Insolventer Druckmaschinenhersteller:Manroland wird zerschlagen

"Wir wollen eine vernünftige Rendite erzielen": Die Possehl-Gruppe übernimmt das Augsburger Werk des Druckmaschinenherstellers. Insgesamt gehen 2160 Arbeitsplätze verloren. In Offenbach und Plauen wird die Belegschaft sogar halbiert.

Stefan Mayr und Dieter Sürig

Etwa 1000 Mitarbeiter des Druckmaschinenherstellers Manroland stehen auf dem Parkplatz hinter dem Werkstor 2 in Augsburg. Die Januar-Sonne strahlt, doch warm ist ihnen nicht zumute. "Wir können euch erst am Montag nach der Betriebsversammlung sagen, ob und wie es mit jedem Einzelnen von euch weitergeht", sagt Betriebsratschef Jürgen Bänsch, der vor ihnen steht. Es ist das Ende seiner Rede, doch keiner klatscht. Stattdessen betretenes Schweigen. Wenig später trifft sich der Gläubigerbeirat der insolventen Firma im fünfstöckigen Verwaltungsgebäude des Augsburger Zentralwerks und beschließt, die Firma in drei Teile zu zerschlagen. Dabei werden 2160 Jobs verloren gehen.

Entscheidung bei Manroland erwartet

Beschäftigte von Manroland vor dem Eingang des Werks in Plauen im Januar: Trotz des Insolvenzantrags gibt es nun Anlass zu vorsichtigem Optimismus.

(Foto: dpa)

Das Konzept des vorläufigen Insolvenzverwalters Werner Schneider sieht vor, dass die Lübecker Unternehmensgruppe Possehl den Zuschlag für das Augsburger Rollenoffsetwerk erhält. Dort wird zunächst Possehl-Chef Uwe Lüders selbst die Regie übernehmen. Lüders sitzt auch im Aufsichtsrat des Konkurrenten Heideldruck. Die beiden anderen Standorte Offenbach und Plauen sollen im Zuge eines sogenannten Management-Buyouts an leitende Mitarbeiter gehen. Schneider will dort bis zu einer Lösung Teilgesellschafter bleiben. Er deutete an, dass auch ein chinesischer Konzern am Bogenmaschinen-Standort Offenbach einsteigen könnte.

Possehl könnte sich zudem an Plauen beteiligen und will das Werk ohnehin über einen Liefervertrag am Leben erhalten. "Diese Lösung hat eine solide wirtschaftliche Basis und gute Zukunftsperspektiven", sagte Schneider. Für Offenbach sei allerdings eine hessische Landesbürgschaft erforderlich. Die Landesregierung zeigte sich dafür prinzipiell offen.

Die IG-Metall-Bevollmächtigte Christiane de Santana hatte vorher "tiefe und schmerzhafte Einschnitte" vorausgesagt und sollte Recht behalten. Mit der nun favorisierten Lösung werden 2160 der zuletzt 4400 Jobs an den drei deutschen Standorten verloren gehen. In Offenbach und Plauen wird die Belegschaft sogar mehr als halbiert - von 1800 auf 750 respektive von 700 auf 290 Beschäftigte. In Augsburg verbleiben demnach 1500 der 2200 Mitarbeiter.

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