Die stark gestiegenen Ölpreise infolge des Iran-Kriegs haben die deutsche Inflation im April weiter nach oben getrieben. Waren und Dienstleistungen kosteten durchschnittlich 2,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, nachdem die Teuerungsrate im März noch bei 2,7 Prozent gelegen hatte und im Februar bei 1,9 Prozent. Das teilte das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung mit. Das ist der höchste Wert seit Anfang 2024. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten sogar mit einem Anstieg auf 3,0 Prozent gerechnet. Von März auf April zogen die Preise um 0,6 Prozent an.
Der Ende Februar begonnene Krieg der USA und Israels gegen Iran hat die Öl- und Gaspreise in die Höhe getrieben. Durch die Straße von Hormus, über die normalerweise ein Fünftel des globalen Ölverbrauchs abgewickelt wird, fließt derzeit kein Öl. Das sorgt für eine Verknappung, weshalb die Weltmarktpreise gestiegen sind. Bundesweit zogen die Energiepreise im April um 10,1 Prozent zum Vorjahresmonat an (März: +7,2 Prozent). Diesel verteuerte sich etwa in Nordrhein-Westfalen um 36,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, Benzin um 18,8 Prozent. Für Heizöl mussten 27,3 Prozent mehr bezahlt werden, für Fernwärme 2,0 Prozent mehr. Nahrungsmittel verteuerten sich mit 1,2 (März: +0,9) Prozent unterdurchschnittlich. Dienstleistungen wie Versicherungen oder Reisen kosteten 2,8 (März: 3,2) Prozent mehr. Die Preise ohne Nahrungsmittel und Energie, auch als Kerninflation bezeichnet, stiegen um 2,3 (März: 2,5) Prozent.
Der leichte Inflationsanstieg in Europas größter Volkswirtschaft dürfte vor der Zinssitzung der Europäischen Zentralbank an diesem Donnerstag „für eine gewisse Entspannung sorgen“, sagte Ökonom Felix Schmidt von der Berenberg Bank. Eine Zinserhöhung sei damit nahezu ausgeschlossen. Bei der übernächsten Sitzung des EZB-Rates im Juni werde die Lage neu bewertet. „Viel wird davon abhängen, ob es zu einer weiteren Deeskalation im Iran-Krieg kommt“, sagte Schmidt.

