Süddeutsche Zeitung

Industrieversicherung:Unzufriedene Konzerne

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Die Versicherer erhöhen die Preise und reduzieren den Deckungsumfang für die Industrie. Da sollten eigentlich die Spezialmakler helfen, finden die Konzerne. Aber von denen kommt zu wenig.

Von Friederike Krieger

Die Versicherungseinkäufer von Großkonzernen haben momentan mit widrigen Marktbedingungen zu kämpfen: Nach Jahren sinkender Preise erhöhen Versicherer wie Allianz, HDI oder Zurich die Preise spürbar und wollen rigidere Bedingungen durchsetzen. Unterstützung durch die spezialisierten Versicherungsmakler ist für die Industriekunden deshalb wichtiger denn je. Doch von großen Maklerhäusern bekommen sie relativ wenig Hilfe, kritisiert Alexander Mahnke, Vorstandsvorsitzender des Gesamtverbands der versicherungsnehmenden Wirtschaft (GVNW) und Versicherungschef von Siemens. Der GVNW ist die Lobbyorganisation der deutschen Industrie in Versicherungsfragen. "Viele Versicherer verstehen ihre Kunden nicht mehr, Makler möglicherweise auch nicht", sagte er bei der Fachkonferenz Großmakler-Dinner der SZ.

Neben den steigenden Preisen sehen sich die Konzerne immer mehr neuen Risiken gegenüber wie Cyber- oder Pandemiegefahren, für die klassische Versicherungslösungen nicht mehr ausreichen. "Die Kunden erwarten mehr, insbesondere von Maklern in der jetzigen Marktphase", stimmte Kai Frank Büchter zu, Chef für Deutschland, Österreich und die Schweiz beim Großmakler Aon.

Statt sich auf die klassische Vermittlung von Versicherungen zu konzentrieren, müssten sich die Makler zu echten Risikoberatern mausern, fordert er. Sie sollten den Kunden helfen, ihre Risiken zu minimieren und ihnen Alternativen zur klassischen Police aufzeigen. Er nannte die Nutzung firmeneigener Versicherer, den Einsatz von Rückversicherern und das Anzapfen des Kapitalmarkts über Verbriefungen wie Katastrophenanleihen.

Büchter verlangte auch mehr Fortschritt seiner Branche bei der Digitalisierung. Eine einheitliche Schnittstelle, an die Industriekunden zum Datenaustausch andocken können, ist dringend nötig. "Es gibt noch keinen einheitlichen Stecker", sagte Büchter. "Jeder Makler und Versicherer arbeitet mit eigenen Systemen." Die Kunden hätten dafür wenig Verständnis.

GVNW-Chef Mahnke sieht das genauso. Er moniert, dass Vorhaben wie die einheitliche Kundenschnittstelle oder die Entwicklung des Maklers zum Berater schon seit Jahren auf der Agenda der Makler stehen. Er sei eigentlich ein Fan der Spezialmakler für die Industrieversicherung. "Ich stelle ich mir aber schon die Frage, wann kommt das denn alles?"

Die Makler sind derzeit offenbar vor allem mit sich selbst beschäftigt. Eine große Übernahmewelle rollt durch die Branche. So sammeln die beiden Gruppen MRH Trowe und GGW Holding mit Unterstützung der Private Equity-Firmen HG Capital und Ana Cap gerade reihenweise kleinere Konkurrenten ein. Auch etablierte Branchengrößen wie Ecclesia zeigen sich umtriebig.

GGW-Chef Tobias Warweg sagte, dass sein 2020 gestartetes Unternehmen gerade seinen 18. Zukauf getätigt hat. "Ende des Jahres werden wir doppelt so groß sein wie Howden in Deutschland", sagte er. Das Schwergewicht aus Großbritannien will ebenfalls im deutschen Markt wachsen und peilt für 2021 einen Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro an.

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