Infineon E-Autos im Visier

Infineon kauft eine US-Chipfirma für mehr als 750 Millionen Euro. Damit wollen die Münchener einen besonders lukrativen Markt stärken.

Der Halbleiterkonzern Infineon stärkt mit dem Kauf eines US-Chipherstellers seine Position als Zulieferer für Elektro-Autos und den Mobilfunk. Infineon erwirbt vom amerikanische LED-Hersteller Cree den Chipspezialisten Wolfspeed für 850 Millionen Dollar, wie das Dax-Unternehmen mitteilte. "Wir sind dank der Übernahme bei wichtigen Technologien nun besser aufgestellt", sagte Infineon-Chef Reinhard Ploss. Mit der Expertise und den Anlagen von Wolfspeed könnten etwa kleinere und effizientere Ladegeräte für Elektro-Autos gebaut werden. Zudem verfüge die Neuerwerbung über Technologien, die den nächsten Mobilfunkstandard 5G erst möglich machten. Derzeit steckt 5G noch in den Anfängen.

Wolfspeed sollte eigentlich an die Börse gebracht werden. Infineon schnappt sich das Unternehmen mit 550 Mitarbeitern nun. Die US-Firma mit Sitz in North Carolina kommt auf einen Jahresumsatz von 173 Millionen Dollar und arbeitet nach Aussage von Finanzchef Dominik Asam profitabler als Infineon selbst. Voriges Jahr kam der Münchner Konzern auf eine operative Marke von 14 Prozent. Der Kaufpreis sei "sportlich", aber angemessen, sagte Asam.

In den nächsten fünf Jahren solle sich der Umsatz von Wolfspeed verdoppeln. Bei den Anlegern kam der Kauf gut an: Aktien von Infineon legten 2,6 Prozent zu und zählten zu den größten Gewinnern im Dax. Der Deal soll Ende des Jahres unter Dach und Fach sein.

Infineon hat sich in den vergangenen Jahren vom Sorgenkind zum Vorzeigeunternehmen der deutschen Elektronikindustrie entwickelt. Ploss und sein Vorgänger Peter Bauer entkoppelten die frühere Siemens-Tochter von den tückischen Zyklen der Halbleiterindustrie und richteten den Konzern als Zulieferer für Autobauer, die Industrie und die Sicherheitstechnik aus. Vor einem Jahr übernahm Infineon dann inmitten der Branchenkonsolidierung den US-Energiechipspezialisten International Rectifier für rund drei Milliarden Euro. In der Branche gibt es derzeit eine Übernahmewelle. Grund ist, dass es für die Konzerne immer schwieriger wird, noch mehr Rechenleistung auf einen Chip zu bringen. Stattdessen wird deshalb versucht, die Kosten zu senken - durch Übernahmen. So kaufte Microchip den Rivalen Atmel für 3,5 Milliarden Dollar. Die niederländische NXP gab zwölf Milliarden Dollar für Freescale aus.