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Innovations-Index:Deutschland ist Weltmeister

Die Bundesrepublik steht bei einer von Bloomberg aufgestellten Liste auf Platz eins. Das ist aber kein Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen, meinen Experten.

Deutschland sei "ein Schnarchland", findet Dieter Kempf, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie. Viele Bürger sehen das genauso. Doch von außen betrachtet, ergibt sich ein anderes Bild: Im "Bloomberg Innovation Index 2020" hat es Deutschland sogar auf Platz eins geschafft und Südkorea, das sechs Jahre an der Spitze stand, verdrängt. Singapur schaffte es wieder auf den dritten Platz. Beim Innovation Index, den es seit acht Jahren gibt, werden Dutzende von Kriterien analysiert. Dazu gehören Ausgaben für Forschung und Entwicklung, Fertigungsmöglichkeiten und Konzentration von börsennotierten Hightech-Unternehmen.

In der Rangliste kommt Deutschland in den drei Kategorien, Wertschöpfung in der Fertigung, Hightech-Dichte und Patentaktivität, unter die ersten fünf. "Der verarbeitende Sektor ist immer noch sehr konkurrenzfähig und eine Quelle für Innovation", sagt Carsten Brzeski, Chef-Ökonom bei ING Deutschland. "Deutschlands Performance in derartigen Indikatoren ist nach wie vor stark und viel besser als die jüngste Konjunkturschwäche vermuten lassen würde." Allerdings sei die Innovation im Dienstleistungssektor weniger beeindruckend, und etwa ein Drittel der Ausgaben für Forschung und Entwicklung entfielen auf den Autosektor. Deutschlands Status als Fertigungsgigant beruhe auf der Autoindustrie, die aber verkaufe wegen Umweltbedenken, Handelskonflikten und schwächelnder Konjunktur weniger. Brzeski zeigte sich zudem besorgt über zu wenig Innovation in der Hochschulausbildung, insbesondere, da die Weltwirtschaft sich mehr in Richtung Dienstleistungen entwickelt.

Für die anderen führenden Industrienationen fiel das Ranking weniger rosig aus. Die USA, die bei der erstmaligen Veröffentlichung Platz eins belegten, sind inzwischen auf Position neun zurückgefallen. Japan rutschte gegenüber dem Vorjahr um drei Stufen auf Platz zwölf ab. Die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft China rückte um einen Platz auf 15 vor. Die USA konnten den Spitzenplatz aber in zwei Kategorien verteidigen: Hightech-Dichte und Patentaktivität. Von den 20 börsennotierten Unternehmen mit den höchsten Forschungsausgaben kommen die Hälfte aus den USA, angeführt von Amazon, Alphabet und Microsoft. Deutschland lag an zweiter Stelle mit vier Unternehmen: Volkswagen, Daimler, Siemens und Bayer.

© SZ vom 21.01.2020 / SZ, Bloomberg
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