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Inflation:Das Leben wird teurer

12.03.2020, Berlin, GER - Symbolfoto: Auto wird aufgetankt. (Anschnitt, Anzeige, Anzeigetafel, auftanken, aussen, Aussen

Seit Jahresanfang fällt eine CO₂-Abgabe auf Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas an. Das treibt die Preise fürs Heizen und Tanken.

(Foto: Frank Sorge/Imago)

Die Preise steigen auch im Februar - und könnten in den kommenden Monaten noch weiter anziehen.

Von Markus Zydra, Frankfurt

Die Preise in Deutschland sind auch im Februar spürbar gestiegen. Das Statistische Bundesamt meldete am Montag, dass die Inflationsrate im vergangenen Monat 1,3 Prozent betragen habe, im Januar hatte die Teuerung bereits bei einem Prozent gelegen. Viele Experten gehen, davon aus, dass die Preise in Deutschland in diesem Jahr um drei und mehr Prozent steigen könnten. "Die Inflationsrate bleibt nicht auf Dauer so niedrig wie im vergangenen Jahr", sagte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann der Augsburger Allgemeinen.

Ein Grund für den Anstieg ist hausgemacht: Seit dem 1. Januar gelten in Deutschland wieder die üblichen Mehrwertsteuersätze von 19 beziehungsweise sieben Prozent, nachdem sie im Vorjahr wegen der Corona-Pandemie gesenkt worden waren. Zudem wird seit Anfang 2021 eine CO₂-Abgabe von 25 Euro je Tonne ausgestoßenem Kohlendioxid fällig, das beim Verbrennen von Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas entsteht. Das treibt die Preise fürs Heizen und Tanken nach oben. Da die meisten Ökonomen von einer allmählichen Aufhebung des wirtschaftlichen Lockdowns ausgehen, dürften sich viele Bürger zudem bald Wünsche erfüllen, die im letzten Jahr unerfüllbar waren, weil Schließungen im Einzelhandel und Reisebeschränkungen den Konsum bremsten. Die Sparquote in Deutschland stieg auch deshalb auf das Rekordhoch von 16,3 Prozent. Sobald die Menschen wieder Geld ausgeben können, könnte ein Nachholeffekt beim Konsum aber bestimmte Waren verknappen. Das könnte "zu einem vorübergehenden Inflationsschub führen", prognostiziert Nils Jannsen vom Institut für Weltwirtschaft.

Auch die Europäische Zentralbank rechnet wegen solcher "Basiseffekte" für das laufende Jahr mit mehr Inflation, wie Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel im Deutschlandfunk sagte: "Allerdings darf man diese kurzfristige Entwicklung eben nicht verwechseln mit einem anhaltenden Anstieg der Inflation." Die EZB kämpft seit Jahren darum, die Teuerung in der Währungsunion nach oben zu treiben. Obwohl die Notenbank bereits die lockerste Geldpolitik ihrer Geschichte verfolgt, waren die Preise aber kaum gestiegen. Zum Jahreswechsel kam dann der Sprung: Die Inflationsrate im Euroraum kletterte auf 0,9 Prozent, nachdem die Teuerungsrate im Dezember noch bei minus 0,3 Prozent gelegen hatte. Manche US-Ökonomen befürchten, dass die Preise demnächst stark steigen könnten, vor allem aufgrund der üppigen staatlichen Konjunkturprogramme zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie. Andere sehen das anders: "Der Digitalisierungsschub wird die Inflation dämpfen", sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft Union Investment.

© SZ vom 02.03.2021
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