.

Neues gibt es auch vom ehemaligen Weltbild-Boss Carel Halff. Zu Beginn des Insolvenzverfahrens wurde er noch als Berater geführt, und auf dem Briefpapier wird er nach wie vor als Geschäftsführer angegeben. Doch inzwischen ist er nach Angaben des Betriebsrats nicht mehr für die Firma tätig. Er soll sich nicht einmal von der Belegschaft verabschiedet haben, obwohl es Gelegenheiten gegeben hätte.