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Inflation:Straffere Geldpolitik

Die britische Notenbank erhöht erstmals seit der Finanzkrise den Leitzins, auf jetzt 0,75 Prozent. Damit wollen die Währungshüter des Pfundes die Teuerung auf der Insel eindämmen. Die Inflationsrate liegt schon seit Monaten über zwei Prozent.

Ungeachtet des Brexits hat die britische Zentralbank den Leitzins erhöht. Die Londoner Währungshüter setzten den Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld am Donnerstag um einen Viertelpunkt nach oben auf 0,75 Prozent, dem höchsten Wert seit März 2009. Mit der strafferen Geldpolitik will die Bank of England die vergleichsweise hohe Inflation eindämmen, die schon seit Monaten über der Zielmarke von zwei Prozent liegt. Die Bank of England folgt damit der amerikanischen Notenbank Federal Reserve, die schon früher die Zinswende eingeleitet hat. In den USA liegt der Leitzins in der Spanne von 1,75 und zwei Prozent.

Die Strategien der wichtigsten Notenbanken driften damit immer weiter auseinander. Die japanische Notenbank hat diese Woche beschlossen, ihre lockere Geldpolitik fortzusetzen. Die Europäische Zentralbank möchte frühestens im Herbst 2019 den Leitzins erhöhen, ihr Anleihekaufprogramm soll zum Jahresende auslaufen.

Die britische Wirtschaft wächst ordentlich, zudem ist die Inflation zuletzt auf 2,4 Prozent gestiegen. Wie die meisten Notenbanken streben auch die britischen Währungshüter eine Teuerungsrate von zwei Prozent an. Es sei eine "weitere Straffung der Geldpolitik nötig, um die Inflation zu zügeln", teilte die Notenbank mit.

"Es wird in diesem Jahr keinen weiteren Zinsschritt geben."

Für den Preisauftrieb auf der Insel sorgt vor allem die schwächelnde Landeswährung Pfund, die seit dem Brexit-Votum im Juni 2016 deutlich an Wert eingebüßt hat. Dadurch werden Importe teurer. Die Kaufkraft der Briten verringert sich.

Das oberste Notenbankgremium hatte lange mit sich gerungen, wann denn der richtige Zeitpunkt für die Zinserhöhung wäre. Die Finanzmärkte hatten zuletzt immer auf die Zinswende gehofft, wurden aber jedes Mal enttäuscht. Der oberste Ökonom der Bank of England, Andy Haldane, hatte im Juli davor gewarnt, die Bekämpfung der Inflation auf die lange Bank zu schieben. Nun sprach sich das Notenbank-Direktorium sogar einstimmig für höhere Zinsen aus.

Großbritannien möchte Ende März 2019 die Europäische Union verlassen. Nach wie vor ist unklar, wie die wirtschaftlichen Beziehungen der Briten zur EU künftig gestaltet werden. Das Verhandlungsergebnis entscheidet mit darüber, wie es wirtschaftlich weitergeht in Großbritannien. "Es wird in diesem Jahr keinen weiteren Zinsschritt geben. Das ist der Unsicherheit über den Fortgang des Brexit-Prozesses geschuldet, aber auch der geringeren Wachstumsdynamik", sagt Thomas Amend, Finanzmarktexperte der Bank HSBC Trinkaus. Wie es geldpolitisch 2019 weitergehe, hänge stark vom Ergebnis der Brexit-Verhandlungen ab.