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Inflation:Deutsche Sparer werden weiter leiden

European Central Bank And Frankfurt Financial District

Die EZB profitiert von steigenden Preisen: Sie bringen die Zentralbank ihrem Inflationsziel ein Stück näher.

(Foto: Getty Images)

Es gibt wieder mehr Inflation, aber das freut vor allem die EZB: Sie erreicht ihr Ziel - während das Vermögen der Sparer langsam aber sicher an Wert verliert.

Die Preise in Europa steigen wieder. Im September lag die Inflationsrate bei 0,4 Prozent. Das war der höchste Wert seit Oktober 2014. Für den August meldeten die Statistiker noch 0,2 Prozent, in den Monaten zuvor waren die Preise zum Teil sogar noch gesunken. Man muss bei Prognosen dieser Art zwar vorsichtig sein, aber einiges deutet darauf hin, dass die Phase der ultraniedrigen Preise vorbei ist. Schon im kommenden Jahr könnte die Inflationsrate in der Euro-Zone über ein Prozent steigen. Ein Stück Normalität kehrt dann zurück.

Diese Nachricht mag manchem Verbraucher missfallen. Höhere Ölpreise sind allen ein Gräuel, zumal die steigenden Energiekosten auch andere Waren verteuern. Dadurch erhalten die Bürger beim Einkauf künftig weniger für ihr Geld. Das Unverständnis darüber, warum die Währungshüter bei der Europäischen Zentralbank (EZB) in den vergangenen beiden Jahren alles versucht haben, um die Inflation in der Euro-Zone zu steigern, dürfte dann weiter zunehmen. Im privaten Haushaltsbuch sind die Preise dann am stabilsten, wenn sie gar nicht steigen. Sie dürfen sogar gerne sinken.

Doch Konsumenten und Geldpolitiker haben hier unterschiedliche Wahrnehmungen. Für die EZB ist eine Preisstabilität dann gegeben, wenn die Preise im Schnitt um knapp zwei Prozent steigen. Die Zentralbank in Neuseeland hat mit diesem damals revolutionären Zwei-Prozent-Ziel Anfang der Neunzigerjahre erstmals experimentiert.

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Auch früher haben Sparer gelitten - sie haben es nur nicht bemerkt

Mittlerweile haben sich alle führenden Notenbanken der Welt dieser Definition von Preisstabilität angeschlossen. Man möchte einen Puffer zur Null-Linie haben. Dort beginnt die Deflation, also dauerhaft sinkende Preise. Die Notenbanker halten dies für gefährlich, weil die Wirtschaft dadurch in die Rezession getrieben würde. Das Argument: Unternehmen nehmen dann weniger Geld für ihre Produkte ein und müssen gleichzeitig die hohen Löhne bezahlen. Das, so die Befürchtung, führe zu Entlassungen und im schlimmsten Fall zu Konkursen.

Die steigenden Preise in Europa helfen der EZB. Sie kommt ihrem Inflationsziel näher. Zudem sind steigende Preise Ausdruck einer sich erholenden Wirtschaft. Die höheren Inflationsraten haben allerdings auch Einfluss auf die Renditen der Sparer. Durch die Nullzinspolitik der EZB liegen die Erträge nominal rekordniedrig. Allerdings unterschlagen die Kritiker dabei sehr gerne, dass die realen Renditen für Sparer, also nach Abzug der Inflation, im historischen Vergleich gar nicht so mickrig sind.

Ein Beispiel: Im Deutschland der Vor-Euro-Zeit mögen die Leitzinsen manchmal bei fünf Prozent gelegen haben. Allerdings konnte die Inflation dann auch 4,5 Prozent betragen. Sparer mussten also auch früher schon mal leiden. Man hat die niedrigen Erträge hinter dem hohen Nominalzins nur nicht so deutlich gesehen.