LuftverkehrWarum es immer weniger Inlandsflüge in Deutschland gibt

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Die Lufhansa streicht immer mehr innerdeutsche Flüge aus ihrem Programm.
Die Lufhansa streicht immer mehr innerdeutsche Flüge aus ihrem Programm. (Foto: Malin Wunderlich/dpa)

Die Lufthansa macht hohe Kosten und geringe Nachfrage bei Geschäftsreisen für den Rückgang verantwortlich. 2026 könnten weitere Strecken gestrichen werden.

Von Jens Flottau, Frankfurt

Es wurde einst viel geflogen innerhalb Deutschlands. Man mag es kaum glauben, aber es gab sogar mal so etwas wie Wettbewerb im innerdeutschen Luftverkehr. In den Neunzigerjahren nämlich. British Airways baute damals die Deutsche BA auf, die ein ziemlich großes Inlandsnetz gegen die Lufthansa und ihre diversen Tochtergesellschaften flog. Später kamen Airlines wie Germania Express und natürlich Air Berlin, die allerdings 2017 den Betrieb einstellen musste. Ryanair und Easyjet versuchten sich ebenfalls.

Das ist alles lange her. Der innerdeutsche Luftverkehrsmarkt hat mittlerweile nur noch einen Bruchteil seiner früheren Größe. Laut dem Bundesverband der deutschen Luftverkehrsindustrie lag er in den ersten sechs Monaten des Jahres 2025 bei 49 Prozent des Niveaus von 2019, auf den dezentralen Strecken sogar nur bei 20 Prozent. Die meisten Anbieter haben längst das Weite gesucht.

Für diese Entwicklung gibt es mehrere Gründe. Vor allem auf den kurzen Strecken ist die Nachfrage nach Geschäftsreisen auch nach dem Ende der Corona-Pandemie nicht auf das alte Niveau zurückgekehrt. Videokonferenzen haben sich für Routinetreffen oder interne Sitzungen durchgesetzt. Wichtiger aber ist, dass sich die Kosten stark erhöht haben, insbesondere für die Flugsicherung und staatliche Dienstleistungen wie die Sicherheitskontrollen an den Flughäfen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr kritisiert, dass diese zusammen mit der Luftverkehrsabgabe pro Flug rund 45 Euro ausmachen können. Innerdeutsche Flüge lohnten sich so schlicht nicht mehr. Die Kosten hätten sich in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt.

Köln/Bonn hat drei Viertel der innerdeutschen Lufthansa und Eurowings-Flüge verloren

Spohr warnt auch, dass ganze Regionen, die auf Flugverbindungen angewiesen seien, abgeschnitten würden. Das sei schlecht für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Für den kommenden Sommer erwägt die Lufthansa, rund 100 weitere wöchentliche Flüge aus dem Programm zu nehmen. Treffen soll es etwa die Strecken von München nach Münster/Osnabrück und nach Dresden.

Betroffen sind vor allem dezentrale Strecken. Die Lufthansa ist darauf angewiesen, die zwei Drehkreuze in Frankfurt und München mit Zubringerflügen aus anderen deutschen Metropolen anzubinden. Anders lassen sich die Großraumjets auf den Langstrecken nicht füllen.

Konkurrent Condor bedient inzwischen einige der innerdeutschen Strecken, sogar Frankfurt-München. Das hängt vor allem damit zusammen, dass die Ferienfluglinie sich verstärkt selbst Zubringerflüge organisieren muss, weil die Lufthansa die bisherige Zusammenarbeit eingestellt hat.

Fünf deutsche Standorte haben Lufthansa und Eurowings seit 2019 ganz dichtgemacht – Dortmund, Friedrichshafen, Paderborn, Rostock und Karlsruhe/Baden-Baden. 24 innerdeutsche Strecken haben die beiden Airlines ganz aus dem Programm genommen.

Für die Flughäfen sind die Folgen drastisch: Köln/Bonn hat 74 Prozent der innerdeutschen Flüge des Konzerns verloren, Düsseldorf 59 Prozent, Leipzig 68 Prozent, Stuttgart 57 Prozent. Und, trotz der Zubringer, ist selbst in Frankfurt und München das innerdeutsche Angebot um 24 respektive 38 Prozent zurückgegangen.

Sieht wohl so aus, als ob diejenigen, die innerhalb Deutschlands reisen, zumeist nur noch das Auto oder die Bahn als Alternative haben. Aber auch das ist oft keine Freude.

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