Insolvente Baumarktkette Hedgefonds wollen Praktiker kaufen

8000 Mitarbeiter sind bei der insolventen Baumarktkette Praktiker beschäftigt. Sie hoffen auf einen neuen Investor. Mehrere Angebote soll es bereits geben, auch eine Gruppe von Hedgefonds soll Interesse haben. Die Marke "Praktiker" gilt allerdings als "verbrannt".

Hoffnung für die Mitarbeiter der insolventen Baumarktkette Praktiker. Offenbar gibt es mehrere Interessenten, die bereit sind das Unternehmen zu übernehmen. Das meldet der Saarländische Rundfunk auf seiner Website. Insolvenzverwalter Udo Gröner habe die Mitarbeiter auf einer Betriebsversammlung im saarländischen Kirkel über die Angebote informiert.

Nachdem sämtliche Sanierungsversuche gescheitert waren, hatte das Unternehmen vergangene Woche Insolvenz für acht Tochterfirmen und die Mutter Praktiker AG beantragt. Zwei vorläufige Insolvenzverwalter wurden bestellt, neben Gröner noch der Heidelberger Rechtsanwalt Christopher Seagon. Derzeit läuft die Suche nach Investoren für das Unternehmen, bei dem etwa 8000 Mitarbeiter beschäftigt sind. Interessenten erhalten Einblick in die Unternehmensdaten und können dann ihre Angebote abgeben.

Gröner zufolge sind bereits mehrere Interessenbekundungen eingegangen. Darunter seien sowohl Konkurrenten als auch Finanzinvestoren. Nicht alle Angebote seien allerdings seriös. Mehrere Baumarktketten wie Obi, Hornbach und Hagebau haben ihr Interesse bereits öffentlich signalisiert, allerdings nur für einzelne Filialen und nicht für das Gesamtpaket. Ziel sei es aber, Praktiker als Ganzes zu verkaufen. "Niemand soll sich nur die Filetstücke herauspicken können", sagte Gröner.

Auch eine Gruppe von Hedgefonds erwägt eine Übernahme des insolventen Baumarktkonzerns. Offenbar sind deren Pläne sogar relativ konkret. Sie haben sich in die Praktiker-Anleihe eingekauft und besitzen mittlerweile etwa 30 Prozent der Anteile. Diese Anteile wollen sie in Aktien umtauschen, wie der offizielle Vertreter der Anleihegläubiger, Ingo Scholz, der Nachrichtenagentur Reuters sagte.

Die Anleihe, die insgesamt 250 Millionen Euro umfasst, wurde 2011 aufgelegt und läuft bis 2016. Die Käufer der Anleihe stellten Praktiker Geld zur Verfügung und erhielten dafür Zinsen in Höhe von 5,875 Prozent. Mit dem Eintritt der Insolvenz wird die Anleihe aber nicht mehr bedient, die Gläubiger bekommen keine Zinsen.

Rechtsanwalt Scholz vertritt nach eigenem Bekunden die größte Gläubigergruppe bei Praktiker, in der Hedge-Fonds, institutionelle Investoren sowie Kleinanleger vertreten sind. Bei einem Konzern-Verkauf befürchtet die Gruppe einen geringen Verkaufspreis und infolgedessen, dass ihre Ansprüche nur teilweise befriedigt werden. Übernahme statt Verkauf, so lautet das Angebot der Gruppe.

"Zurzeit formiert sich eine Gruppe von vier bis fünf Investoren, die einen Tausch von Schulden in Eigenkapital initiieren wollen", sagte Rechtsanwalt Scholz. Sie seien bereit, das Unternehmen aus der Krise zu führen und notfalls auch neues Kapital zu investieren.

Bedingung sei aber, dass die Banken darauf verzichteten, die profitable - und nicht insolvente - Baumarkt-Tochter Max Bahr separat zu verkaufen. "Wir wollen erreichen, dass Max Bahr in der Gruppe bleibt und nicht von den Gläubigern verwertet wird", sagte Scholz. "Das liegt im Interesse aller und ist allemal besser, als jetzt - zum ungünstigsten Zeitpunkt - zu verkaufen."

Vorstandschef Armin Burger hatte als Maßnahme zur Sanierung zahlreiche Praktiker-Filialen auf die ertragsstärkere Marke Max Bahr umgestellt. Von ihr gibt es 132 Standorte, bei Praktiker waren es Ende März 169. Von diesen insgesamt etwa 300 Märkten sollen nach den Vorstellungen der Hedgefonds etwa 200 unter dem Namen Max Bahr weitergeführt werden. "Die Marke 'Praktiker' ist verbrannt", sagt Scholz.

Das sieht Joachim Zentes, Handelsexperte der Universität des Saarlandes, ähnlich. Einzelne Standorte könnten von Konkurrenzunternehmen übernommen werden, auch Umflaggungen in Max-Bahr-Märkte seien möglich. Die Marke "Praktiker" habe trotz ihres hohen Bekanntheitsgrads kein Potenzial mehr. Das Unternehmen, so der Professor im Saarländischen Rundfunk, habe zu lange auf Rabatte gesetzt, während der Markt sich in Richtung Service und Qualität weiterentwickelt habe.