KonjunkturInflationsrate bleibt bei zwei Prozent

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Eine Frau zählt Münzen aus einem roten Portemonnaie.
Eine Frau zählt Münzen aus einem roten Portemonnaie. Jan Woitas/Jan Woitas/dpa
  • Die Inflationsrate in Deutschland bleibt im Juli bei 2,0 Prozent, entgegen der Erwartung eines leichten Rückgangs auf 1,9 Prozent.
  • Nahrungsmittel verteuerten sich um 2,2 Prozent, während Energie 3,4 Prozent günstiger wurde. Die Kerninflation ohne Nahrungsmittel und Energie liegt bei 2,7 Prozent.
  • Experten diskutieren über mögliche Zinssenkungen der EZB, da die Inflationsrate unter dem Zielwert von 2 Prozent für den Euroraum liegt und die Konjunktur schwach ist.
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Experten hatten etwas mehr Rückgang erwartet: Waren und Dienstleistungen sind im Jahresvergleich um zwei Prozent teurer geworden.

Stärker steigende Lebensmittelpreise haben den erwarteten Rückgang der Inflation im Juli verhindert. Waren und Dienstleistungen in Deutschland kosteten wie schon im Juni 2,0 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag zu seiner ersten Schätzung mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten hingegen mit einem Rückgang auf 1,9 Prozent gerechnet. Von Juni auf Juli zogen die Preise um 0,3 Prozent an.

„Damit ist die hohe Inflationswelle der vergangenen Jahre ausgelaufen“, sagte Deka-Bank-Chefvolkswirt Ulrich Kater. Die privaten Haushalte seien immer noch dabei, sich an das erhöhte Preisniveau zu gewöhnen. Mittlerweile hätten aber auch die Löhne nachgezogen. „Das Thema Inflation wird mehr und mehr aus den Köpfen der Verbraucher verschwinden“, erwartet Kater.

Nahrungsmittel verteuerten sich im Juli um 2,2 Prozent zum Vorjahresmonat. Dabei zogen etwa im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen die Preise für Zitrusfrüchte (+23,4 Prozent), Pfirsiche, Kirschen oder anderes Stein-/Kernobst (+21,8 Prozent) sowie für Bohnenkaffee (+21,6 Prozent) besonders kräftig an. Erneut billiger wurde Energie: Sie kostete 3,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor (Juni: -3,5 Prozent). Dienstleistungen verteuerten sich im Schnitt um 3,1 Prozent (Juni: +3,3 Prozent).

Die Teuerungsrate ohne Nahrungsmittel und Energie, oft auch als Kerninflation bezeichnet, lag wie im Vormonat bei 2,7 Prozent. „Das wäre vernachlässigbar, wenn sich die deutsche Wirtschaft noch in der Rezession befände“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Seit vergangenem Herbst gehe es aber tendenziell aufwärts. „Und das Fiskalpaket der Bundesregierung wird die Konjunktur anfachen, was mittelfristig ein Inflationsrisiko darstellt.“

Was macht die EZB?

Das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) für den Währungsraum ist zwei Prozent. Die nach europäischen Standards berechnete deutsche Teuerungsrate liegt aktuell mit 1,8 Prozent unter dieser Zielmarke. Die Währungshüter haben wegen des nachlassenden Preisdrucks seit vergangenem Jahr achtmal ihren Leitzins gesenkt, im Juli aber eine Pause eingelegt. „Die Europäische Zentralbank sollte den Leitzins auf der nächsten Sitzung erneut senken, um die Binnennachfrage und insbesondere die Investitionstätigkeit anzuregen“, sagte die Geldpolitik-Expertin des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Silke Tober. „Sonst steigt auch das Risiko einer mittelfristig zu niedrigen Inflation.“

Gedämpft wird der Preisdruck von der Aufwertung des Euro. Dadurch werden Importe aus anderen Währungsräumen billiger, etwa die auf den Weltmärkten überwiegend in Dollar bezahlten Lieferungen von Öl und Gas. „Der im Vorjahresvergleich starke Euro wirkt sich auf die Warenpreise, vor allem die Kosten des Energieimports, positiv aus“, sagte der Chefökonom des Finanzhauses HQ Trust, Michael Heise. Hinzu kommt die schwache Konjunktur, wegen der viele Unternehmen größere Preiserhöhungen nicht durchsetzen können. Auch gibt es Hinweise auf ein größeres Angebot an Waren aus Asien, die die dortigen Hersteller wegen der höheren Zölle nicht mehr in den USA loswerden und nach Europa umleiten.

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