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Inflation:Die Preise steigen so stark wie seit vier Jahren nicht

Biomarkt

Im Februar sind die Preise in Deutschland stark gestiegen. Grund ist vor allem der Energiepreis.

(Foto: dpa)
  • Die Preise in Deutschland steigen wieder schneller. Das ist vor allem auf die gestiegenen Energiekosten zurückzuführen.
  • Zumindest in Deutschland ist damit die Zwei-Prozent-Schwelle überschritten - ändern wird die EZB ihre expansive Geldpolitik deswegen aber wohl nicht.

Die Inflationsrate lag im Februar in Deutschland bei 2,2 Prozent, nach 1,9 Prozent im Januar. Einen so hohen Wert gab es zuletzt im August 2012. Damit steigen die Preise hierzulande so stark wie seit mehr als vier Jahren nicht.

Hauptgrund dafür sind die Energiepreise, die in den vergangenen Monaten stark angezogen haben. Energie verteuerte sich mit 7,2 Prozent besonders stark, vor allem Heizöl, Benzin und Diesel. Nahrungsmittel kosteten 4,4 Prozent mehr als im Februar 2016, unter anderem wegen Missernten in südeuropäischen Ländern.

Das Überschreiten der Zwei-Prozent-Schwelle dürfte die Diskussionen um die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) erneut anfachen, auch wenn die Inflationszahlen für die Euro-Zone, die am Donnerstag veröffentlicht werden, wohl etwas niedriger ausfallen werden. Die bis vor einigen Monaten deutlich niedrigeren Inflationsraten waren bislang der Hauptgrund für die Politik des billigen Geldes von EZB-Chef Mario Draghi. Er hat den Leitzins auf null Prozent gesenkt, zudem kauft die Zentralbank im großen Stil Anleihen und pumpt so Geld in die Märkte. Die Maßnahmen sollen zu einer kräftigeren Inflation führen. Die EZB strebt für den Euro-Raum eine Inflationsrate von zwei Prozent an.

Die Preise steigen - handeln wird die EZB wohl trotzdem nicht

Trotz der kräftigeren Preissteigerung ist eine zügige Kehrtwende in der EZB-Geldpolitik unwahrscheinlich. Auch, weil die Inflation wohl nicht nachhaltig auf diesem Niveau bleiben wird. Experten erwarten demnächst wieder ein Abflachen der Preissteigerung.

Die steigende Inflation hat vor allem mit den Energiepreisen zu tun. Sie hatten im Februar vergangenen Jahres ihren Tiefpunkt erreicht, ziehen nun aber deutlich an. Das treibt die Inflation nach oben. Die Analysten bei der Commerzbank erwarten aber, dass die Preissteigerung bis Ende des Jahres auf einen Wert von 1,5 Prozent fallen wird. "Die gegenwärtige Inflationsrate ist nur vorübergehend so hoch, zudem ist die Kerninflation deutlich niedriger, deshalb ist das Ziel der EZB noch nicht erfüllt", sagt Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen. Es gebe deshalb für die EZB keinen Grund, die Politik des billigen Geldes zu ändern.

Auf die Kerninflationsrate schauen auch die Experten bei der Zentralbank. In dieser sind stark schwankende Produkte wie Energie und Nahrungsmittel nicht berücksichtigt. Für den Euro-Raum dürfte sie im Februar sogar leicht gesunken sein, von 0,9 auf 0,8 Prozent. Schon seit mehr als drei Jahren pendelt sie um den Wert von 1,0 Prozent, also deutlich unter dem Ziel der EZB.

Der Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik braucht Zeit

Der EZB-Rat wird sich auf seiner Sitzung am kommenden Donnerstag dennoch mit dem Thema beschäftigen. Es wächst der Druck auf die Währungshüter, den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik vorzubereiten. Dieser Schritt braucht allerdings Zeit. Schließlich hat die EZB erst im Dezember ihr Anleihekaufprogramm bis Ende 2017 verlängert. Jetzt ein abruptes Ende der Anleihekäufe auszurufen, würde getrieben wirken und sähe nicht gut aus.

Die EZB hat sich darüber hinaus noch eine zweite Zwinge angelegt: Erst nachdem das Kaufprogramm beendet ist, wollen die Währungshüter über Zinserhöhungen nachdenken, so der Beschluss des EZB-Rats. Doch gerade die niedrigen Leitzinsen sind ein großes Problem. Der Nullzins ruiniert vielen Banken das Geschäft und mindert Sparern die Rendite. Außerdem müssen Kreditinstitute auf ihre Einlagen bei der EZB einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Manche Experten fordern daher, die EZB solle den Leitzins früher anheben. "Der Ausstieg aus der ultraexpansiven Geldpolitik ist überfällig, aber nicht einfach", sagt Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank. "Mit einer raschen Normalisierung der Leitzinsen und einer nur langsamen Rückführung der Anleihekaufprogramme könnte der Spagat aber gelingen."

Eine solche Maßnahme bräuchte jedoch einen längeren Vorlauf. Die Finanzmärkte wollen frühzeitig auf geldpolitische Änderungen vorbereitet werden. Der EZB-Rat müsste den Richtungsschwenk zunächst ankündigen, um ihn dann Wochen später beschließen zu können. Auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann hatte zuletzt eine solche Änderung der "Kommunikation" im EZB-Rat angeregt.

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